Sil­ber­ner Ju­bel in Cott­bus

Die Stutt­gar­te­rin Kim Bui ge­winnt die ein­zi­ge deut­sche Me­dail­le beim Turn-welt­cup. Ein Ti­tel hat aber zu­min­dest wie­der Lau­sitz-aro­ma.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - SPORT - Von Jan Leh­mann

Der Ab­schluss war per­fekt: Bei der al­ler­letz­ten Übung des 44. Tur­niers der Meis­ter in der Cott­bu­ser Lau­sitz-are­na ver­zück­te der Ja­pa­ner Hi­de­ta­ka Mi­ya­chi das Pu­bli­kum mit ei­ner Reck­übung der Ex­t­ra­klas­se. „Schwie­ri­ger geht es der­zeit nicht“, gra­tu­lier­te der Cott­bu­ser Ex-tur­ner Ron­ny Zies­mer am Hal­len­mi­kro­fon, Mi­ya­chi ern­te­te rie­si­gen Bei­fall der 1500 Zu­schau­er.

Die hat­ten am Wo­che­n­en­de ei­nen hoch­klas­si­gen Turn-welt­cup mit drei do­mi­nie­ren­den Na­tio­nen er­lebt: Vier­mal Gold für Chi­na, je drei­mal für Ja­pan und Ukrai­ne – da war die Sil­ber­me­dail­le für die Stutt­gar­te­rin Kim Bui am Bo­den ei­ne will­kom­me­ne Ab­wechs­lung aus deut­scher Sicht. Die 30-Jäh­ri­ge er­klär­te: „Ich bin sehr zu­frie­den, da­mit ha­be ich nicht ge­rech­net. Das ist ein sehr schö­nes En­de ei­nes in­ter­na­tio­na­len Jah­res.“

Et­was Pech hat­te Lu­kas Dau­ser. Der 26-Jäh­ri­ge aus Un­ter­ha­ching turn­te sei­ne kom­pli­zier­te Bar­ren-übung zwar na­he­zu feh­ler­frei durch und konn­te da­nach er­leich­tert die Ju­bel­faust bal­len. Al­ler­dings reich­te es nur zu Rang vier. Dau­ser sag­te den­noch: „Ich bin sehr froh, dass ich mei­ne Übung durch­tur­nen konn­te. Wir wis­sen, dass die Bar­ren-kon­kur­renz seit Jah­ren sehr stark ist.“Turn-bun­des­trai­ner Andre­as Hirsch sah das ähn­lich: „Für Lu­kas freut mich die star­ke Übung. Ins­ge­samt ha­ben wir aber auch noch Re­ser­ven er­ken­nen las­sen.“

Die­ses Fa­zit konn­te al­ler­dings nur für den sport­li­chen Be­reich gel­ten. Die Or­ga­ni­sa­to­ren des Turn-fes­tes in der Lau­sitz hat­ten schlicht­weg kei­ne Re­ser­ven mehr. An­ge­sichts von mehr als 700 Gäs­ten aus 53 Na­tio­nen ab­sol­vier­ten Tur­nier-di­rek­tor Mir­ko Wohl­fahrt und sei­ne 200 eh­ren­amt­li­chen Hel­fer in der zu­rück­lie­gen­den Wo­che ein Mam­mut­pro­gramm, um den Ath­le­ten per­fek­te Be­din­gun­gen zu bie­ten. Sil­ber-ge­win­ne­rin Kim Bui schwärm­te vor ih­rer Abrei­se: „Nach Cott­bus kommt man im­mer gern, hier ist es sehr an­ge­nehm für uns Sport­ler.“

Of­fen­bar fühl­ten sich in die­sem Jahr die Asia­ten be­son­ders wohl. Nach­dem Chi­na und Ja­pan bei der Turn-wm in Stutt­gart vor sechs Wo­chen bei der Ti­tel­ver­ga­be noch leer aus­ge­gan­gen wa­ren, räum­ten sie in Cott­bus rei­hen­wei­se ab. „Asia­ti­sche Leicht­bau­wei­se“for­mu­lier­te Ron­ny Zies­mer an­ge­sichts der zier­li­chen Ath­le­ten, die wie Mya­chi am Reck oder sei­ne ja­pa­ni­sche Team­kol­le­gin Ura­ra As­hi­ka­wa am Schwe­be­bal­ken teil­wei­se atem­be­rau­ben­de Übun­gen ab­lie­fer­ten.

Am Samstag prä­sen­tier­te sich der Chi­ne­se Yang Liu an den Rin­gen über­ra­gend. Wie lo­cker er sich dort wäh­rend sei­ner Übung im Kreuz­hang mit ei­ner läs­si­gen Kopf­be­we­gung of­fen­bar noch ei­ne klei­ne Hals­blo­cka­de raus­knack­te, war fast schon ei­ne Macht­de­mons­tra­ti­on. Lin­min Yu am Sprung der Frau­en, Yi­lin Fan am Stu­fen­bar­ren und Hao Weng am Pau­schen­pferd hol­ten drei wei­te­re Gold­me­dail­len für Chi­na. Am Bo­den ge­wann der Ja­pa­ner Ka­zu­ki Mi­n­a­mi.

Be­zeich­nend für die ho­he Qua­li­tät der Fi­nal-bei­trä­ge war die Übung von Oleg Ver­niaev. Er schweb­te re­gel­recht über die­ses durch­aus stör­ri­sche Ge­rät – bis auf ei­nen klei­nen Mi­ni-wack­ler. So reich­te es für ihn in ei­nem Star­ter­feld, in dem al­le acht Ath­le­ten ei­nen Schwie­rig­keits­grad in der D-no­te von min­des­tens 6,1 hat­ten, nur für Bron­ze. Ver­niaev konn­te am Sonn­tag in­des über Bar­ren-gold ju­beln. Igor Ra­di­vil­ov am Sprung und Ana­st­a­sia Ba­chynk­sa am Bo­den hol­ten wei­te­re Ti­tel für die Ukrai­ne.

Fo­to: Frank Ham­mer­schmidt

Akro­ba­tisch: Kim Bui bei ei­ner Übung am Bo­den.

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