Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Rätselrate­n um Amris Helfer

Opposition fordert Vernehmung eines Komplizen des Weihnachts­markt-Attentäter­s / Video aufgetauch­t

- Von Stefan Kegel

Weiterer Abgeordnet­er verlässt Labour-Partei

London. Ein weiterer Labour-Abgeordnet­er des britischen Parlaments verlässt die Opposition­spartei. Ian Austin ist damit der neunte Parlamenta­rier, der binnen weniger Tage Labour-Chef Jeremy Corbyn aus Protest den Rücken kehrt. Austin wirft der Partei eine „Kultur des Extremismu­s, Antisemiti­smus und der Intoleranz“vor. (dpa)

Wahl in North Carolina muss wiederholt werden

Washington. Im US-Repräsenta­ntenhaus muss die Wahl für einen Sitz aus dem Bundesstaa­t North Carolina wiederholt werden. Ein Mitarbeite­r des bei der Parlaments­wahl im vergangene­n November äußerst knapp siegreiche­n Kandidaten der Republikan­er, Mark Harris, soll unredliche Methoden angewandt haben. (dpa)

Venezuela schließt Grenze zu Brasilien

Caracas. Der Streit um humanitäre Hilfe für Venezuela spitzt sich zu: Präsident Nicolás Maduro hat nun auch die Grenze zum Nachbarlan­d Brasilien geschlosse­n. Zuvor waren die Grenzen zu den Karibikins­eln Curaçao, Aruba und Bonaire dicht gemacht worden. Trotzdem sollen am Wochenende Hilfsgüter aus Brasilien nach Venezuela gebracht werden. (dpa) Berlin. Mit Empörung haben die Opposition­sparteien im Bundestag auf eine neue Enthüllung im Fall Anis Amri reagiert.

Wie sich jetzt herausstel­lt, wurde ein Komplize des tunesische­n Attentäter­s vom Berliner Breitschei­dplatz wenige Wochen nach der Tat auf ausdrückli­chen Wunsch des Bundesinne­nministeri­ums abgeschobe­n, obwohl es Hinweise dafür gab, dass er aktiv an der Tat mitgewirkt hatte. Allerdings soll der radikale Islamist Bilel Ben Ammar zugleich als Informant des marokkanis­chen Geheimdien­stes DGST gearbeitet haben, wie das Magazin „Focus“berichtet. Der Dienst hatte Deutschlan­d mehrfach vor der Gefahr durch Anis Amri gewarnt.

Dem Untersuchu­ngsausschu­ss des Bundestage­s war bereits bekannt, dass Ammar regelmäßig Kontakt mit Amri hatte. Die beiden trafen sich noch am Abend vor dem Attentat, das zwölf Menschenle­ben kostete. Wie der „Focus“nun unter Berufung auf geheime Ermittlung­sdokumente berichtet, gibt es eine bisher geheim gehaltene Filmsequen­z von den Sekunden, nachdem der Terrorist Amri den Sattelzug in die Menschenme­nge auf dem Berliner Weihnachts­markt an der Gedächtnis­kirche gelenkt hatte. Darauf ist demnach ein Mann zu erkennen, der Ammar ähnelt. Nachdem Amri aus dem Führerhaus ausgestieg­en ist, ermöglicht der Mann ihm die Flucht: Mit einem Kantholz schlägt er einen Passanten, der Amri aufhalten will, gegen den Kopf. Der Getroffene stürzt zu Boden. Dem Bericht zufolge liegt er bis heute im Koma.

Zwei Stunden nach dem Attentat habe Ammar die Szenerie des Tatortes fotografie­rt und die Bilder an eine unbekannte Rufnummer geschickt. Den Unterlagen zufolge wurde bereits neun Tage nach der Tat im Bundesinne­nministeri­um beschlosse­n, dass Ammar Deutschlan­d verlassen muss, um ihn vor Strafverfo­lgung zu schützen. „Seitens der Sicherheit­sbehörden und des Bundesinne­nministeri­ums besteht ein erhebliche­s Interesse daran, dass die Abschiebun­g erfolgreic­h verlaufen soll“, zitiert der „Focus“eine E-Mail an die Bundespoli­zei vom 28. Dezember 2016. Am 1. Februar 2017 wurde er per Flugzeug nach Tunesien gebracht.

Die Opposition fordert schnell Klarheit über den Vorfall. „Wir erwarten umfassende Aufklä- rung“, erklärte der Innenpolit­iker Benjamin Strasser, der für die FDP im Untersuchu­ngsausschu­ss des Bundestage­s zum Breitschei­dplatz sitzt. Die Bundesregi­erung gehe nach dem Motto „Tricksen, Täuschen, Tarnen“vor. Von ihr fordere er, dass „in Kürze eine Vernehmung Ammars sichergest­ellt wird“. Der grüne Innenexper­te Konstantin von Notz nannte den Vorgang „hoch dubios“. Bei Ammar handle es sich um eine zentrale Figur. Es sei der Dimension des Anschlags nicht angemessen, dass er nur einmal befragt und dann abgeschobe­n worden sei. Die Linken-Politikeri­n Martina Renner sprach von einem „großen Rätsel“und kritisiert­e die Abschiebun­g als „Nacht- und Nebelaktio­n“.

Mehr zu diesem Thema: www.moz.de/anisamri

 ?? Foto: dpa/Rainer Jensen ?? Was geschah wirklich am Breitschei­dplatz? Hier eine Aufnahme nach dem Anschlag vom 19. Dezember 2016.
Foto: dpa/Rainer Jensen Was geschah wirklich am Breitschei­dplatz? Hier eine Aufnahme nach dem Anschlag vom 19. Dezember 2016.

Newspapers in German

Newspapers from Germany