Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Gemeinsam gegen Uber

Daimler und BMW starten Aufbau von Mobilitäts­dienst / Hauptsitz ist in Berlin / Weltweit entstehen 1000 neue Arbeitsplä­tze

- Von Dorothee torebko

Berlin. Eigentlich sind sie Konkurrent­en, doch jetzt machen sie gemeinsame Sache: Die Autoherste­ller Daimler und BMW bieten ab sofort gemeinsame Mobilitäts­dienstleis­tungen an. Damit wollen sie weltweiter Marktführe­r für Carsharing und weitere Mobilitäts­konzepte werden. Dafür legen die Luxusautoh­ersteller bestehende Angebote zusammen und investiere­n eine Milliarde Euro. Hinter der Initiative mit Hauptsitz in Berlin steckt ein weitreiche­nder Plan.

„Wir wollen stark werden und schnell wachsen. Der Himmel ist die Grenze“, sagte BMW-Chef Harald Krüger bei der Vorstellun­g des Konzepts am Freitag in Berlin. „Das heißt nicht, dass wir im Premiumsek­tor nicht weiter Konkurrent­en sind“, betonte Daimler-Boss Dieter Zetsche. „Doch wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam erfolgreic­h global handeln können“, führte er aus. Das Konzept sieht fünf Gemeinscha­ftsunterne­hmen vor. Die Bereiche teilen sich auf in Carsharing-Angebote (Share Now), die Suche nach Parkplätze­n (Park Now), den Bau von Ladestatio­nen für E-Autos (Charge Now), die Reiseplanu­ng über eine Plattform (Reach Now) und die Vermittlun­g von Mitfahrdie­nsten wie Mytaxi (Free Now).

Mit dem Zusammensc­hluss reagieren die Autoherste­ller auf die wachsende Konkurrenz auf dem Mobilitäts­sektor. Unternehme­n wie die umstritten­e US-Firma Uber drängen auf den Markt und betreiben aggressive Lobby-Arbeit. Mit der Änderung des Personenbe­förderungs­gesetzes, die Bundesverk­ehrsminist­er Andreas Scheuer (CSU) anstrebt, wird der deutsche Markt für Carpooling­und Sharing-Unternehme­n zudem attraktive­r. Das Ziel von Zetsche und Krüger ist es, nicht mehr nur Autoverkäu­fer zu sein, sondern Mobilitäts­dienstleis­ter. Also auch E-Scooter zu verleihen, an der Vermietung von Parkplätze­n zu verdienen und Ladesäulen für E-Autos aufzustell­en.

Doch hinter der Idee steckt noch viel mehr: Zum einen wollen die Hersteller den Markt für E-Autos, der derzeit kaum nachgefrag­t wird, allerdings als Zukunftsse­ktor gilt, ankurbeln. Viel wichtiger sind aber, so sagen Mobilitäts­experten, die Daten der Kunden, die bei der Nutzung der gemeinsame­n Apps angehäuft werden. Immer wenn Passagiere per App eine Fahrt mit einem Sharing-Dienst buchen oder sich ans Steuer setzen, entstehen Daten. Sie sind wie eine Währung, die für Firmen wie Google interessan­t sind und kommerziel­l genutzt werden können.

Und die Daten könnten in Zukunft noch mehr werden, denn selbstfahr­ende Flotten sind laut Zetsche und Krüger das Ziel. Autonome Fahrzeuge sollen sich selbststän­dig aufladen, automatisc­h parken und mit anderen Verkehrsmi­tteln vernetzen. Praktisch für den Kunden und profitabel für die Firmen. Deshalb fordern TÜV und Dekra seit langem einen Treuhänder für die Daten – bisher ist aber noch nichts passiert.

„Wir wollen stark werden und schnell wachsen. Der Himmel ist die Grenze.“

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Foto:BWM AG Kooperatio­n: Die Chefs von BMW und Mercedes, Harald Krüger (links) und Dieter Zetsche, stellten Mobilitäts­dienst vor.

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