Pen­si­ons­pa­ra­dies an der Oder

Frank­furt ge­hört zu den 25 le­bens­wer­tes­ten Re­gio­nen für Se­nio­ren in der Bun­des­re­pu­blik. Aber es gibt auch Nach­bes­se­rungs­be­darf.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - VORDERSEIT­E - Von Tho­mas Gut­ke

Frank­furt. Die Deutsch­land-stu­die des ZDF hat er­ge­ben, dass Frank­furt zu den 25 le­bens­wer­tes­ten Re­gio­nen für Se­nio­ren in der Bun­des­re­pu­blik ge­hört. Aber na­tür­lich gibt es an be­stimm­ten Stel­len den­noch auch Nach­bes­se­rungs­be­darf.

In Frank­furt lässt es sich im Al­ter gut le­ben. Das zeigt ei­ne Stu­die der Pro­gnos AG für das ZDF. Die Er­geb­nis­se wur­den am Frei­tag vor­ge­stellt. Dem­nach lan­det die Oder­stadt, was die Rah­men­be­din­gun­gen für Se­nio­ren be­trifft, auf Platz 24 von 401 Land­krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten in Deutsch­land. In Bran­den­burg schnei­det nur Pots­dam noch bes­ser als Frank­furt ab. Auf den ers­ten drei Plät­zen lie­gen Je­na, Suhl (bei­de Thü­rin­gen) und der Hochtau­nus­kreis (Hes­sen).

Viel Grün, nied­ri­ge Mie­ten

Die Da­ten­ana­ly­ti­ker ha­ben ei­ne Viel­zahl von Fak­to­ren zu­sam­men­ge­tra­gen, die für ein gu­tes Le­ben im Al­ter von Be­deu­tung sind. Sie rei­chen von der me­di­zi­ni­schen und pfle­ge­ri­schen Ver­sor­gung über Si­cher­heit und In­fra­struk­tur bis hin zu Woh­nen, Wirt­schaft und Frei­zeit. Die Da­ten wur­den in ein Punk­te­sys­tem über­tra­gen und mit­ein­an­der ver­gli­chen. Frank­furt punk­tet un­ter an­de­rem mit sei­ner gu­ten An­bin­dung an das Kran­ken­haus und der Er­reich­bar­keit von Haus­ärz­ten, Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und Apo­the­ken. Auch die Wohn­kos­ten sind ver­gleichs­wei­se nied­rig. Im Schnitt zah­len Se­nio­ren in Frank­furt

nur 24 Pro­zent ih­res Ein­kom­mens für Mie­te und Ne­ben­kos­ten – in Ber­lin liegt die Quo­te bei 58 Pro­zent. Auch das vie­le Grün trägt mit zu den ins­ge­samt gu­ten Rah­men­be­din­gun­gen bei.

Aber es gibt auch Pro­blem­stel­len. Das durch­schnitt­lich ver­füg­ba­re Jah­res­ein­kom­men liegt bei nur 17551 Eu­ro, wo­mit Frank­furt ei­nen Mit­tel­feld­platz be­legt. Auch se­nio­ren­ge­rech­te Sport­an­ge­bo­te gibt es laut der Stu­die of­fen­bar ver­gleichs­wei­se we­nig.

„Frank­furt ist ei­ne le­bens­wer­te Stadt!“, fin­det Ralf Lus­tig. Er ist Vor­sit­zen­der des Frank­fur­ter Se­nio­ren­ver­eins, der rund 120 Mit­glie­der hat und viel Ak­ti­vi­tä­ten für Äl­te­re an­bie­tet: von Skat­und Grill­nach­mit­ta­gen bis hin zu Ta­ges­fahr­ten. Ihn über­rascht das gu­te Ab­schnei­den nicht un­be­dingt. „Die Stadt punk­tet mit ih­rer grü­nen Lun­ge, die Um­ge­bung mit den Wäl­dern und Se­en ist herr­lich. Auch die Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten sind gut. Wenn auch noch nicht übe­r­all, so wie in Mar­ken­dorf. Aber auch da soll ja bald ein Markt ge­baut wer­den“. Al­ler­dings ge­be es auch ei­ni­ge „Ecken und Kan­ten“, wie Ralf Lus­tig sagt. Zwar fah­ren aus­rei­chend Bus­se und Bah­nen, vie­le Hal­te­stel­len je­doch sei­en nicht bar­rie­re­frei, was die Mo­bi­li­tät er­schwe­re. „Die Hal­te­stel­len sind in Frank­furt auch fast die ein­zi­gen Or­te, an de­nen Pa­pier­kör­be ste­hen. Des­halb ist Frank­furt auch ei­ne schmut­zi­ge Stadt“, merkt er an. Auch bei der Ge­sund­heits­ver­sor­gung lie­ge das Pro­blem im De­tail. Dass es in Frank­furt in be­stimm­ten Dis­zi­pli­nen an Fach­ärz­ten feh­le – al­len vor­an Haut­ärz­te – be­rei­te vie­len Se­nio­ren Kopf­zer­bre­chen, be­klagt Ralf Lus­tig. Und dann sei da noch das The­ma Si­cher­heit. „Die meis­ten sind in der DDR groß ge­wor­den, da konn­te man abends oh­ne Be­den­ken fla­nie­ren ge­hen. Heu­te füh­len sich vie­le Se­nio­ren nicht mehr si­cher, weil die Ge­walt­schwel­le ge­sun­ken ist“, be­rich­tet Ralf Lus­tig. Da­her ver­su­che der Se­nio­ren­ver­ein vie­le Ver­an­stal­tun­gen so zu pla­nen, dass die Teil­neh­mer noch bei Ta­ges­licht nach Hau­se kom­men, was im Win­ter schwie­rig sei. Tat­säch­lich kom­men – laut Pro­gnos-stu­die – in der Oder­stadt sta­tis­tisch auf 10000 Se­nio­ren 197 Ver­bre­chen. Im Bun­des­ver­gleich liegt Frank­furt da­mit im Durch­schnitt.

Die Stadt selbst durf­te für die Deutsch­land-stu­die ei­ne Selbst­ein­schät­zung ab­ge­ben. Dem­nach le­ben in Frank­furt knapp 15000 Men­schen, die äl­ter als 65 Jah­re sind, Ten­denz stei­gend. Der ho­he Se­nio­ren­an­teil wer­de bei „ver­schie­de­nen Pla­nungs­vor­ha­ben be­rück­sich­tigt“, heißt es. Dar­über hin­aus hebt die Stadt­ver­wal­tung die gut aus­ge­bau­te In­fra­struk­tur in den Be­rei­chen Ver­kehr, Kul­tur, Ge­sund­heit, Pfle­ge her­vor, ver­weist auf 18 am­bu­lan­te Pfle­ge­dienst­leis­ter und neun Al­ten­pfle­ge­hei­me. Auch das Woh­nungs­an­ge­bot wer­de durch Um­bau­ten zu­neh­mend auf die spe­zi­el­len Be­dürf­nis­se äl­te­rer und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Men­schen aus­ge­rich­tet.

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