Ge­denk­ta­fel ent­hüllt

Im eins­ti­gen Frank­fur­ter Fried­richs­gym­na­si­um, heu­te Grund­schu­le Mit­te, wird an jü­di­sche Schü­ler er­in­nert, die von den Na­zis er­mor­det wur­den.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - VORDERSEIT­E - Von René Matsch­ko­wi­ak

Im eins­ti­gen Frank­fur­ter Fried­richs­gym­na­si­um, das heu­te die Grund­schu­le Mit­te be­her­bergt, wird an jü­di­sche Schü­ler er­in­nert, die von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten er­mor­det wur­den. Zu ei­ner ers­ten Ta­fel wur­de jetzt ei­ne zwei­te ge­hängt.

Es ist voll­bracht. Die Ge­denk­ta­fel, die an jü­di­sche Schü­ler des ehe­ma­li­gen Fried­richs­gym­na­si­ums er­in­nert, die wäh­rend der Na­zi­zeit zu To­de ka­men, hat ih­ren Platz in der Au­la der heu­ti­gen Grund­schu­le Mit­te zu­rück. „Es war na­tür­lich nie ge­plant, dass die Ge­denk­ta­fel nach der Sa­nie­rung im Kel­ler der Schu­le blei­ben soll“, so Wieb­ke Tetzlaff, Lei­te­rin der heu­ti­gen Grund­schu­le Mit­te. „Ver­ein­bart war, dass die Ta­fel wie­der auf­ge­hängt wird.“

Nun konn­te der Dis­sens end­lich auf­ge­löst wer­den, denn auch Peter Staf­fa, ehe­ma­li­ger Leh­rer des Fried­richs­gym­na­si­ums und seit 20 Jah­ren Initia­tor ei­nes

Ein Ab­sol­vent der Schu­le ge­hör­te zu den er­folg­rei­chen Jä­gern Adolf Eich­manns.

deutsch, pol­nisch, is­rae­li­schen Aus­tau­sches, freu­te sich über das Er­geb­nis. Die Ge­denk­ta­fel für Franz Gum­pert und Schu­schu Si­mon er­hielt zu­sätz­lich noch ei­ne Ta­fel, auf der es Er­läu­te­run­gen zu die­sen jü­di­schen Schü­lern zu le­sen gibt. Gum­pert wur­de 1941 im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Maut­hau­sen er­mor­det, Si­mon nahm sich 1942 in Hol­land das Le­ben, nach­dem ihn die Po­li­zei ver­haf­tet hat­te.

„Wir wol­len na­tür­lich, das sich auch Grund­schü­ler mit die­sem The­ma aus­ein­an­der­set­zen, des­we­gen sind die­se Er­gän­zun­gen so wich­tig“, sagt Peter Staf­fa. Auch ei­ne Klas­se der Grund­schu­le war zur fei­er­li­chen Wie­der­ein­wei­hung ein­ge­la­den, eben­so wie Schü­ler aus Is­ra­el, Po­len und Deutsch­land. Der ehe­ma­li­ge Schü­ler René Ber­tel er­in­ner­te sich in ei­ner kur­zen Re­de an sei­nen ers­ten Brief­kon­takt mit Herr­mann Arndt.

Schwe­re Kost

Ei­gent­lich hat­te er auf eher fröh­li­che An­ek­do­ten ge­hofft, als er den ehe­ma­li­gen Schü­ler an­läss­lich des da­mals be­vor­ste­hen­den 300-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um des Fried­richs­gym­na­si­ums an­ge­schrie­ben hat­te. Was er zur Ant­wort be­kam, war ziem­lich schwe­re Kost für den da­ma­li­gen Schü­ler der 11. Klas­se. Sein Leh­rer Peter Staf­fa hielt den Kon­takt zu Herr­mann Arndt spä­ter noch auf­recht. „Wir wur­den Freun­de“, so der ehe­ma­li­ge Deutsch­leh­rer. Dank dem Hin­weis von Herr­mann Arndt, ali­as Zvi Aha­ro­ni, des jü­di­schen Frank­fur­ters, der das Fried­richs­gym­na­si­um­in in den 30er-jah­ren be­such­te, wur­de die Ge­denk­ta­fel 2002 in der Au­la an­ge­bracht. Un­ter­halb der ur­sprüng­li­chen Ge­denk­ta­fel wird nun auch Herr­mann Arndts ge­dacht, der 1938 nach Pa­läs­ti­na emi­grier­te. Arndt war un­ter an­de­rem Sol­dat in der bri­ti­schen Ar­mee und beim Is­rae­li­schen Ge­heim­dienst Mossad.

Herr­mann Arndt ali­as Zi­vi Aha­ro­ni war der Mossad-agent, der den Kriegs­ver­bre­cher, SS Ober­sturm­bann­füh­rer Adolf Eich­mann in Bu­e­nos Ai­res in Ar­gen­ti­ni­en ent­deck­te, fest­nahm und ihn im Mai 1960 nach Is­ra­el ent­führ­te. Am 15. De­zem­ber 1961 en­de­te der Pro­zess ge­gen Adolf Eich­mann. Der Or­ga­ni­sa­tor der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ju­den­ver­nich­tung wur­de zum To­de ver­ur­teilt.

Foto: René Matsch­ko­wi­ak

Ent­hüllt: Yt­zik Ta­jar und Ma­ra List wa­ren schon bei der ers­ten Ein­wei­hung der Ge­denk­ta­fel für Schü­ler des eins­ti­gen Fried­richs­gym­na­si­ums da­bei.

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