Wie im Mär­chen

Was für ein Come­back! Tho­mas Dre­ßen ge­winnt ge­nau ein Jahr nach sei­ner schwe­ren Knie­ver­let­zung sen­sa­tio­nell die Ab­fahrt von La­ke Loui­se.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - SPORT - Von Mar­co Ma­der

Im Mo­ment sei­ner mär­chen­haf­ten Rück­kehr auf den Ab­fahrts­thron dach­te Tho­mas Dre­ßen an sei­ne Liebs­te. „Big­gi, dan­ke!“, rief er be­rauscht von sei­nem völ­lig über­ra­schen­den Come­back-sieg in La­ke Loui­se in die Ka­me­ra – und sei­ne Freun­din Bir­git freu­te sich zu Hau­se vor dem Fern­se­her mit ih­rem Tho­mas.

„Ich weiß gar nicht, was ich sa­gen soll, das ist ein­fach nur geil“, sag­te Dre­ßen mit von ei­ner Er­käl­tung hei­se­rer Stim­me, „das ist ver­rückt!“In der Tat: Sein Tri­umph auf den Tag ge­nau ein Jahr nach dem schlim­men Sturz in Bea­ver Creek mit dem To­tal­scha­den im rech­ten Knie glich ei­nem Wun­der. Und er mach­te den Kitz­bü­hel-sie­ger mit jetzt drei Er­fol­gen zum er­folg­reichs­ten deut­schen Ab­fah­rer der Ge­schich­te.

„Wenn du so lange weg warst und dann gleich das ers­te Ren­nen ge­winnst – das ist au­ßer­halb je­der Norm“, sag­te Al­pin­chef Wolf­gang Mai­er. Dre­ßen sei für ihn „der her­aus­ra­gen­de deut­sche Ab­fahrts­sport­ler, auch wenn der Wa­si vi­el­leicht sagt: ‚Der Mai­er spinnt!‘“Dop­pel-olym­pia­sie­ger Markus Was­mei­er hat­te es wie Sepp Ferstl „nur“auf zwei Welt­cup­sie­ge in der Kö­nigs­dis­zi­plin ge­bracht.

„Das ist über­wäl­ti­gend“, sag­te Dre­ßen nach sei­nem „schöns­ten Sieg“mit dem ob­li­ga­to­ri­schen Cow­boy­hut auf dem Kopf. „Wenn ich mir das über­le­ge: Vor ei­nem Jahr hän­ge ich im Netz und ha­be Weh wie die Sau“, füg­te der 26-Jäh­ri­ge an. Schmerz­frei sei er zwar im­mer noch nicht, so­gar das Trep­pen­stei­gen fal­le ihm mit­un­ter schwer – zu viel war ja ka­putt: Kreuz­band, In­nen- und Au­ßen­me­nis­kus, Knor­pel, In­nen­band, Schul­ter. „Ich kann zu­min­dest fah­ren“, sag­te Dre­ßen.

Bei traum­haf­ten Be­din­gun­gen hat­te er per­fek­tes Ma­te­ri­al und fuhr ge­fühl­voll, als wä­re er nie weg ge­we­sen. Hauch­dün­ne 0,02 Se­kun­den lag er vor Su­per-g-welt­meis­ter Do­mi­nik Pa­ris aus Süd­ti­rol.

Dre­ßens Er­folgs­re­zept? Lo­cker­heit. Vor dem Ren­nen ha­be er zu sei­nem Ser­vice­mann ge­sagt: „End­lich wie­der Ren­nen fah­ren, las­sen wir’s kra­chen!“Das tat er – und wie! Er­in­ne­run­gen an den im

Früh­jahr zu­rück­ge­tre­te­nen Speed King Ak­sel Lund Svindal wur­den wach, dem 2007/08 nach ei­nem Hor­ror­sturz in Bea­ver Creek ein ver­gleich­ba­res Come­back ge­lun­gen war.

„Sol­che Er­fol­ge sind das Le­bens­eli­xier für uns al­le“, sag­te Mai­er be­seelt, „wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren bit­ter ein­ste­cken müs­sen, das ist jetzt rich­tig cool.“Der Rück­kehr-pro­zess bei Dre­ßen sei al­ler­dings noch nicht ab­ge­schlos­sen. Der Bay­er be­stä­tig­te dies, im Trai­ning sei er noch sehr un­kon­stant. Dass es bei der Rück­kehr nach Bea­ver Creek am kom­men­den Wo­che­n­en­de ge­nau so gut lau­fen wer­de, kön­ne er nicht ga­ran­tie­ren. „Aber es ist völ­lig egal, was noch kommt in die­ser Sai­son“, sag­te Dre­ßen. „Ich kann hap­py sein und ein­fach nur noch Spaß ha­ben.“sid

Zwei Hun­derts­tel Vor­sprung auf Do­mi­nic Pa­ris

Foto: Jeff Mcintosh/dpa

Der Hut steht ihm gut: Tho­mas Dre­ßen prä­sen­tiert die ob­li­ga­to­ri­sche Sie­ges­tro­phäe von La­ke Loúi­se

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