Mo­to­cross-free­style Pro­fi Kai Haa­se im In­ter­view über sei­nen un­ge­wöhn­li­chen Be­ruf.

Kai Haa­se zählt zu den drei bes­ten Free­style-mo­to­cross­fah­rern Deutsch­lands. Im Fe­bru­ar star­tet der Bran­den­bur­ger bei den Night of the Jumps in der Team-welt­meis­ter­schaft.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - SPORT - Von Lu­kas Gry­bow­ski

Beim Free­style-mo­to­cross geht es dar­um, in der Luft mög­lichst ver­rück­ten Tricks auf dem Mo­tor­rad zu zei­gen. Ei­ner der bes­ten Fah­rer Deutsch­lands ist der Bran­den­bur­ger Kai Haa­se. Im Fe­bru­ar nimmt er bei der Night of the Jumps in der Ber­li­ner Are­na am Ost­bahn­hof an der Team-welt­meis­ter­schaft teil. .

Herr Haa­se, hät­ten Sie sich je­mals vor­stel­len kön­nen, zu den bes­ten Drei Free­style-mo­to­cross­fah­rern Deutsch­lands zu ge­hö­ren?

Als klei­ner Jun­ge, als Night of the Jumps in der Max-schme­ling Hal­le statt­fand, war ich als Zu­schau­er vor Ort. Es war als Ju­gend­li­cher mein größ­ter Traum, vor so ei­nem Pu­bli­kum zu fah­ren. Es freut mich je­des Mal, nun ein Teil da­von zu sein und zu zei­gen, was ich auf dem Mo­tor­rad kann.

Sie ha­ben vor gut zehn Jah­ren mit dem Mo­to­cross-free­style an­ge­fan­gen. Wie hat sich der Sport ent­wi­ckelt?

2002 gab es den ers­ten Back­flip, al­so ei­ne Rück­wärts­rol­le mit dem Mo­tor­rad. Da­mals ha­ben wohl Ma­the­ma­ti­ker aus­ge­rech­net, dass das mit ei­nem Mo­tor­rad nicht geht. Mitt­ler­wei­le gibt es ei­nen Fah­rer, der drei Back­flips in ei­ner Flug­pha­se macht. Aber das ist die na­tür­li­che Ent­wick­lung ei­nes Ex­trem­sports. Die Tricks wer­den grö­ßer und spek­ta­ku­lä­rer, sonst wür­de es lang­wei­lig wer­den. Ich ha­be auch ei­ni­ge ver­rück­te neue, viel­leicht dum­me, Ide­en. (lacht).

Die Us-ame­ri­ka­ni­schen Ath­le­ten gel­ten als Pio­nie­re des Sports. Kom­men die eu­ro­päi­schen Fah­rer mitt­ler­wei­le an das Ni­veau her­an?

Ich ha­be die­ses Jahr tat­säch­lich fest­ge­stellt, dass die Eu­ro­pä­er mit der Night of the Jumps viel pro­fes­sio­nel­ler ge­wor­den sind als die Ame­ri­ka­ner. Der Sport ist in dem Ver­ruf, die große Par­ty-und Rock­star­sze­ne zu sein, weil die nur ein paar Sprün­ge hin­zau­bern, aber mit der Welt­meis­ter­schaft hat sich das al­les sehr pro­fes­sio­na­li­siert, da ist nicht viel mit Par­ty.

Aber Sie sind auch als Renn­fah­rer un­ter­wegs.

Ver­gan­ge­nes Jahr bin ich ein Ren­nen in den USA mitgefahre­n, das war ein Kind­heits­traum von mir. Ge­nau wie vor zwei Jah­ren als ich an ei­nem Hal­len­cross-ren­nen teil­ge­nom­men ha­be. Mit dem Free­style-mo­to­cross ver­die­ne ich mein Geld und Mo­to­cross-ren­nen sind Spaß und mein Hob­by.

Wie sieht Ihr Zeit­plan bis zu den Night of the Jumps im Fe­bru­ar aus?

Ich wer­de jetzt ein biss­chen Pau­se ma­chen, weil mein Jahr re­la­tiv an­stren­gend war. Ich ha­be zu Be­ginn des Jah­res ei­nen Trick ge­zeigt, den kein an­de­rer auf der Welt kann. Den kann ich aber bei der Night of the Jumps nicht zei­gen, weil ein an­de­res Ele­ment ein­ge­baut ist.

Wie sieht die­ser Trick aus?

Ich sprin­ge auf ei­nen Lift, der auf acht Me­ter Hö­he ge­fah­ren wird, be­rüh­re den Lift mit dem Vor­der­rad, zie­he die Vor­der­rad­brem­se und dar­aus re­sul­tiert ein Front­flip. Ich will mir jetzt bis En­de des Jah­res ei­ne Pau­se neh­men und nicht an Mo­tor­rad fah­ren den­ken. Ab Neu­jahr wer­de ich dann

Voll­gas ge­ben, da­mit ich in Ber­lin in Top­form an­tre­ten kann.

Was für Ge­dan­ken ge­hen ei­nem in acht Me­tern Hö­he durch den Kopf?

Man ist kom­plett fo­kus­siert und weiß, was pas­siert. Man trai­niert lan­ge da­für und hat die Ab­läu­fe drin. Man ist so kon­zen­triert dar­auf, dass die Din­ge so ab­lau­fen, wie man sie plant. Selbst, wenn ei­ne Bom­be ne­ben mir ein­schla­gen wür­de, wä­re mir das ziem­lich egal, weil ich weiß, dass ich die­se be­stimm­te Kör­per­dre­hung ma­chen muss oder mei­ne Hand an die­se Stel­le muss, da­mit ich si­cher lan­de.

Blei­ben Sie zum Trai­ning in Bran­den­burg?

Das kommt auf das Wet­ter an. Den Front­flip-trick konn­te ich im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar in Deutsch­land trai­nie­ren. Aber, wenn es mir hier zu kalt ist, dann ha­be ich ei­ne gu­te Trai­nings­mög­lich­keit in Llei­da in Spa­ni­en. Da trifft sich im Win­ter die Free­style-eli­te Eu­ro­pas.

Sie sind ge­lern­ter Zwei­rad­me­cha­ni­ker. Gibt es schon Plä­ne für die Zeit nach der Kar­rie­re?

Der Mo­to­cross­sport ist ei­ne Lei­den­schaft, das ist nicht ein­fach nur ein Job. Ich fah­re seit mehr als 25 Jah­ren und es wird im­mer Teil mei­nes Le­bens blei­ben. Mo­men­tan kom­me ich viel in der Welt rum und kann neue Kul­tu­ren ken­nen­ler­nen. Ich war in Chi­na, Aus­tra­li­en, Chi­le. Oh­ne den Sport hät­te ich das nie­mals ma­chen kön­nen. Ich ge­nie­ße den Mo­ment und weiß auch, dass ich viel­leicht in zehn Jah­ren ganz nor­mal ar­bei­ten ge­hen muss.

Fo­to: Night of the Jumps

Fühlt sich in der Luft wohl : der Bran­den­bur­ger Kai Haa­se

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