Po­lit-kri­mi auf Mal­ta

Die Er­mitt­lun­gen lö­sen ei­ne Rück­tritts­wel­le in der Re­gie­rung aus. Den Bür­gern und der Op­po­si­ti­on reicht das nicht.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK -

Val­let­ta.

Die Abend­son­ne taucht den Him­mel über Mal­tas Haupt­stadt Val­let­ta in dra­ma­ti­sches Oran­ge­rot, wäh­rend De­mons­tran­ten zur Me­lo­die ei­ner Rock­grup­pe „Hau ab“ru­fen. Wo tags­über Tou­ris­ten das mil­de Kli­ma ge­nie­ßen, for­dern auf­ge­brach­te Bür­ger seit Ta­gen laut­stark abends den Rück­tritt von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mu­s­cat. In ei­nem Meer aus mal­te­si­schen und ver­ein­zel­ten Eu-fah­nen hal­ten sie wü­tend Schil­der hoch, auf de­nen Mu­s­cat der Mit­tä­ter­schaft an dem Mord an der Jour­na­lis­tin Daph­ne Ca­rua­na Ga­li­zia be­zich­tigt wird. „Jo­seph Mu­s­cat, Du hast Blut an Dei­nen Hän­den“oder schlicht „Ma­fia“steht in gro­ßen Let­tern dar­auf ge­schrie­ben.

All­zu of­fen­sicht­lich sind in den Au­gen vie­ler Bür­ger die Ver­bin­dun­gen des Pre­mier­mi­nis­ters zu den mut­maß­li­chen Draht­zie­hern des An­schlags auf die In­ves­ti­ga­tiv-jour­na­lis­tin. Am En­de sieht Mu­s­cat kei­nen an­de­ren Aus­weg, als sei­nen Rück­tritt an­zu­kün­di­gen. Bis zur Wahl ei­nes neu­en

Par­tei­vor­sit­zen­den der mal­te­si­schen So­zi­al­de­mo­kra­ten am 12. Ja­nu­ar will er ge­schäfts­füh­rend im Amt blei­ben. „Ich hat­te Feh­ler und da­für ent­schul­di­ge ich mich persönlich, auch wenn die­se Män­gel auf je­mand an­de­ren zu­rück­ge­hen“, recht­fer­tigt Mu­s­cat sich in ei­ner An­spra­che. Auf die­se Wei­se wol­le er die Sta­bi­li­tät des Lan­des ga­ran­tie­ren.

Kli­ma der Straf­lo­sig­keit

Doch die An­kün­di­gung reicht we­der der Op­po­si­ti­on noch den De­mons­tran­ten. Sie wol­len, dass die ge­sam­te Re­gie­rung zu­rück­tritt. Zu groß sei das Ri­si­ko, dass die ver­blei­ben­de Zeit ge­nutzt wer­de, um Be­wei­se zu ver­nich­ten.

Mu­s­cats Kri­ti­ker wer­fen ihm vor, ein Kli­ma der Straf­lo­sig­keit zu­ge­las­sen zu ha­ben, das den Mord an der Jour­na­lis­tin im Ok­to­ber 2017 erst mög­lich mach­te. Sein Ver­hal­ten för­der­te dem­nach To­le­ranz ge­gen­über ver­bre­che­ri­schem Fi­nanz­ge­ba­ren und Kor­rup­ti­on an­statt bei­des zu be­kämp­fen.

Mu­s­cats La­bour-frak­ti­on im Par­la­ment stell­te sich nach sei­ner Rück­tritts­an­kün­di­gung ge­schlos­sen hin­ter ihn. Sie könn­te ihn an­ge­sichts der an­hal­ten­den Pro­tes­ten aber ab­wäh­len. Zwei Jah­re, nach­dem Ca­rua­na Ga­li­zia mit ih­rem Wa­gen in die Luft ge­sprengt wur­de, zie­hen die Er­mitt­ler im­mer en­ge­re Krei­se um Mu­s­cat und sei­ne Ver­trau­ten. Die da­mals 53-Jäh­ri­ge Jour­na­lis­tin hat­te lan­ge über il­le­ga­le Ver­flech­tun­gen von Wirtschaft und Po­li­tik re­cher­chiert.

In ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Wen­dung war vor we­ni­gen Ta­gen der Mil­lio­nen­er­be und Ge­schäfts­mann Yor­gen Fen­ech ver­haf­tet wor­den. Ma­ri­ne-boo­te hin­der­ten ihn dar­an, sich mit sei­ner Lu­xusyacht ab­zu­set­zen. Ihm ge­hört die Off­s­hore-fir­ma 17 Black, über die die Jour­na­lis­tin kurz vor ih­rem Tod ge­schrie­ben hat­te. Er lei­tet auch ei­ne Un­ter­neh­mens­grup­pe, die im Auf­trag der mal­te­si­schen Re­gie­rung ein Gas­kraft­werk er­rich­te­te. Bet­ti­na Gab­be

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