Faust­mes­ser im Au­to wä­re straf­bar

Ein 44-jäh­ri­ger Po­le ist we­gen des Ver­sto­ßes ge­gen das Waf­fen­ge­setz an­ge­klagt. Doch zu­recht?

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - FRANKFURTE­R STADTBOTE - Von Fall zu Fall

Han­delt es sich um ein Faust­mes­ser oder nicht? Die Fra­ge soll ein Gut­ach­ter klä­ren, ent­schied Rich­te­rin Ste­fa­nie Schnee­wolf-ku­botsch. In der Ver­hand­lung ge­gen ei­nen 44-jäh­ri­gen Polen ging es am Di­ens­tag am Frank­fur­ter Amts­ge­richt um den Vor­wurf des Ver­sto­ßes ge­gen das Waf­fen­ge­setz. Der Mecha­ni­ker war am 24. Mai auf der A12 von Be­am­ten der Bun­des­po­li­zei und des Zolls ge­stoppt und kon­trol­liert wor­den. Sie fan­den im Abla­ge­fach der Fah­rer­tür ein Mes­ser, von dem sie mei­nen, dass es un­ters Waf­fen­ge­setz fal­le. Der Po­le hät­te es al­so nicht da­bei ha­ben dür­fen.

„Ich fah­re seit Jah­ren nach Deutsch­land und ha­be die­ses Ta­schen­mes­ser im­mer bei mir, um da­mit Brot, Wurst und Kä­se zu schnei­den“, er­klär­te der An­ge­klag­te vor Ge­richt. Die Zoll­be­am­ten hät­te die Kä­se­res­te am Mes­ser ge­se­hen, so der Mann, der sich kei­ner Schuld be­wusst ist. Er hat ge­gen den Straf­be­fehl, der ge­gen ihn er­las­sen wor­den ist, Ein­spruch er­ho­ben.

Die Rich­te­rin stu­dier­te das nicht ge­ra­de klei­ne Mes­ser mit der furcht­ein­flö­ßend brei­ten und aus­klapp­ba­ren Klin­ge, das die Zöll­ner ein­ge­zo­gen hat­ten, im Ge­richts­saal ein­ge­hend. Ih­ren Re­cher­chen nach wür­de es sich we­der um ein Faust- noch um ein Spring-, Fall- oder Cut­ter­mes­ser han­deln. Nur die­se un­ter­lie­gen dem Waf­fen­ge­setz. Ein Faust­mes­ser müss­te ei­nen quer zur ge­schlos­se­nen Faust fest ste­hen­den Griff ha­ben. Das war beim vor­lie­gen­den Be­weis­mit­tel auf den ers­ten Blick nicht der Fall. Doch was ist mit dem klei­nen He­bel hin­ten am Griff ? Der er­mög­licht ein Ar­re­tie­ren der Klin­ge zu­min­dest, fand die Rich­te­rin her­aus. Nach ei­ner kur­zen Ab­stim­mung mit der Ver­tre­te­rin der Staats­an­walt­schaft ent­schied Ste­fa­nie Schnee­wolf-ku­botsch: „Wir müs­sen erst klä­ren, ob der Tat­vor­wurf stimmt, es sich um ein un­ters Waf­fen­ge­setz fal­len­des Mes­ser han­delt.“

Ein Fall für den Gut­ach­ter

Wenn nicht, wür­de der Po­le frei­ge­spro­chen und be­kä­me das Mes­ser – ein Ge­schenk sei­nes schwer kran­ken Va­ters, wie er vor Ge­richt be­ton­te – zu­rück. Die Ver­hand­lung wur­de aus­ge­setzt, nach dem Vor­lie­gen des Gut­ach­tens wird ein neu­er Ter­min an­be­raumt. Für den nach Ein­schät­zung der Rich­te­rin „grund­ehr­li­chen“, wohl­si­tu­ier­ten An­ge­klag­ten ist das Bild vom deut­schen Rechts­staat ver­mut­lich ins Wan­ken ge­kom­men. Der Po­li­zist, der ihm 50 Eu­ro „Stra­fe“ab­ge­nom­men ha­be, ha­be ge­sagt: „Das war’s.“Doch nach der tat­säch­li­chen Si­cher­heits­ge­bühr kam die An­kla­ge. Ines We­ber-rath

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