Dro­gen und De­mü­ti­gun­gen

Psych­ia­ter be­rich­tet im Oder­schub­ser-pro­zess über die Ge­fühls­welt der 19 Jah­re al­ten Haupt­an­ge­klag­ten.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - BRANDENBUR­G -

Frankfurt (Oder).

Was ist das für ein Mensch, der ei­ne ihm frem­de Per­son grund­los st­un­den­lang miss­han­delt und dann in mör­de­ri­scher Ab­sicht in die eis­kal­te Oder stößt? Die­se Fra­ge schwebt über dem Pro­zess ge­gen zwei Frau­en, die sich vor dem Land­ge­richt Frankfurt we­gen ver­such­ten Mor­des ver­ant­wor­ten müs­sen.

Am Mitt­woch lie­fer­te ein psych­ia­tri­scher Gut­ach­ter da­zu eben­so er­hel­len­de wie be­klem­men­de Ein­schät­zun­gen. Dok­tor Jür­gen Rim­pel hat sich da­für aus­führ­lich mit der 19 Jah­re al­ten Haupt­an­ge­klag­ten un­ter­hal­ten und sie di­ver­sen Tests un­ter­zo­gen. Sie ist dem­nach nor­mal in­tel­li­gent, voll schuld­fä­hig und ha­be le­dig­lich ei­ne leich­te Per­sön­lich­keits­stö­rung.

Al­ler­dings ha­be sie als Kind Schick­sals­schlä­ge und De­mü­ti­gun­gen er­fah­ren, die nie auf­ge­ar­bei­tet wur­den. Ih­re El­tern trenn­ten sich, als sie ein Klein­kind war. We­nig spä­ter sei ihr Va­ter von sei­ner neu­en Part­ne­rin er­schos­sen wor­den. „Die­ser Ver­lust war ein gro­ßer Ein­bruch, aber sie hat dar­über nie mit ih­rer Mut­ter ge­re­det“, be­rich­te­te der Gut­ach­ter.

Mo­ni­que D. sei dann mit fünf Jah­ren ein­ge­schult wor­den. Ab der 2. Klas­se ha­be es mas­si­ve Pro­ble­me mit Mob­bing ge­ge­ben, weil sie et­was di­cker ge­we­sen sei. Häu­fi­ge Schul­wech­sel sei­en die Fol­ge ge­we­sen, es sei den­noch wie­der zu Mob­bing ge­kom­men. Die Fa­mi­lie ha­be kei­ne Ver­su­che un­ter­nom­men, die­sen Pro­ble­men auf den Grund zu ge­hen, zum Bei­spiel mit the­ra­peu­ti­scher Hil­fe, be­dau­er­te der Gut­ach­ter.

Mo­ni­que D. wur­de zur Schul­schwän­ze­rin, sie ritz­te sich, un­ter­nahm ei­nen Sui­zid­ver­such, ge­riet früh in Kon­takt mit Dro­gen und in Kon­flikt mit dem Ge­setz. Et­li­che Straf­ver­fah­ren wur­den je­doch nicht wei­ter ver­folgt, son­dern we­gen an­geb­li­cher Ge­ring­fü­gig­keit ein­ge­stellt. Mo­ni­que D., der es laut Gut­ach­ter an Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz feh­le so­wie an der Be­reit­schaft, sich im Le­ben an­zu­stren­gen, lern­te, „ih­re Ge­füh­le über Dro­gen zu re­geln“. Freun­de hat­te sie kaum. „Sie woll­te da­zu ge­hö­ren“, sag­te der Gut­ach­ter über ih­re mög­li­chen Mo­ti­ve, sich im Ja­nu­ar je­ner Cli­que an­zu­schlie­ßen, die ei­ne Frau ge­walt­sam de­mü­ti­gen woll­te. mat

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