Sieg und ein blau­es Au­ge

Acht Wo­chen nach sei­ner Herz-ope­ra­ti­on schreibt Ro­ger Klu­ge beim Welt­cup in Hong­kong wie­der sport­li­che Schlag­zei­len. Sturz en­det glimpf­lich.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - SPORT - Von Tho­mas Ju­schus

Es war ein kur­zer Mo­ment der Un­kon­zen­triert­heit. Ro­ger Klu­ge und Theo Rein­hardt wa­ren beim Bahn-welt­cup in Hong­kong im Ma­di­son-ren­nen auf Run­den­jagd, der Puls und das Ad­re­na­lin be­son­ders hoch. Ei­ne hal­be Run­de Vor­sprung hat­ten sich die Welt­meis­ter von 2018 und 2019 her­aus­ge­fah­ren, da lag Klu­ge 49 Run­den vor dem En­de plötz­lich mit sei­nem FES-RAD am Bo­den.

„Theo ist sehr eng an mir vor­bei­ge­fah­ren und hat mir mit sei­nem Ober­schen­kel den Len­ker aus der Hand ge­schla­gen“, er­in­nert sich Klu­ge, der die Ba­lan­ce ver­lor und zu Bo­den ging. „Das war so nicht ge­plant“, be­rich­te­te der Cott­bu­ser nach der Sie­ger­eh­rung ge­zeich­net. Denn ne­ben den ob­li­ga­to­ri­schen Haut­ab­schür­fun­gen trug der 33-Jäh­ri­ge auch ein blau­es Au­ge da­von. Der Un­fall war der Hö­he­punkt in ei­nem „sehr hek­ti­schen und chao­ti­schen Ren­nen“(Klu­ge), das von meh­re­ren Stür­zen ge­prägt war und bei de­nen die deut­sche Er­folgs­kom­bi­na­ti­on im­mer mit da­bei war – aber im­mer da­von­kam.

Erst stürz­te der Por­tu­gie­se Iu­ri Lei­tao, spä­ter der Spa­nier Al­bert Tor­res Bar­ce­lo, weil Rein­hardt zwei­mal ir­gend­wie im Weg war. „Theo war nicht der Schul­di­ge, aber halt der Aus­lö­ser“, be­rich­te­te Klu­ge. Zwi­schen den Wer­tun­gen sei im­mer sehr lang­sam ge­fah­ren wor­den, „da geht dann ir­gend­wann der Platz aus“. In der Schluss­pha­se fuhr der Schwei­zer Ni­co Si­le­na­ti spek­ta­ku­lär auf und ging zu Bo­den, wäh­rend der Eisenhütte­nstädter un­be­ein­druckt wei­ter­roll­te. „Da hat­te ich echt Glück, dass er mich nicht mit um­reißt“, sag­te Klu­ge.

Am En­de der 200 Run­den stan­den die Dop­pel-welt­meis­ter erst­mals bei ei­nem Welt­cup ge­mein­sam ganz oben auf dem Trepp­chen. „Theo konn­te nach mei­nem Sturz die Po­si­ti­on hal­ten. Ich bin nach der un­ge­plan­ten Pau­se mit noch mehr Ad­re­na­lin zu­rück­ge­kom­men und ha­be den Run­den­ge­winn kom­plett ge­macht“, be­rich­te­te Klu­ge, „dann hat­ten wir ei­ne kom­for­ta­ble Füh­rung.“Für ihn war es der ers­te Welt­cup-sieg seit 2011 – der Ber­li­ner Rein­hardt hat­te zu­vor schon mit dem Vie­rer in Hong­kong tri­um­phiert.

Drei Wo­chen nach dem un­be­frie­di­gen­den Sai­son­ein­stand in Glas­gow prä­sen­tier­te sich Klu­ge deut­lich ver­bes­sert. Nach sei­ner Herz-ope­ra­ti­on An­fang Ok­to­ber in Ant­wer­pen strahl­te der Stra­ßen-pro­fi des bel­gi­schen Lot­to-sou­dal-teams schon wie­der sei­ne ge­wohn­te Do­mi­nanz und Sou­ve­rä­ni­tät aus, was auch der zwei­te Platz im Om­ni­um hin­ter Welt­meis­ter Camp­bell Ste­wart aus Neu­see­land be­leg­te. „Es ging schon deut­lich bes­ser als in Glas­gow, das zei­gen ja auch die Er­geb­nis­se“, sag­te Klu­ge, der am Wo­che­n­en­de beim Welt­cup in Cam­bridge/neu­see­land star­tet und dort mit ei­nem star­ken Mehr­kampf-er­geb­nis die Qua­li­fi­ka­ti­on für die Heim-wm (ab 26. Fe­bru­ar bis 1. März) per­fekt ma­chen will. „Es ist noch Luft nach oben, das lässt hof­fen.“

Vie­le Stür­ze über­schat­ten das Ren­nen.

Fo­to: Alex Whitehead/swpix

Glück­li­che Ge­sich­ter: Die Neu­see­län­der Tom Sex­ton und Camp­bell Ste­wart, die deut­schen Sie­ger Ro­ger Klu­ge und Theo Rein­hardt so­wie Fred Wright und Mark Ste­wart aus Groß­bri­tan­ni­en (von links)

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