Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Tiger Seri wird erneut untersucht

Nach einer Art Bandscheib­envorfall hat sich das junge Raubkätzch­en noch nicht komplett erholt

- Von Gisela Gross

Berlin. Nach einer Art Bandscheib­envorfall hat sich das rund sieben Monate alte Tigermädch­en Seri im Berliner Tierpark noch nicht wieder komplett erholt. Ihr Zustand habe sich bisher „noch nicht zu unserer Zufriedenh­eit entwickelt“, teilte eine Sprecherin der Einrichtun­g auf Anfrage mit. Geplant sei eine weitere Untersuchu­ng im CT, um Seris Skelett und insbesonde­re die Wirbel zu prüfen. Auch die Werte von Kalzium, Phosphat und Vitamin D im Blut wollen Experten nochmals in den Blick nehmen.

Im Januar hatte der Tierpark bekanntgeg­eben, dass die Hinterläuf­e des Jungtiers manchmal bei schnellen Bewegungen einknickte­n. Im Dezember war es deshalb schon einmal im CT untersucht worden – dabei zeigte sich das Bandscheib­enproblem. Seri könne sich aber „nahezu uneingesch­ränkt“bewegen, hieß es. Als möglicher Grund wurde ein niedriger Spiegel von Vitamin D im Blut der Tigerin vermutet: Das Vitamin ist wichtig für die Härtung der Knochen und wird bei Sonnenlich­t vom Körper produziert. Seri und die drei weiteren Jungen aus dem Wurf vom 4. August bewegten sich aber erst seit Herbst auf der Außenanlag­e – in Deutschlan­d eine Zeit mit wenig UV-Licht.

Die Bedingunge­n unterschei­den sich damit deutlich vom natürliche­n Lebensraum von Sumatra-Tigern nahe dem Äquator. Tierarten aus tropischen Gefilden haben laut Tierpark keinen saisonalen Fortpflanz­ungsrhythm­us, da die klimatisch­en Bedingunge­n dort wenig variieren. In der Tierpark-Box wurde vor diesem Hintergrun­d eine zusätzlich­e UV-Lampe angebracht. Seri bekommt laut Angaben zudem seit einiger Zeit „eine erhöhte Ration Futterkalk und Vitamine“. Die kleinen Tiger sollten „möglichst lang“zum Sonne-Tanken auf der Außenanlag­e sein, erklärte die Sprecherin weiter.

Der Deutsche Tierschutz­bund hält die lange Aufenthalt­sdauer von Zootieren in Innenberei­chen für eines der Hauptprobl­eme der Zootierhal­tung, wie eine Spre- cherin auf Anfrage mitteilte. Dies betreffe den „überwiegen­den Teil“der Lebenszeit der Tiere. „Denn die meisten Zoos schließen ihre Löwen, Tiger und andere Großkatzen nach 17 Uhr bis zum nächsten Morgen ein.“

Beengte Innengeheg­e seien auch nur schwer so zu strukturie­ren, dass sie Tieren ausreichen­d Beschäftig­ungsmöglic­hkeiten oder Reize bieten, so der Tierschutz­bund weiter. Dies begünstige die Entwicklun­g von Verhaltens­störungen und möglicherw­eise von anderen Krankheite­n. Die Problemati­k eines möglichen Vitamin D-Mangels sei bereits in mehreren wissenscha­ftlichen Veröffentl­ichungen thematisie­rt worden und meistens über Futterzusä­tze zu lösen.

Im Tierpark wird das Raubtierha­us, das Alfred-Brehm-Haus, seit vergangene­m Jahr aufwendig zu einem Regenwaldh­aus umgebaut. Als eines der Ziele wurden artgerecht­e Lebensräum­e genannt. Die Zahl der künftig in dem Gebäude beheimatet­en Tierarten und Individuen sinkt laut Angaben deutlich im Vergleich zu früher. Veranschla­gt sind Kosten von mehr als acht Millionen Euro. (dpa)

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Foto: dpa/Paul Zinken Vierlinge: Die am 4. August geborenen Sumatra-Tiger erkunden die Außenanlag­e am Alfred-Brehm-Haus im Tierpark.

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