Wü­ten­de Pro­tes­te im Vier­tel des Prä­si­den­ten

Ein wei­te­res süd­ame­ri­ka­ni­sches Land wird von Pro­tes­ten er­schüt­tert. Am Wo­che­n­en­de de­mons­trier­ten Tau­sen­de ge­gen die Re­gie­rung.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - POLITIK - Von To­bi­as Käu­fer

Es herrscht Volks­fest-at­mo­sphä­re im rei­chen Nor­den von Bo­go­ta. Hier an der Car­re­ra 7 steht ein rie­si­ger Wohn­kom­plex, in dem auch Prä­si­dent Ivan Du­que ei­ne gro­ße Lu­xus­woh­nung be­sitzt. Weil es di­rekt vor dem Prä­si­den­ten­pa­last „Ca­sa Na­ri­no“im Zen­trum der Stadt ver­bo­ten ist zu de­mons­trie­ren, ha­ben sich die Men­schen nun hier ver­sam­melt. Am Sams­tag­abend sind es ein paar Tau­send, die fried­lich, krea­tiv und mit kla­ren For­de­run­gen ge­kom­men sind. Den meis­ten Ap­plaus be­kommt ein Red­ner, der ins Me­ga­phon ruft: „Wir sind nicht links, wir sind nicht rechts. Wir wol­len ein an­de­res Ko­lum­bi­en.“

Trotz des Frie­dens­ver­tra­ges mit der links­ge­rich­te­ten Farc-gue­ril­la gibt es wei­ter Ge­walt. Mehr als 100 Men­schen­recht­ler und so­zia­le Ak­ti­vis­ten, Dut­zen­de In­di­ge­ne wur­den in den letz­ten Mo­na­ten ge­tö­tet. Du­que re­agier­te im­mer auf die glei­che Art: Be­schwich­ti­gun­gen, Ver­spre­chun­gen, an der Si­tua­ti­on aber än­dert sich nicht. Als das Mi­li­tär dann ein La­ger ab­trün­ni­ger, sich nicht dem Frie­dens­pro­zess un­ter­wer­fen­der Farc-gue­ril­le­ros an­griff, in dem sich auch zwangs­re­kru­tier­te Kin­der­sol­da­ten be­fan­den, wur­de Du­que selbst zur Ziel­schei­be: „De­mons­trie­ren ist kein Ver­bre­chen, Kin­der zu tö­ten schon“, stand auf den Pla­ka­te jun­ger De­mons­tran­tin­nen und De­mons­tran­ten in der ko­lum­bia­ni­schen Haupt­stadt Bo­go­ta.

„Es hat sich der Ein­druck ei­ner ob ih­rer Un­be­liebt­heit ver­zwei­fel­ten und von den rea­len Pro­ble­men im Land ab­ge­schot­te­ten Füh­rung be­stä­tigt“, sagt Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Jo­chen Klein­schmidt (39) von der „Uni­ver­si­dad del Ro­sa­rio“in Bo­go­ta im Ge­spräch mit die­ser Zei­tung. „De­ren Welt­bild und Spra­che stam­men noch aus der Zeit des Bür­ger­kriegs mit lin­ken Auf­stän­di­schen. Für Pro­ble­me wer­den Ver­schwö­rer aus dem Aus­land ver­ant­wort­lich ge­macht, ins­be­son­de­re aus Ve­ne­zue­la.“

In­zwi­schen ver­sprach Du­que sei­nen Lands­leu­ten in ei­ner Tv-an­spra­che den Dia­log zu ver­tie­fen. Kon­kre­te Zu­sa­gen aber mach­te er nicht. Im Prin­zip geht es um ein kom­plett neu­es Re­gie­rungs­pro­gramm: Ei­ne un­aus­ge­go­re­ne So­zi­al­po­li­tik, zu nied­ri­ge Min­dest­löh­ne und ei­ne Bil­dungs­po­li­tik, die nicht mehr nur die Kin­der der ein­kom­mens­star­ken Be­völ­ke­rungs­schich­ten be­vor­teilt, ei­ne Po­li­tik, die die ent­setz­li­che Se­rie an Mor­den ge­gen Men­schen­recht­ler, In­di­ge­nen und so­zia­le Ak­ti­vis­ten be­kämpft. Die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on ver­zeiht Du­que nicht des­sen Frem­deln mit der Um­set­zung des Frie­dens­ver­trags mit der FARC, die zwar sein Vor­gän­ger – Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger Juan Ma­nu­el San­tos – aus­ge­han­delt hat, den Du­que aber um­set­zen muss. Die ko­lum­bia­ni­sche Ju­gend for­dert von ih­rem Prä­si­den­ten ei­nen wirk­li­chen Frie­den.

Fo­to: Ivan Va­len­cia/ap/dpa

Ein re­gie­rungs­kri­ti­scher De­mons­trant nimmt an ei­nem Pro­test teil. Nach Mas­sen­pro­tes­ten und schwe­ren Aus­schrei­tun­gen in Ko­lum­bi­en hat Staats­prä­si­dent Du­que ein „na­tio­na­les Ge­spräch“mit Amts­trä­gern und Ver­tre­tern der Zi­vil­ge­sell­schaft an­ge­kün­digt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.