Bil­dung mit Hin­der­nis­sen

Weil er einst sein Abitur­zeug­nis fälsch­te, muss Gym­na­si­al­leh­rer Fa­bi­an Sor­ge selbst wie­der die Schul­bank drü­cken.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - MEDIEN - Von Kat­ha­ri­na Zeckau

Für Fa­bi­an Sor­ge geht das Le­ben sei­nen ge­wohn­ten Gang: Leh­rer für Bio­lo­gie und Ge­schich­te an ei­nem Köl­ner Gym­na­si­um, ge­trennt le­bend, ein Sohn im Te­enager­al­ter. Sei­ne an­ste­hen­de Ver­be­am­tung, so scheint es, ist rei­ne Form­sa­che. Doch dann fliegt auf, dass Fa­bi­an einst sein Abitur­zeug­nis fälsch­te. Das Stu­di­um, der Job als Leh­rer: al­les auf Be­trug ge­baut.

Die Ko­mö­die „Ei­ne Klas­se für sich“, die die ARD im Rah­men ih­rer The­men­wo­che „Zu­kunft Bil­dung“heu­te Abend aus­strahlt, er­zählt da­von, wie Fa­bi­an (Hans Löw) ei­ne zwei­te Chan­ce er­hält: Wenn er das Abitur an ei­nem Er­wach­se­nen­kol­leg nach­holt, darf er in sei­nen Be­ruf zu­rück. Ein Alb­traum für den ziem­lich bes­ser­wis­se­ri­schen Leh­rer, sich zwi­schen bil­dungs­hung­ri­gen Klo­frau­en und kaum ei­nen ge­ra­den deut­schen Satz her­vor­brin­gen­den Mit­schü­lern wie­der­zu­fin­den. Die­se Fi­gu­ren klin­gen kli­schee­haf­ter, als sie hier tat­säch­lich sind. Denn die Cha­rak­te­re sind von Dreh­buch­au­tor Sebastian Or­lac fein ge­zeich­net. Und sie wer­den von gu­ten Schau­spie­lern über­zeu­gend zum Le­ben er­weckt.

Vor al­lem Fa­bi­an ist in der Dar­stel­lung von Löw ein in sei­ner Viel­schich­tig­keit ge­ra­de­zu be­zau­bern­der Prot­ago­nist. An der Fi­gur die­ses Mitt­vier­zi­gers stimmt ein­fach al­les: der bren­nen­de

Wunsch, sich von der ei­ge­nen pro­le­ta­ri­schen Her­kunft zu lö­sen. Die Paa­rung aus Idea­lis­mus und lei­ser Ar­ro­ganz. Der et­was nai­ve Glau­ben an Rechts­staat­lich­keit und Ord­nung. Die Be­zie­hung zwi­schen Nä­he und Dis­tanz zum pu­ber­tie­ren­den Sohn. Die leich­te

Ver­knif­fen­heit, aber auch der kind­li­che Spaß und die Ge­löst­heit, wenn die­se über­wun­den wird.

Doch auch die an­de­ren Darstel­ler über­zeu­gen: ne­ben Löw vor al­lem Al­wa­ra Hö­fels als links­be­weg­te Co­ra, die ihr Abitur nach­ho­len will, um sich schlag­kräf­ti­ger im Kampf für Gleich­heit und Men­schen­rech­te en­ga­gie­ren zu kön­nen. Da­zu kom­men Jo­han­na Gast­dorf als Klo­frau Hel­len, Sa­mi Nas­ser als Ex-fuß­ball­pro­fi Yus­uf und Ye­liz Sim­sek als ma­the­ma­tisch hoch­be­gab­te Bin­gül. Die­se fünf grün­den ei­ne pri­va­te Lern­grup­pe, als ihr Lern­kol­leg nach der Über­nah­me durch ei­nen In­ves­tor we­gen Miet­wu­chers ge­schlos­sen wer­den muss.

