Alt­mai­ers Ge­heim­nis

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK - Leit­ar­ti­kel Igor St­ein­le zu den Pro­ble­men des Wind­kraft­aus­baus le­ser­brie­[email protected]

Kaum war es be­schlos­sen, ist das Kli­ma­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung mas­siv kri­ti­siert wor­den. Da­bei gibt es An­lass zu vor­sich­ti­gem Op­ti­mis­mus. Na­tür­lich ist der Ein­stiegs­preis für CO2 zu nied­rig für wirk­li­che Ve­rän­de­run­gen. Aber er wird in ein paar Jah­ren stei­gen. Bis da­hin för­dert der Bund E-mo­bi­li­tät und Ge­bäu­de­sa­nie­run­gen, um den Um­stieg auf um­welt­freund­li­che­re Al­ter­na­ti­ven zu er­leich­tern. Al­les in al­lem ei­ne prag­ma­ti­sche Lö­sung.

Das Ge­setz zum Koh­le­aus­stieg al­ler­dings, dass dem Ka­bi­nett nun zur Ab­stim­mung vor­liegt, führt die ge­plan­ten Re­for­men ad ab­sur­dum. Denn die Vor­schlä­ge aus dem Haus von Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er (CDU) ha­ben das Zeug, die Ener­gie­wen­de an die Wand zu fah­ren. Sie hät­ten zur Fol­ge, dass die ge­för­der­ten E-au­tos und Wär­me­pum­pen noch lan­ge mit Koh­le­strom be­trie­ben wür­den. St­ein des An­sto­ßes ist die ge­plan­te Ab­stands­re­ge­lung für Wind­rä­der. Ei­nen Min­dest­ab­stand von ei­nem Ki­lo­me­ter soll je­des Wind­rad zur nächs­ten Sied­lung ha­ben. Die­se Re­gel wür­de da­zu füh­ren, dass neue Wind­kraft­an­la­gen bun­des­weit man­gels Flä­chen na­he­zu un­mög­lich wer­den. Wie ein An­teil von 65 Pro­zent er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en bis 2030 da­mit ge­schafft wer­den sein soll, ist Alt­mai­ers Ge­heim­nis.

Das treibt längst nicht nur Um­welt­schüt­zer an den Rand der Ver­zweif­lung. Auch die In­dus­trie hat in ei­nem Brand­brief vor den Fol­gen die­ser Re­ge­lung ge­warnt. Denn wäh­rend die Wirt­schaft Tem­po ma­chen will auf dem Weg in ei­ne Co2-neu­tra­le Welt, bremst der Wirt­schafts­mi­nis­ter sie aus. Da­bei zeigt nicht nur die An­kün­di­gung Tes­las, un­ter an­de­rem we­gen des ho­hen Ökostrom-an­teils in Bran­den­burg dort ei­ne E-au­to-fa­b­rik zu er­rich­ten, wohin die Rei­se geht: Er­neu­er­ba­re Ener­gi­en wer­den zum Stand­ort­vor­teil, der in Zu­kunft noch wich­ti­ger wird. Ge­ra­de in der Was­ser­stoff­pro­duk­ti­on oder in Ener­gie­spei­cher-tech­no­lo­gi­en lie­gen enor­me Chan­cen für das Land. Die Bun­des­re­gie­rung je­doch sorgt für Pla­nungs­un­si­cher­heit. Ist es ihr nun ernst mit der Ener­gie­wen­de oder nicht?

Statt­des­sen schiebt das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um die Ver­ant­wor­tung auf die Län­der ab.

Zur Wahr­heit ge­hört al­ler­dings auch, dass der Wind­kraft­aus­bau be­reits oh­ne Ab­stands­re­gel still­steht. Ein Groß­teil al­ler Pro­jek­te wird be­klagt. Das steht für das Stim­mungs­bild in der Be­völ­ke­rung, die sich zwar sau­be­re Ener­gie wünscht, aber nicht vor der Haus­tür. Die­se Ein­stel­lung ist auch Fol­ge ei­ner ver­fehl­ten Po­li­tik. Hät­te die Bun­des­re­gie­rung et­wa von vorn­her­ein da­für ge­sorgt, dass Kom­mu­nen fi­nan­zi­ell stär­ker von den An­la­gen pro­fi­tie­ren, Ki­tas oder Turn­hal­len mit dem Geld er­rich­tet wer­den, wä­re die Zu­stim­mung hö­her.

Statt­des­sen schiebt das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um die Ver­ant­wor­tung nun auf die Bun­des­län­der ab. Die sol­len mit ei­ge­nen Ge­set­zen ent­schei­den kön­nen, ob sie den Min­dest­ab­stand un­ter­schrei­ten wol­len. Wo­zu es dann ei­ne Ab­stands­re­ge­lung vom Bund be­nö­tigt, die die Län­der bei je­dem Un­ter­schrei­tungs­ver­such un­ter Recht­fer­ti­gungs­druck set­zen wird, ver­ste­he wer will. Klar hin­ge­gen ist, dass Alt­mai­ers Ge­setz die Zu­kunft des Lan­des ge­fähr­det.

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