Dank Mi­ni-la­sern ler­nen Smart­pho­nes das räum­li­che Se­hen

In Ulm wer­den sand­korn­gro­ße La­ser pro­du­ziert, die in fast je­dem Smart­pho­ne zu fin­den sind. Bald könn­ten sie das au­to­no­me Fah­ren er­mög­li­chen.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - VORDERSEIT­E - Von Si­mo­ne Dür­muth

Un­se­re Smart­pho­nes sind voll­ge­stopft mit ver­schie­de­nen Sen­so­ren: Sie se­hen, hö­ren, ha­ben ei­nen Gleich­ge­wichts­sinn und er­ken­nen Ab­stän­de. „Das ist wich­tig, weil Sie sonst viel­leicht ver­se­hent­lich das Te­le­fon wäh­rend ei­nes Ge­sprächs aus­schal­ten wür­den, wenn Sie es ans Ohr hal­ten und da­bei das Dis­play be­rüh­ren“, er­klärt Jo­seph Pan­kert, Ge­schäfts­füh­rer von Trumpf Pho­to­nic Com­po­n­ents in Ulm.

Aber wo­her weiß das Te­le­fon, dass es ein Ohr vor sich hat und nicht et­wa die In­nen­sei­te ei­ner Man­tel­ta­sche? Die Lö­sung sind win­zig klei­ne La­ser, die für den Nut­zer un­sicht­bar un­ter der Ober­flä­che ver­baut sind. Sie er­ken­nen nicht nur, dass sich ein Ob­jekt vor ih­nen be­fin­det, son­dern er­fas­sen auch per In­fra­rot­strah­lung Ab­stand und Ober­flä­chen­struk­tu­ren.

„Von den High-end-smart­pho­nes kommt kei­nes oh­ne La­ser aus“, er­klärt Pan­kert. In wel­chen Smart­pho­nes ge­nau die La­ser aus Ulm ver­baut sind, will er aber nicht ver­ra­ten. Nur so viel: Jähr­lich wür­den et­wa 1,2 Mrd. Smart­pho­nes pro­du­ziert und in Ulm ver­ließ im ver­gan­ge­nen Jahr der ein­mil­li­ards­te La­ser die Fa­brik. Der Markt ist klein, es gibt ei­ne Hand­voll wei­te­re Spie­ler, er­klärt Ge­schäfts­füh­rer Lutz Asch­ke, die meis­ten sit­zen in den USA. „Wir ge­hö­ren aber schon zu den größ­ten“, er­klärt Asch­ke nicht oh­ne Stolz in der Stim­me.

Weil in ei­nem Han­dy viel Tech­nik auf sehr we­nig Platz un­ter­kom­men muss, sind die­se La­ser­di­oden, ge­nannt VCSEL (ver­ti­cal-ca­vi­ty sur­face-emit­ting la­ser), win­zig klein: et­wa so groß wie ein Sand­korn.

Die Grö­ße hat aber noch wei­te­re Vor­tei­le: „Weil die La­ser so klein sind, kommt sehr we­nig Licht her­aus. Man kann sie sehr schnell an- und aus­schal­ten, sie sind leicht an­zu­brin­gen und kos­ten nicht viel“, sagt Pan­kert. We­ni­ger als ei­nen Eu­ro kos­tet das Grund­pro­dukt.

Die VCSEL-LA­SER sind nicht nur prä­des­ti­niert für An­wen­dun­gen in Smart­pho­nes, son­dern zum Bei­spiel auch in der Da­ten­über­tra­gung per Glas­fa­ser­ka­bel. „Ei­ne Goo­gle­ab­fra­ge zum Bei­spiel ver­ur­sacht ei­nen so gro­ßen Da­ten­ver­kehr, der ist nicht mehr mit Kup­fer­ka­beln zu be­wäl­ti­gen“, er­läu­tert Pan­kert. Da kom­men dann Glas­fa­ser­ka­bel und die win­zi­gen La­ser aus Ulm ins Spiel. Um ei­ne Über­tra­gungs­ra­te von 56 Gi­ga­bit je Se­kun­de zu er­rei­chen, muss der La­ser 56 Mil­li­ar­den Mal pro Se­kun­de an- und aus­ge­schal­tet wer­den. „Ich ha­be selbst Schwie­rig­kei­ten,

mit das vor­zu­stel­len“, sagt Pan­kert und zuckt da­bei ein we­nig mit den Schul­tern.