Na­tür­lich ist die Sto­ry der bun­ten Trup­pe vor­her­seh­bar: Ge­mein­schaft und So­li­da­ri­tät sie­gen. Ent­schei­den­der ist, wie die Ge­schich­te er­zählt wird: in­tel­li­gent und ge­sell­schafts­po­li­tisch nah an ak­tu­el­len De­bat­ten. Im­mer wie­der legt der Film den Fin­ger in of­fe­ne Wun­den, oh­ne sei­ne Fi­gu­ren zu de­nun­zie­ren und auch oh­ne all­zu ein­fa­che Ant­wor­ten.

Re­gis­seu­rin Chris­ti­ne Hart­mann setzt die durch­aus erns­ten The­men des Films – et­wa die man­geln­de so­zia­le Durch­läs­sig­keit der deut­schen Ge­sell­schaft – mit Leich­tig­keit und fei­nem Hu­mor in Sze­ne. Schön, dass die ARD auch selbst noch in der La­ge ist da­zu­zu­ler­nen – und dass ein The­men­wo­chen-bei­trag nicht wie frü­her so oft zwangs­läu­fig di­dak­tisch-tro­cke­nes Fern­se­hen be­deu­ten muss! kna

„Ei­ne Klas­se für sich“,

20.15 Uhr

ARD, heu­te,

Wenn die Flie­ge­rei an ih­re Gren­zen stößt

Der Ablauf der Si­cher­heits­kon­trol­len, der Per­so­nal­man­gel bei Bo­den- und Ge­päck­ab­fer­ti­gung so­wie bei den Flug­lot­sen: All das führt im­mer wie­der zu Ver­spä­tun­gen. Zu vie­le Flü­ge – mit zu vie­len Pas­sa­gie­ren. Nach dem Cha­os-som­mer 2018 mit fast 80 ge­stri­che­nen Flü­gen pro Tag ha­ben die Flug­ge­sell­schaf­ten mehr Flug­zeu­ge zur Ver­fü­gung ge­stellt. Doch auch in die­sem Jahr kam es zu Ver­spä­tun­gen. Hin­zu ge­sellt sich die ak­tu­el­le Kli­ma­dis­kus­si­on – Flug­rei­sen ha­ben mitt­ler­wei­le auch ein Image­pro­blem. Das Sys­tem sto­ße an sei­ne Gren­zen, sagt Mo­bi­li­täts­for­scher Andre­as Knie in der Re­por­ta­ge.

„Zdfzoom: Flie­gen am Li­mit – Der Preis des Wachs­tums“,

22.45 Uhr

Stand-up-come­dy vol­ler Selbst­iro­nie

Der in Deutsch­land le­ben­de in­disch-ma­rok­ka­ni­sche Stand-upko­mi­ker Salim Sa­ma­tou gilt als Im­pro­vi­sa­ti­ons­ge­nie. Mit sei­ner ges­ten­rei­chen Per­for­mance, sei­nem kom­ple­xen Mie­nen­spiel und der di­rek­ten Ein­be­zie­hung des Pu­bli­kums macht er je­den Abend zu ei­nem ein­zig­ar­ti­gen Come­dy-mix vol­ler Selbst­iro­nie und Per­spek­tiv­wech­seln. Oh­ne Re­geln, Gren­zen oder Ta­bus se­ziert Sa­ma­tou in sei­nen Shows die all­täg­li­chen Pro­ble­me un­se­rer Ge­sell­schaft. Achim Hahn por­trä­tiert den Ko­mi­ker.

„Qu­er­köp­fe“,

21.05 Uhr

ZDF, heu­te,

Deutsch­land­funk, heu­te,

Foto: Thomas Kost/wdr/dpa

Un­ge­wohn­tes Ter­rain: Leh­rer Fa­bi­an Sor­ge (Hans Löw) muss wie­der selbst zur Schu­le ge­hen.

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