Der Klotz am Bein von Bay­er

Die Zahl der Kla­gen ge­gen die Us-toch­ter Monsan­to we­gen an­geb­li­cher Krebs­ri­si­ken des Un­kraut­ver­nichters Gly­pho­sat steigt.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - WIRTSCHAFT - Von Pe­ter Dethier

Die 60 Mil­li­ar­den Eu­ro teu­re Über­nah­me des Us-kon­zerns Monsan­to durch Bay­er be­rei­tet dem deut­schen Che­mie- und Phar­ma­rie­sen wei­ter­hin Kopf­schmer­zen. Die Zahl der Klä­ger, die we­gen der be­haup­te­ten Krebs­ri­si­ken des von Monsan­to her­ge­stell­ten Un­kraut­ver­nichters Roun­dup Scha­den­er­satz ver­lan­gen, ist mitt­ler­wei­le auf mehr als 42 000 ge­stie­gen. Ver­hand­lun­gen über au­ßer­ge­richt­li­che Ver­glei­che lau­fen seit Mo­na­ten. Doch Hoff­nun­gen auf ei­ne bal­di­ge Lö­sung ha­ben Us-an­wäl­te nun ei­nen Dämp­fer ver­passt.

Im Som­mer die­ses Jah­res hieß es noch, dass sich et­was mehr als 18 000 Ver­brau­cher, die das gly­phos­at­hal­ti­ge Pes­ti­zid Roun­dup be­nutzt hat­ten, Sam­mel­kla­gen ge­gen den Bran­chen­gi­gan­ten an­ge­schlos­sen hat­ten. Die Zahl hat sich bis An­fang No­vem­ber aber be­reits mehr als ver­dop­pelt.

Bay­er-chef Wer­ner Bau­mann hat zwar die Be­deu­tung der stei­gen­den Zahl von Klä­gern her­un­ter­ge­spielt. We­der sa­ge das et­was über die Hö­he mög­li­cher Scha­den­er­satz­zah­lun­gen aus noch dar­über, in­wie­weit die Kla­gen Chan­cen auf Er­folg ha­ben.

Was den Aus­gang der Kla­gen von krebs­kran­ken Kun­den und die Aus­sich­ten auf ei­nen Ver­gleich an­be­trifft, mag der Op­ti­mis­mus des Kon­zern­len­kers aber ver­früht sein. So ha­ben drei Ge­rich­te

in drei ver­schie­de­nen Fäl­len be­reits ge­gen Bay­er ent­schie­den.

Er­nüch­te­rung hat vor we­ni­gen Ta­gen dann der Us-an­walt Ken­neth Fein­berg her­vor­ge­ru­fen, den ein Rich­ter er­nannt hat­te, um zwi­schen der Monsan­to-mut­ter Bay­er und den Klä­gern zu ver­mit­teln. Fein­berg sag­te, dass die Ge­sprä­che ei­ner­seits „ste­tig wei­ter­ge­hen“. Die Ver­hand­lun­gen ge­stal­te­ten sich aber „schlep­pend“, und mit ei­nem bal­di­gen Kom­pro­miss in der Sa­che sei kei­nes­wegs zu rech­nen.

Es ist mög­lich, dass es zu kei­ner Ei­ni­gung kommt. Dann kann Bay­er nur hof­fen, dass Ge­rich­te in hö­he­rer In­stanz zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis kom­men. Die Ver­tei­di­gungs­li­nie des Un­ter­neh­mens hat Bau­mann klar ar­ti­ku­liert: Bei kor­rek­ter An­wen­dung stel­le der Un­kraut­ver­nich­ter kei­ne Krebs­ge­fahr dar.

An ei­nen au­ßer­ge­richt­li­chen Ver­gleich sei nur dann zu den­ken, mach­te Bau­mann jetzt klar, wenn die­ser „wirt­schaft­lich sinn­voll ist“. Auch müs­se ei­ne Ei­ni­gung so struk­tu­riert sein, dass sämt­li­chen Kla­gen, ob auf er Ebe­ne der Bun­des­ge­rich­te oder der Ge­rich­te ein­zel­ner Us-staa­ten, ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wird.

Bay­er hat in ers­ter In­stanz bis­her auf brei­ter Front ver­lo­ren und könn­te zahl­rei­che Scha­den­er­satz­an­sprü­che in min­des­tens zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he be­die­nen müs­sen. Aber die Pro­ble­me ge­hen tie­fer. Roun­dup wird näm­lich im Us-han­del nicht nur wei­ter ver­kauft, son­dern zählt in den USA zu den Markt­füh­rern bei Her­bi­zi­den. Da­mit wird der Weg frei für wei­te­re Kla­gen – und ju­ris­ti­sche Ex­per­ten hal­ten ein sol­ches Sze­na­rio für das wahr­schein­lichs­te.

Ein Dorn im Au­ge des Un­ter­neh­mens sind zu­dem die Ein­wän­de von Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­tio­nen. Die Or­ga­ni­sa­ti­on „Su­mo­fus“zum Bei­spiel be­grüß­te im Früh­jahr die Tat­sa­che, dass die Mehr­heit der Bay­er Ak­tio­nä­re we­gen der Monsan­to-kla­gen nicht be­reit war, den Vor­stand zu ent­las­ten. In ei­ner glo­ba­len Ak­ti­on hat die Or­ga­ni­sa­ti­on be­reits mehr als 187 000 Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt und for­dert den Rück­tritt Bau­manns.

Freu­en kann sich Bau­mann hin­ge­gen über das so­li­de Er­geb­nis im drit­ten Quar­tal. Un­ge­ach­tet des Ima­ge­scha­dens als Fol­ge der Monsan­to-kla­gen konn­te der Che­mie­rie­se aus Le­ver­ku­sen den Kon­zern­um­satz um 5,4 Pro­zent auf 9,8 Mil­li­ar­den Eu­ro stei­gern und ei­nen Ge­winn von ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro ein­fah­ren. Auch hat die Bay­er-ak­tie, die zwi­schen­zeit­lich 30 Pro­zent ih­res Werts ein­ge­büßt hat­te, mitt­ler­wei­le wie­der an Bo­den ge­won­nen.

Die Li­nie der Ver­tei­di­gung: Kei­ne Krebs­ge­fahr bei kor­rek­ter An­wen­dung.

Fo­to: Je­an-fran­cois Mo­nier/afp

Un­kraut­ver­nich­ter mit Gly­pho­sat sol­len Krebs aus­lö­sen. Ver­brau­cher in den USA kla­gen des­halb.

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