Vi­deo­kon­fe­renz statt Flie­ger

Zur heu­ti­gen Fri­days for Fu­ture-de­mons­tra­ti­on ru­fen dies­mal auch Stu­die­ren­de auf. Es ist das Fi­na­le der vom As­ta in­iti­ier­ten „Kli­ma­st­reik­wo­che“an der Eu­ro­pa-uni­ver­si­tät.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - FRANKFURTE­R STADTBOTE -

An der bun­des­wei­ten Kli­ma­st­reik-wo­che der „Stu­dents for Fu­ture“hat sich auch die Stu­die­ren­den­schaft der Vi­a­d­ri­na be­tei­ligt. Nan­cy Wald­mann sprach mit Ju­lia von Blu­men­thal, Prä­si­den­tin der Eu­ro­pa-uni­ver­si­tät, über Kli­ma­schutz im ei­ge­nen Haus.

Frau von Blu­men­thal, wur­de an der Vi­a­d­ri­na ge­streikt?

Ich neh­me an, dass heu­te vie­le Stu­die­ren­de zur De­mons­tra­ti­on ge­hen wer­den an­statt zu Lehr­ver­an­stal­tun­gen. Aber wäh­rend der Wo­che ver­läuft der Lehr­be­trieb nor­mal. Ich ha­be die Leh­ren­den ein­ge­la­den, Kli­ma­schutzthe­men in die Se­mi­na­re ein­zu­bet­ten. Die Ak­tio­nen der Stu­die­ren­den er­gän­zen das An­ge­bot, das wir als Uni­ver­si­tät so­wie­so ma­chen.

Wel­ches An­ge­bot?

Wir ha­ben For­scher, die sich mit dem Kli­ma­schutz be­schäf­ti­gen. Rei­mund Schwar­ze nimmt seit lan­gem an Kli­ma­schutz­kon­fe­ren­zen teil. Jens Lo­witzsch forscht zu Mo­del­len, die zur Ge­win­nung er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en ge­nutzt wer­den, Ines Här­tel be­fasst sich aus ju­ris­ti­scher Sicht mit dem Wan­del in der Land­wirt­schaft. All das be­rührt Kli­maas­pek­te. Und was in der For­schung vor­kommt, kommt auch in der Leh­re vor.

Wie wä­ren Sie ei­nem rich­ti­gen Streik be­geg­net?

Ei­nen Streik­auf­ruf kann ich als Prä­si­den­tin nicht un­ter­stüt­zen. Ich glau­be auch nicht, dass es an ei­ner Bil­dungs­ein­rich­tung das rich­ti­ge Mit­tel ist. Uns geht es ja dar­um, die Stu­die­ren­den zu be­fä­hi­gen, sich kri­tisch mit wich­ti­gen The­men aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das kann man am bes­ten im Se­mi­nar ge­mein­sam mit den Leh­ren­den.

Was tut die Vi­a­d­ri­na im ei­ge­nen Haus für den Kli­ma­schutz?

Es ist die Fra­ge, wie wir wirt­schaf­ten – da ste­hen wir im Mo­ment noch am An­fang. Des­we­gen kann ich da­zu jetzt nichts kon­kre­tes sa­gen. Ab dem nächs­ten Jahr wol­len wir das auf Lei­tungs­ebe­ne in­ten­si­ver an­ge­hen.

Die Vi­a­d­ri­na steht für In­ter­na­tio­na­li­tät, die Mo­bi­li­tät der Stu­die­ren­den ist ein ho­hes Gut in Ih­rer Hoch­schu­le. All das wird er­mög­licht durch vie­le Flü­ge, die Emis­sio­nen ver­ur­sa­chen. Wel­che We­ge se­hen Sie aus die­sem Di­lem­ma?

Ers­tens soll­te man bei je­der Rei­se prü­fen, ob man nicht auch die Bahn neh­men kann. Der letz­te deutsch-pol­ni­sche Bahn­gip­fel hat ei­ne Ver­bes­se­rung der Ver­bin­dun­gen nach Po­len an­ge­kün­digt, das ist für uns wich­tig. Zwei­tens, ha­ben wir zu vie­len Part­nern lang­jäh­ri­ge Be­zie­hun­gen. Da muss man nicht zu je­dem Ter­min flie­gen, son­dern kann auch Din­ge per Vi­deo­kon­fe­renz be­spre­chen. Drit­tens, wä­ren da Kom­pen­sa­ti­ons­zah­lun­gen, Klimas­pen­den. Al­ler­dings gibt es noch kei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung, ob wir das aus Haus­halts­mit­teln ma­chen dür­fen.

Der öko­lo­gi­sche Fuß­ab­druck von Wis­sen­schaft­lern, die ar­beits­be­dingt welt­weit an Kon­fe­ren­zen teil­neh­men, wird der­zeit dis­ku­tiert. Ei­ni­ge ha­ben ih­re Flug­bilan­zen of­fen­ge­legt. In­wie­fern ist das in Ih­rem Haus ein The­ma?

Es gab im Herbst die Initia­ti­ve von Wis­sen­schaft­lern, ei­ne Selbst­ver­pflich­tung zu un­ter­schrei­ben, dass man bei Ent­fer­nun­gen un­ter 1000 Ki­lo­me­tern im­mer die Bahn nimmt. Vie­le Kol­le­gen ha­ben mich an­ge­spro­chen, ob wir das un­ter­stüt­zen kön­nen. Da gibt es schon ein In­ter­es­se.

Un­ter­stüt­zen Sie die­se Initia­ti­ve als In­sti­tu­ti­on?

Wir kön­nen als Uni­ver­si­tät kei­ne Vor­ga­ben ma­chen, wel­che Ver­kehrs­mit­tel ge­nutzt wer­den. Wir sind an das Bun­des­rei­se­kos­ten­ge­setz ge­bun­den und das ist bis­her nicht auf Nach­hal­tig­keit ori­en­tiert. Und dann ist da die Ab­wä­gung be­züg­lich Fa­mi­li­en­freund­lich­keit. Wer Zug fährt, ist län­ger un­ter­wegs, muss sei­ne Fa­mi­lie län­ger al­lein las­sen. Kürz­lich war ich in Straß­burg. Hin war ich 7 St­un­den un­ter­wegs, zu­rück noch­mal so­viel.

Wie oft sind Sie in den letz­ten 12 Mo­na­ten ge­flo­gen?

Da es mein ers­tes Jahr im Amt als Prä­si­den­tin war, war ich viel un­ter­wegs, um un­se­re Part­ner ken­nen­zu­ler­nen. Ich war in Pa­ris, in der Ukrai­ne, in den USA. Ich ha­be das für mich so ge­löst, dass ich die­se Di­enst­flü­ge aus mei­nen pri­va­ten Mit­teln über At­mos­fair kom­pen­siert ha­be. Jetzt ken­ne ich die Men­schen per­sön­lich und wir kön­nen mehr per Vi­deo­kon­fe­renz be­spre­chen.

Fo­to: Re­né Matsch­ko­wi­ak

Mit ge­sam­mel­tem Müll aus der Oder­stadt ha­ben Stu­den­ten hier Ale­xej Mil­ler dar­ge­stellt. Er ist Chef des Öl- und Gas­kon­zern Gaz­prom, dem ei­ni­ge Um­welt­sün­den an­ge­las­tet wer­den. Die Ak­ti­on fand im Rah­men der Kli­ma­st­reik­wo­che an der Vi­a­d­ri­na statt.

Fo­to: Ger­rit Frei­tag

Vi­a­d­ri­na-prä­si­den­tin Ju­lia von Blu­men­thal

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