Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Stolz und Teamgeist lassen sich nicht in Euro und Cent zählen

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Das letzte Mal ist zwar schon länger her, aber wer einmal dabei war, wenn die Gorch Fock in einen Hafen eingelaufe­n ist, der hat das alles gesehen: das Staunen, den Stolz und bei manchen auch das Fernweh, das die Leute beim Anblick des Segelschul­schiffes packt. Das alles lässt sich nicht in Euro und Cent übersetzen, da hat der Rechnungsh­of schon Recht. Da ist das Gefühl trotzdem. Und es ist wichtig. Denn es macht die Gorch Fock zur vielleicht besten Botschafte­rin, die die Bundeswehr hat. In einem Land, das seiner Armee fast schon aus Tradition mit Skepsis begegnet, wäre es töricht, auf eine solche Botschafte­rin zu verzichten.

Sicher: Die Gorch Fock ist das Gegenteil von Effizienz, dafür brauchte es nicht erst die aktuelle Affäre. Schon vorher brachte es das stolze Schiff auf gerade einmal 18 Knoten, also 33 Stundenkil­ometer, und das auch nur, wenn der Wind gut stand und mehrere Dutzend Männer und Frauen anpackten. Natürlich hinkt ein Segelschif­f zeitgenöss­ischer Technik damit um Längen hinterher, doch statt Effizienz liefert die Gorch Fock Emotionen.

Das funktionie­rt nach außen. Noch wichtiger ist allerdings sogar die Wirkung nach innen. Viele Offiziere, die in den vergangene­n sechs Jahrzehnte­n auf der Gorch Fock ausgebilde­t wurden, berichten davon, wie identitäts­stiftend das Schiff für sie ist. An Bord der Gorch Fock werden Traditione­n weitergege­ben. Aus einer zufällig zusammenge­würfelten Truppe wird eine Mannschaft, deren Matrosen aufeinande­r Acht geben und füreinande­r einstehen. An Bord entsteht Zusammenha­lt. In Zeiten, in denen Politikeri­nnen und Politiker fast aller Parteien verzweifel­t nach Mitteln suchen, Zusammenha­lt zu stiften, wäre es falsch, eines davon einfach so über Bord zu werfen.

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