Rich­ter ta­deln Bay­erns In­te­gra­ti­ons­ge­setz

Eins­ti­ges Pres­ti­ge­pro­jekt der CSU ver­stößt teil­wei­se ge­gen die Ver­fas­sung.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - POLITIK -

Mün­chen.

Nach kon­tro­ver­sen De­bat­ten war das höchst um­strit­te­ne baye­ri­sche In­te­gra­ti­ons­ge­setz vor drei Jah­ren vom Land­tag an­ge­nom­men wor­den. Vor al­lem die op­po­si­tio­nel­len SPD und Grü­nen hat­ten da­mals ver­sucht, das Csu-pres­ti­ge­pro­jekt zu stop­pen, das Mi­gran­ten mehr In­te­gra­ti­ons­leis­tun­gen ab­ver­langt und den Be­griff der „Leit­kul­tur“fest­schreibt. Doch ge­gen die da­ma­li­ge ab­so­lu­te Csu-mehr­heit half nichts.

Nun hat der baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof das Ge­set­zes­werk teil­wei­se für ver­fas­sungs­wid­rig er­klärt. Ge­klagt hat­ten SPD und Grü­ne. Vor al­lem an zwei Punk­ten sto­ßen sich die Rich­ter: Nicht rech­tens ist es, dass dem Baye­ri­schen Rund­funk und dem Pri­vat­funk auf­er­legt wur­den, An­ge­bo­te zur Ver­mitt­lung der Leit­kul­tur zu ma­chen. Dies „ver­letzt die Rund­funk­frei­heit“. Eben­falls nicht von der Ver­fas­sung ge­deckt ist je­ne Vor­schrift,

die Flücht­lin­gen und Mi­gran­ten ei­nen In­te­gra­ti­ons­kurs auf­zwingt oder ei­ne Geld­bu­ße ge­gen sie ver­hängt, wenn sie die Rechts- und Wer­te­ord­nung nicht ach­ten. Das sei ein „un­zu­läs­si­ger Ein­griff in die Mei­nungs­frei­heit“.

Grü­ne for­dern Um­steu­ern

Das In­te­gra­ti­ons­ge­setz war un­ter Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer im Zu­ge des Streits zwi­schen CSU und CDU über die Flücht­lings­po­li­tik ent­stan­den. Der

Spd-ab­ge­ord­ne­te Flo­ri­an von Brunn spricht nun von ei­ner „def­ti­gen Watschn für die Staats­re­gie­rung“. Laut der Grü­nen-ab­ge­ord­ne­ten Gül­se­ren De­mi­rel zei­ge das Ur­teil, „wie sehr die da­ma­li­ge Csu-al­lein­re­gie­rung mit ih­rem auf Aus­gren­zung ab­zie­len­den Ge­setz ih­re Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten hat“. Sie ver­langt ei­ne neue In­te­gra­ti­ons­po­li­tik.

Ganz an­ders sieht das Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU): „Die Ver­fas­sungs­rich­ter ha­ben das Kon­zept der Leit­kul­tur be­stä­tigt.“Das Prin­zip des „För­derns und För­derns“blei­be wei­ter­hin Grund­la­ge der baye­ri­schen In­te­gra­ti­ons­po­li­tik. Tat­säch­lich ha­ben die Rich­ter ei­ne Viel­zahl der von der Op­po­si­ti­on auf­ge­grif­fe­nen Ge­set­zes­tei­le als ver­fas­sungs­ge­mäß ge­bil­ligt. So dür­fen da­rin wei­ter Be­grif­fe wie die „un­ab­ding­ba­re Ach­tung der Leit­kul­tur“, „In­te­gra­ti­ons­pflicht“so­wie „In­te­gra­ti­ons­zie­le“be­ste­hen blei­ben. Patrick Guy­ton

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