Vor knapp 20 Jah­ren wur­de das Un­ter­neh­men im Um­feld der Uni­ver­si­tät Ulm ge­grün­det, 2006 stieg dann Phi­lips ein und der Na­me Phi­lips Pho­to­nics eta­blier­te sich. An­fang die­ses Jah­res wur­de die Fir­ma, die nach wie vor ih­ren Sitz im Ul­mer Sci­ence Park hat, vom La­ser­spe­zia­lis­ten Trumpf aus Dit­zin­gen (Land­kreis Lud­wigs­burg) über­nom­men und än­der­te den Na­men in Trumpf Pho­to­nic Com­po­n­ents. Das be­son­de­re für Trumpf ist, dass es sich nicht nur um ei­ne neue Toch­ter han­delt, son­dern dass zu­gleich ein neu­es Ge­schäfts­feld er­schlos­sen wird.

Pro­du­ziert wird aus­schließ­lich in Ulm. „Das Pro­dukt ist so klein, dass wir in ei­ner über­schau­ba­ren Fa­brik große Stück­zah­len her­stel­len kön­nen“, be­rich­tet Pan­kert. Deut­lich wird das auch bei ei­ner Füh­rung durch die Rein­räu­me, als In­ge­nieur Mat­thi­as Les­sel das La­ger prä­sen­tiert: ein un­auf­fäl­li­ger Schub­la­den­schrank zwi­schen zwei Ar­beits­plät­zen. Wie vie­le

VCSEL hier la­gern, will er aber nicht ver­ra­ten.

Nach­ge­la­ger­te Fer­ti­gungs­schrit­te fin­den al­ler­dings durch­aus in Asi­en statt – aber nicht in ei­ner ei­ge­nen Fa­brik. „Die könn­ten wir auch gar nicht aus­las­ten“, er­klärt Ge­schäfts­füh­rer Lutz Asch­ke. Nach­hal­ti­ges Wachs­tum ha­ben sich die Ul­mer auf die Fah­nen ge­schrie­ben und auch schon ei­nen mög­li­chen neu­en Markt aus­ge­macht: das au­to­no­me Fah­ren. „Das ist ein ganz hei­ßes The­ma“, sagt Pan­kert. So kann ei­ne Ka­me­ra im Au­to kann zwar er­ken­nen, dass sich auf der Stra­ße ein Hin­der­nis – ein Kind oder ein an­de­res Au­to – be­fin­det. Wie weit es aber ent­fernt ist, bleibt un­klar.

„Au­to­nom fah­ren­de Au­tos müs­sen ihr Um­ge­bung er­fas­sen – und zwar in Echt­zeit“, er­klärt Pan­kert. Das wie­der­um kann der La­ser aus Ulm schaf­fen: Durch das schnel­le Hin und Her des Lichts kön­nen die Ab­stän­de ge­mes­sen wer­den. Aber: „Da hat sich noch kein Stan­dard ent­wi­ckelt. Vie­le Fir­men sind an dem The­ma dran, aber das Feld ist noch of­fen“, sagt Pan­kert.

Die Ul­mer wer­den na­tür­lich ver­su­chen, auch die­ses Ge­schäfts­feld zu er­schlie­ßen. Pan­kert gibt sich selbst­be­wusst. „Dass wir so et­was kön­nen, ha­ben wir ja schon be­wie­sen.“

Von den heu­ti­gen Hig­hend-smart­pho­nes kommt kei­nes oh­ne La­ser aus. Jo­seph Pan­kert Ge­schäfts­füh­rer

Fo­to: Lars Schwerdtfe­ger

Pro­duk­ti­on im Rein­raum. Aus ei­nem Wa­fer wer­den hun­dert­tau­sen­de La­ser­di­oden her­aus­ge­schnit­ten.

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