Vie­le sor­gen zu we­nig vor

Das deut­sche Ren­ten­sys­tem hat im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich ei­ni­ge Schwach­stel­len.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - WIRTSCHAFT -

Berlin.

In kei­nem an­de­ren In­dus­trie­staat ist die Ren­ten­lü­cke zwi­schen den Ge­schlech­tern so groß wie in Deutsch­land: Frau­en über 65 be­kom­men im Schnitt 46 Pro­zent we­ni­ger Ren­te als Män­ner. Das zeigt ei­ne Stu­die der OECD, die al­le zwei Jah­re für die 36 Mit­glieds­staa­ten der Or­ga­ni­sa­ti­on von In­dus­trie­län­dern vor­ge­legt wird.ins­be­son­de­re zwei Fak­to­ren wir­ken ne­ga­tiv: Frau­en ar­bei­ten häu­fig in Teil­zeit und in Bran­chen, die schlech­te Löh­ne zah­len.

Hand­lungs­be­darf sieht die OECD auch bei Selbst­stän­di­gen: Im Ge­gen­satz zu den meis­ten Mit­glieds­staa­ten sind sie in Deutsch­land nicht ver­pflich­tet, fürs Al­ter vor­zu­sor­gen. Nur man­che Hand­wer­ker müs­sen in die ge­setz­li­che Ren­te ein­zah­len, für ei­ni­ge Grup­pen wie Ärz­te und Rechts­an­wäl­te gibt es ei­ge­ne Ver­sor­gungs­wer­ke, die ähn­lich wie Le­bens­ver­si­che­rer funk­tio­nie­ren. Im Schnitt kom­men Selbst­stän­di­ge auf halb so viel Ren­te wie Ar­beit­neh­mer mit ver­gleich­ba­rer Kar­rie­re. Im Durch­schnitt der Oecd-län­der sind es 80 Pro­zent.

Nur Jün­ge­re pro­fi­tie­ren

Dass sie han­deln muss, hat die deut­sche Po­li­tik im Prin­zip er­kannt. Schon in der letz­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode hat­te sich die Gro­ße Ko­ali­ti­on ei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht vor­ge­nom­men, und in die­ser steht sie er­neut im Ko­ali­ti­ons­ver­trag. Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) will An­fang nächs­ten Jah­res ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­le­gen. Ein Pro­blem ist, dass die Vor­sor­ge­pflicht nur für Jün­ge­re Sinn macht, die noch lan­ge ge­nug ar­bei­ten, da­mit ei­ne aus­kömm­li­che Ren­te her­aus­kommt.

Für ei­ne Re­form be­kommt Deutsch­land aus­drück­lich Lob von der OECD, ob­wohl sie bei vie­len Bür­gern sehr un­be­liebt ist: die Er­hö­hung des Ren­ten­al­ters und die Be­schäf­ti­gung von mehr äl­te­ren Ar­beit­neh­mern. Beim An­stieg der Be­schäf­ti­gungs­ra­te äl­te­rer Ar­beits­kräf­te ist Deutsch­land Spit­zen­rei­ter. Von den 55- bis 64-Jäh­ri­gen sind 71 Pro­zent be­rufs­tä­tig. Zu Be­ginn des Jahr­hun­derts wa­ren es erst 34 Pro­zent. Ein Grund da­für ist, dass das Ren­ten­al­ter seit 2012 schritt­wei­se an­ge­ho­ben wird. Die­ter Kel­ler

Fo­to: Jörg Cars­ten­sen/dpa

Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil.

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