Ex-bau­ern­par­tei

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK - Leit­ar­ti­kel An­dré Bochow zum Agrar­gip­fel leserbrief­[email protected]

Bau­ern sind CDU/CSU-WÄH­LER. Das hat zwar nie ab­so­lut ge­stimmt, aber weit­ge­hend. Doch nun geht es der deut­schen Land­wirt­schaft an den Kra­gen. So se­hen es je­den­falls die Bau­ern, wes­we­gen sie neu­er­dings zu Pro­test­for­men über­ge­hen, die an die ih­rer fran­zö­si­schen Kol­le­gen er­in­nern, nur deut­lich fried­li­cher sind. Auch po­li­ti­sche Par­al­le­len gibt es. So wie in Frank­reich die Land­be­völ­ke­rung ver­stärkt den rech­ten Ras­sem­ble­ment Na­tio­nal, al­so den frü­he­ren Front Na­tio­nal, wählt, so schwen­ken in Deutsch­land vie­le Wäh­ler der dörf­li­chen Re­gio­nen zur AFD um. In Hes­sen ver­lor die CDU im ver­gan­ge­nen Jahr elf Pro­zent an die AFD. Al­ler­dings auch sie­ben Pro­zent an die Grü­nen.

An­ders­wo ist es ähn­lich und es lässt sich erst ein­mal nur ab­lei­ten, dass die Land­wir­te von CDU und CSU ent­täuscht sind. Die Hin­wen­dung zur AFD ist über­schau­bar. Noch. Denn die ra­di­kals­ten For­de­run­gen der Bau­ern wer­den nur von der Rechts­au­ßen­par­tei un­ter­stützt. Hier wächst für die Uni­on durch­aus ei­ne Ge­fahr her­an. Fakt ist: Seit Jahr­zehn­ten prä­gen die Uni­ons­par­tei­en die Land­wirt­schafts­po­li­tik. In Deutsch­land und in der EU. 6,6 Mil­li­ar­den Eu­ro Agrar­sub­ven­tio­nen aus dem eu­ro­päi­schen Haus­halt be­ka­men die deut­schen Bau­ern 2018, nach wie vor nach dem Prin­zip: Wer viel hat, be­kommt viel. Flä­che ist wich­tig, In­sek­ten­schutz nicht. Die in­dus­tri­el­le Land­wirt­schaft wur­de ge­för­dert und der Flä­chen­aus­ver­kauf nicht ver­hin­dert. Es sind vor al­lem die Klein­bau­ern, die sich zu Recht die al­ler­größ­ten Sor­gen ma­chen.

Und jetzt sol­len Bie­nen, Ge­wäs­ser, Kli­ma ge­schützt wer­den und al­le Land­wir­te se­hen sich als Um­welt­sün­der an den Pran­ger ge­stellt. Tat­säch­lich

sind sie we­der für das In­sek­tenster­ben noch für das ver­seuch­te Grund­was­ser al­lein ver­ant­wort­lich. Die Bau­ern­schaft sieht sich als Aus­put­zer für ei­ne ver­fehl­te Kli­ma- und Um­welt­po­li­tik.

Aber auch wer die Agrar­po­li­tik ver­ur­teilt, soll­te dar­an den­ken, wem das Sys­tem dient. Den gro­ßen Land­wirt­schafts­be­trie­ben, den Han­dels­ket­ten und uns, den Ver­brau­chern. Im­mer mehr, im­mer schnel­ler – zu teil­wei­se ab­surd nied­ri­gen Prei­sen. Wen in­ter­es­sie­ren schon Gül­le im Grund­was­ser und das Tier­wohl, wenn das Ki­lo Schnit­zel nicht mehr kos­tet als ei­ne Schach­tel Zi­ga­ret­ten. An­ge­mes­se­ne

Geht es um Nach­hal­tig­keit, so reicht es nicht, den Land­wir­ten neue Vor­schrif­ten auf­zu­hal­sen.

Prei­se – das ist die Wert­schät­zung, die die Land­wirt­schaft braucht.

Es ist rich­tig, wenn die EU ei­ne um­welt­ver­träg­li­che­re Land­wirt­schaft ein­for­dert. Die wird es aber auf Dau­er nur ge­ben, wenn die Struk­tu­ren ver­än­dert wer­den. Da­zu ge­hört, dass man Bau­ern ih­re Bei­trä­ge zum Kli­ma­schutz, zur Ar­ten­viel­falt und zur Er­hal­tung der Kul­tur­land­wirt­schaft be­zahlt. So wie Um­welt­zer­stö­rung sank­tio­niert ge­hört. Wenn es um Nach­hal­tig­keit ge­hen soll, reicht es eben nicht, den Bau­ern neue Vor­schrif­ten auf­zu­hal­sen. Viel­mehr muss sich die Po­li­tik dann auch mit Agrar- und Han­dels­kon­zer­nen an­le­gen. An­dern­falls wird das Bau­ern­le­gen wei­ter­ge­hen und die Uni­on wird ei­ne einst­mals sehr treue Wäh­ler­grup­pe gänz­lich ver­lie­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.