Ab jetzt wo­an­ders

Ma­sha Qrel­la er­in­nert in ih­rem ak­tu­el­len Pro­gramm an Tho­mas Brasch. Das Stück „Die An­de­ren“er­zählt von ei­nem mys­te­riö­sen Un­fall in ei­nem ab­ge­le­ge­nen Dorf.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - WO?HIN! - BÜHNE -

Zwei be­mer­kens­wer­te Ins­ze­nie­run­gen fin­den sich in die­sen Ta­gen auf den Spiel­plä­nen Ber­li­ner Thea­ter: „Die An­de­ren“an der Schau­büh­ne und „Wo­an­ders“am Heb­bel am Ufer.

In „Wo­an­ders“im HAU 2 von Ma­sha Qrel­la geht es um Tho­mas Brasch. Für den Schrift­stel­ler, Fil­me­ma­cher und Dich­ter war Ein­sam­keit im­mer et­was Po­li­ti­sches. Er hat ei­ne der auf­re­gends­ten Ge­dicht­samm­lun­gen hin­ter­las­sen. Zum ers­ten Mal wur­de Ma­sha Qrel­la (ei­gent­lich Ma­ria­na Ku­rel­la) auf Tho­mas Brasch in dem Ro­man „Ab jetzt ist Ru­he” auf­merk­sam. Da­bei kam ihr die per­sön­li­che Per­spek­ti­ve der Au­to­rin ver­traut vor: Ei­ne Fa­mi­li­en­ge­schich­te der Ddr-no­men­kla­tu­ra aus der Sicht der klei­nen Schwes­ter. Das war auch ih­re Ge­schich­te, ih­re Per­spek­ti­ve und ih­re Ver­gan­gen­heit, die sie jah­re­lang aus­ge­blen­det hat­te. Qrel­la ist die En­ke­lin des da­mals be­kann­ten Ddr-schrift­stel­lers Al­f­red Ku­rel­la, des­sen Na­men sie nur leicht ver­än­der­te und den­noch un­kennt­lich mach­te.

Qrel­la be­gann, Tex­te von Tho­mas Brasch zu le­sen. „Wie soll ich dir das be­schrei­ben? Ich kann nicht tan­zen. Ich war­te nur. In ei­nem Saal aus Stil­le hier trei­ben Geis­ter ih­ren Tanz ge­gen die Uhr”, schreibt der Dich­ter un­ter an­de­rem. „Wo­an­ders“ver­sucht den Raum zu schaf­fen, den Tho­mas Brasch in dem Text „Blei­ben, wo ich nie ge­we­sen bin” her­bei­ge­sehnt hat: „… in dei­nen Werk­hal­len wird die gro­ße Mü­dig­keit pro­du­ziert, in dei­nen Fern­seh­stu­di­os wer­den die Träu­mer­ein von Idio­ten ver­filmt, aus dei­nen Rund­funk­sta­tio­nen klingt das Lul­a­lu und wiegt die Hö­rer in den gro­ßen Schlaf“, heißt es dar­in.

„Die An­de­ren“an der Schau­büh­ne hält ei­ne ganz an­de­re Per­spek­ti­ve be­reit. Ein klei­nes, ab­ge­le­ge­nes Dorf ir­gend­wo mit­ten in Eu­ro­pa, an ei­nem ver­reg­ne­ten, düs­te­ren Herbst­abend. Al­da, die zu­sam­men mit ih­rem Mann René das Ho­tel „Zum Al­ten Kon­ti­nent“be­treibt, fährt ei­nen Jun­gen auf der Land­stra­ße an – zu al­lem Über­fluss schwer an­ge­trun­ken. Der Jun­ge ist auf der Flucht und möch­te schnell wei­ter­zie­hen. Al­ler­dings ist er ver­letzt und kann nicht ins Kran­ken­haus ge­bracht wer­den, oh­ne dass Al­da auf­flie­gen wür­de. Al­so wird er im Dorf ver­arz­tet und im Ho­tel ver­steckt.

Schon bald wer­den die an­de­ren Dörf­ler arg­wöh­nisch; sie rich

Für den Dich­ter Tho­mas Brasch war Ein­sam­keit im­mer et­was Po­li­ti­sches.

ten Res­sen­ti­ments, ero­ti­sche Sehn­süch­te und Ra­chefan­ta­si­en auf den Frem­den. Für den wirft das Le­ben im Dorf Fra­gen auf: War­um le­ben dort kei­ne Kin­der? Nach wel­chen Re­geln le­ben die we­ni­gen Men­schen hier zu­sam­men? War­um sind al­le so merk­wür­dig miss­trau­isch? Er kommt ei­nem düs­te­ren Ge­heim­nis auf die Spur.

Anne-cé­ci­le Van­da­lem ist Schau­spie­le­rin, Re­gis­seu­rin und Au­to­rin. Mit ih­rer Kom­pa­nie „Das Fräu­lein“ent­wi­ckelt sie ei­ge­ne Ge­schich­ten, in de­nen sich Tra­gik, Gro­tes­ke und skur­ri­ler Hu­mor zu ei­nem ei­ge­nen Gen­re ver­bin­den. Ih­re bei­den letz­ten Ins­ze­nie­run­gen, „Tris­tes­ses“und „Arc­tique“, wa­ren be­reits an der Schau­büh­ne zu se­hen.

Ma­sha Qrel­la: „Wo­an­ders“, Pre­mie­re Mitt­woch (4.12.), 20 Uhr, Heb­bel am Ufer, HAU2, Tel. 030 25900427;

„Die An­de­ren“: Di­ens­tag/mitt­woch/ Donnerstag, (3./4/5.12.), 20 Uhr, Schau­büh­ne Ber­lin, Tel. 030 890023

Foto: Rora­ri­us

Die Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin Ma­sha Qrel­la nä­hert sich mit dem So­lo-stück Tho­mas Brasch an. Da­bei be­zieht sie sich auf sei­nen Text „Blei­ben, wo ich nie ge­we­sen bin”.

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