Selbst­be­wusst wie nie zu­vor

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK - Ma­thi­as Pud­dig

Viel­leicht sitzt

An­ge­la Mer­kels mäch­tigs­ter Geg­ner doch nicht in den ei­ge­nen Rei­hen, son­dern in der Par­tei des Ko­ali­ti­ons­part­ners. Wäh­rend Fried­rich Merz in Leip­zig sei­nen An­griff ab­blies, hol­te Ke­vin Küh­nert in Schwe­rin erst so rich­tig aus. Er be­klag­te am Frei­tag die „Wür­ge­par­tie um ei­ne Kanz­le­rin, die wie ein Geist über ih­rer Par­tei schwebt“. Er nann­te ih­ren po­li­ti­schen Stil „un­an­ge­mes­sen“und warn­te, die­ser ge­fähr­de die De­mo­kra­tie. „Des­halb wird es Zeit, dass die­se Amts­zeit be­en­det wird.“

Noch vor gar nicht lan­ger Zeit wä­ren sol­che Wor­te zwar zur Kennt­nis, aber nicht be­son­ders ernst ge­nom­men wor­den. Das ist jetzt an­ders. In Schwe­rin, wo sich die Ju­so-de­le­gier­ten noch bis Sonn­tag tref­fen, tritt der Spd-ju­gend­ver­band selbst­be­wusst wie sel­ten zu­vor auf. Ke­vin Küh­nert ist es ge­lun­gen, die Ju­sos vom schlech­ten Ge­wis­sen der SPD in ei­nen schlag­kräf­ti­gen Ver­band zu ver­wan­deln.

Raus aus der Gro­ko?

Der 30-Jäh­ri­ge weiß das und nimmt sich in sei­ner Re­de viel Zeit, um an die Er­fol­ge der ver­gan­ge­nen 24 Mo­na­te zu er­in­nern. Er nennt das So­zi­al­staats­pa­pier, an dem er per­sön­lich mit­ge­ar­bei­tet hat, und durch das die SPD beim Par­tei­tag in zwei Wo­chen Hartz IV end­gül­tig hin­ter sich las­sen will. Er er­in­nert an die So­zia­lis­mus-de­bat­te, die er im Früh­jahr los­ge­tre­ten hat­te, und er nennt den Min­dest­lohn für Azu­bis. „Ich bin stolz, dass wir lan­gen Atem be­wie­sen ha­ben.“

Nur reicht ihm das nicht. Aus der Gro­ko will Küh­nert im­mer noch raus, des­halb die An­grif­fe auf die Kanz­le­rin. Doch auch in der SPD stellt er un­ver­hoh­len die Macht­fra­ge. „Wir sind zum Fix­punkt gan­zer Tei­le un­se­rer Par­tei und dar­über hin­aus ge­wor­den“, sagt er. „Wir sind das wahr­nehm­ba­re und öf­fent­li­che Ge­sicht des lin­ken Par­tei­flü­gels.“Wie wahr­nehm­bar die Ju­sos sind, zeig­ten sie, als sie sich im Wett­be­werb um den Par­tei­vor­sitz für Sas­kia Es­ken und Nor­bert Wal­ter-bor­jans stark mach­ten. Zwar wa­ren äl­te­re Ge­nos­sen aus dem lin­ken Par­tei­flü­gel wie Karl Lau­ter­bach und Ralf Steg­ner ver­stimmt, das Duo schaff­te es aber in die Stich­wahl. Schluss ist da­mit aber noch nicht. Küh­nert selbst kan­di­diert jetzt für den Par­tei­vor­stand.

„Wir stel­len den Sta­tus Quo in­fra­ge. Den Sta­tus Quo in der SPD. Den Sta­tus Quo in der gro­ßen Ko­ali­ti­on. Und wir un­ter­füt­tern das mit ei­nem Per­so­nal­an­ge­bot“, rief er in Schwe­rin. Den ei­ge­nen Ver­band weiß er da­bei hin­ter sich. Für sei­ne Re­de gab es lan­gen Ap­plaus. Er­war­tet wur­de, dass er spä­ter am Abend mit ei­nem star­ken Er­geb­nis wie­der­ge­wählt wur­de.

Fo­to: Gre­gor Fi­scher/dpa

Ju­so-chef Ke­vin Küh­nert gab in Schwe­rin kräf­tig Gas.

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