Lö­schen un­ter Strom

Mehr E-au­tos auf den Stra­ßen lö­sen De­bat­te um Ge­fah­ren bren­nen­der Bat­te­ri­en aus. Der Feu­er­wehr­ver­band sieht sich gut vor­be­rei­tet.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - BLICK IN DIE WELT - Von Flo­ren­ti­ne Da­me dpa

Die Feu­er­wehr be­rei­tet sich auf Ge­fah­ren durch Brän­de von E-au­to-bat­te­ri­en vor, rät aber zu Ge­las­sen­heit. „Wir ha­ben es hier mit ei­ner neu­en Her­aus­for­de­rung zu tun, auf die die Ein­satz­kräf­te vor­be­rei­tet wer­den müs­sen“, sag­te der Vi­ze­prä­si­dent des Deut­schen Feu­er­wehr­ver­ban­des, Kar­lHeinz Knorr. „E-au­tos bren­nen aber we­der hef­ti­ger noch häu­fi­ger als Ben­zi­ner oder Die­sel, nur an­ders.“Ei­ne Emp­feh­lung des Ver­ban­des in Zu­sam­men­ar­beit mit In­ge­nieu­ren und Fach­leu­ten kommt zu dem Schluss, die be­kann­ten Vor­ge­hens­wei­sen sei­en zur Brand­be­kämp­fung von Li­thi­um-io­nen-ak­kus „grund­sätz­lich ge­eig­net“. Bei gu­ten Fer­ti­gungs­stan­dards und sach­ge­rech­ter Hand­ha­bung sei­en die Ak­kus zu­dem als aus­rei­chend si­cher ein­zu­stu­fen.

Auch der ADAC hält das Ri­si­ko ei­nes Bran­des bei E-au­tos für ver­gleichs­wei­se ge­ring. Die Fahr­zeu­ge sei­en bei ei­nem Un­fall ge­nau­so si­cher wie her­kömm­li­che Mo­del­le. So schal­te sich das Hoch­volt­sys­tem au­to­ma­tisch ab, wenn der Air­bag aus­ge­löst wird.

Knorr fin­det es je­doch wich­tig, dass Feu­er­weh­ren sich be­reits vor dem mög­li­chen Ein­satz­fall mit der neu­en Tech­no­lo­gie be­fas­sen. „Wenn ein E-au­to-ak­ku brennt, dann ist durch­aus mit enor­mer Brand­leis­tung zu rech­nen – die ist bei ei­nem Ak­ku aber nicht ge­rin­ger als bei ei­nem auf­ge­ris­se­nen Tank“, sag­te Knorr. „Die Ener­gie, die frei­ge­setzt wird, ist ja un­ab­hän­gig von der Tech­no­lo­gie dar­auf aus­ge­legt, das Au­to über ei­ne län­ge­re Stre­cke in Be­we­gung zu set­zen.“Aus­schlag­ge­bend da­für, dass Au­tos, wenn sie in Brand ge­ra­ten, heut­zu­ta­ge grö­ße­re Hit­ze und Flam­men ent­wi­ckel­ten als noch vor Jahr­zehn­ten, sei die deut­li­che Zu­nah­me ver­bau­ter brenn­ba­rer Stof­fe in den Ka­ros­sen: mehr Däm­mung, brei­te­re Rei­fen. An­de­re Pols­ter näh­ren viel grö­ße­re Feu­er als frü­her.

An­ders als bei bren­nen­dem Treib­stoff, dem die Ein­satz­kräf­te meist durch Lösch­schaum den not­wen­di­gen Sau­er­stoff ent­zie­hen, ist Was­ser das Lösch­mit­tel der Wahl bei Ak­kus. „Es reicht nicht, die sicht­ba­ren Flam­men zu er­sti­cken“, sag­te Knorr.

Die ei­gent­li­che Ener­gie wer­de im In­nern des Ak­kus frei­ge­setzt, wo sich der Brand wie bei ei­nem Do­mi­no­ef­fekt von Teil­zel­le zu Teil­zel­le fort­set­ze, „ther­mal ru­na­way“ nennt das der Ex­per­te. „Da hilft nur küh­len, küh­len, küh­len. Sie müs­sen dem Ak­ku mehr Ener­gie ent­zie­hen als er frei­setzt, sonst kann er sich wie­der ent­zün­den.“Da­mit das ge­lin­ge, sei in der Re­gel mehr Was­ser nö­tig als ge­wöhn­lich. „Wenn der Brand in ei­nem Ge­biet oh­ne Hy­dran­ten ist, et­wa auf der Au­to­bahn, könn­te man gleich ein zwei­tes Tank­lösch­fahr­zeug mit­schi­cken.“

Der Ge­fahr, dass beim Ein­satz von Was­ser in elek­tri­schen An­la­gen Span­nung auf die Ein­satz­kräf­te über­springt, be­geg­net die Feu­er­wehr üb­ri­gens seit je­her mit ei­nem spe­zi­el­len Was­ser­strahl: „Der be­steht aus ein­zel­nen Tröpf­chen, so dass der Strom bei Wah­rung von ge­wis­sen Si­cher­heits­ab­stän­den nicht zu­rück­flie­ßen kann“, er­klärt Knorr. Selbst bei ei­ner Hoch­span­nungs­lei­tung kön­nen die Feu­er­wehr­leu­te so aus zehn Me­tern Ent­fer­nung mit Was­ser lö­schen. Ein wei­te­res Pro­blem der bren­nen­den Ak­kus liegt da­rin, dass sich auch ge­lösch­te Spei­cher bis zu 24 St­un­den lang wie­der ent­zün­den kön­nen. „Man kann nicht in die Ak­kus hin­ein­bli­cken“, sag­te Knorr. Es kön­ne da­her sinn­voll sein, die Bat­te­rie in ein Was­ser­bad zu le­gen, um auf Num­mer si­cher zu ge­hen.

Pols­ter sind ein Pro­blem

Fo­to: -/Po­li­zei Düren/dpa

Feu­er­wehr­leu­te lö­schen ein E-au­to, das sich wäh­rend des La­de­vor­gangs ent­zün­det hat.

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