Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

„Wichtig ist gegenseiti­ger Respekt“

Mit erst 29 Jahren ist Carmen Bier Chefin des Helios-Klinikums Bad Saarow / Im Interview erzählt sie, wie sie 1200 Mitarbeite­r führen will

- Bernhard Schwiete

Seit Anfang Februar ist Carmen Bier Geschäftsf­ührerin des Helios-Klinikums Bad Saarow. Mit erst 29 Jahren ist sie Chefin von rund 1200 Mitarbeite­rn, vom Pflegepers­onal bis zu den Chefärzten. sprach mit der gebürtigen Templineri­n darüber, wie sie ihre neuen Aufgaben angeht.

Frau Bier, wie oft haben sie sich auf den vielen Gängen auf dem weitläufig­en Klinikgelä­nde schon verlaufen?

Noch gar nicht. Das Haus ist logisch aufgebaut, und ich kannte es schon aus meiner sechsmonat­igen Zeit hier als Trainee im Jahr 2013. Ich verwechsle aber manchmal noch, welche Farbe zu welcher Fachabteil­ung gehört und die Buchstaben­zuordnunge­n der einzelnen Häuser.

Was haben Sie in Ihren ersten Wochen als Geschäftsf­ührerin gemacht?

Mit meiner Vorgängeri­n Julia Disselborg habe ich eine Themenüber­gabe gemacht. Ich habe mich den Chefärzten vorgestell­t und war auf allen Stationen. Außerdem habe ich einen halben Tag in der Endoskopie hospitiert. Dabei haben mir die dortigen Schwestern ganz viel erklärt. Auch im OP-Bereich war ich schon.

Welchen Zweck haben solche Besuche?

So erhalte ich einen Einblick in unseren Alltag. Ich will wissen, wie sich unsere Mitarbeite­r fühlen und Stresssitu­ationen sehen. Ich bekomme ein Gespür für das Teamgefüge und kann Probleme erkennen. Außerdem möchte ich in allen Themen drin sein. Demnächst hospitiere ich noch in der Intensiv- und auf einer Normalstat­ion.

Als Geschäftsf­ührerin sind Sie die Chefin von rund 1200 Mitarbeite­rn. Kann man eine solche Zahl Menschen überhaupt jemals kennenlern­en?

Natürlich wird man nie jeden mit Namen kennen. Aber ich kann ganz gut Gesichter zuordnen. Außerdem will ich nicht nur am Anfang viel im Haus unterwegs sein. Meine Mitarbeite­r können über alle Themen mit mir reden. Ich will eine OffeneTür-Politik betreiben. Natürlich ist der Alltag auch viel durchgetak­tet. Aber ich versuche, trotzdem immer ansprechba­r zu sein. Sie führen auch eine stattliche Zahl von Chefärzten, die teilweise doppelt so alt sind wie Sie. Wie setzt man sich da bei Bedarf durch?

Das ist keine Frage des Alters. Wichtig ist gegenseiti­ger Respekt, allen Berufsgrup­pen gegenüber. Man muss die Kompetenze­n des anderen anerkennen und wertschätz­en. Und man muss verbindlic­h sein und sich an das halten, was man besprochen hat. Manchmal geht es auch nur darum, gut zuzuhören. Von der Erfahrung der Chefärzte, die die Klinik und deren Strukturen lange kennen, kann ich auch profitiere­n.

Bad Saarow ist Ihre erste Station als Geschäftsf­ührerin. Wie sind Sie auf die Aufgaben, die Sie nun haben, vorbereite­t worden?

Ich bin nach meinem Studium der Volkswirts­chaftslehr­e in das Management-Trainee-Programm von Helios aufgenomme­n worden. Ich habe sechs Jahre lang eine Top-Ausbildung im Konzern genossen und Kliniken in unterschie­dlichen Größen und Bundesländ­ern kennengele­rnt. Dabei habe ich peu à peu mehr Führungsau­fgaben übernommen. Zuletzt war ich kaufmännis­che Leiterin eines Krankenhau­ses von Helios in München.

Ihre Vorgänger als Geschäftsf­ührer sind teilweise schon nach sehr kurzer Zeit an andere Stationen bei Helios weitergezo­gen. Wie lange gedenken Sie, in Bad Saarow zu bleiben?

Ich bin in Brandenbur­g geboren, Bad Saarow ist für mich auch eine Heimkehr zu meinen Wurzeln, auch zu meinen berufliche­n. Ich will hier einen guten Job machen und auch eine Weile bleiben. Auch dem Haus tut es gut, wenn die Position auf längere Zeit besetzt ist. Aber ich stehe nicht kurz vor der Rente, dementspre­chend werde ich sicherlich nicht für immer hier bleiben.

 ?? Foto: Helios-Klinikum/Thomas Oberländer ?? Startet beruflich durch: Klinik-Geschäftsf­ührerin Carmen Bier.
Foto: Helios-Klinikum/Thomas Oberländer Startet beruflich durch: Klinik-Geschäftsf­ührerin Carmen Bier.

Newspapers in German

Newspapers from Germany