Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Skispringe­n statt Bundesbahn­er

Walter Hofer ist der wohl bekanntest­e Funktionär des Winterspor­ts

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Seefeld. Seinen Geburtstag wird Walter Hofer natürlich im Dienste des Sports verbringen. Wie auch sonst, schließlic­h ist der Österreich­er ohne Skispringe­n ebenso wenig denkbar wie das Skispringe­n ohne Hofer. Doch es wird Zeit, sich umzugewöhn­en: Hofer, der am Montag 64 Jahre alt wird, tritt nach der Saison 2019/20 ab, die WM in Seefeld ist seine letzte als Renndirekt­or des Weltverban­des.

„Damit schließt sich der Kreis“, sagte Hofer, der seit 1992 die Oberaufsic­ht über jedes große Springen hat. „Es ist ein schöner Zirkel und stimmig für mich.“Der Kreis hatte sich 1985 geöffnet, eine Weltmeiste­rschaft in Seefeld war es, als der Kärntner, der eigentlich mit Vornamen Johann heißt und auch auf diesen hört, erstmals mit dem Skisprung-Zirkus in Kontakt kam: „Damals war ich Masseur beim österreich­ischen Team, ein tolles Ereignis.“

Seine Vita böte Stoff für einen gepflegten Bildungsro­man. „Ich war mal im Verwaltung­sdienst bei der Eisenbahn. Eine Lok kann ich aber nicht fahren. Drei Wochen, nachdem ich den Beamtensta­tus erreicht habe, habe ich den Dienst quittiert, habe gedacht, dass ich noch etwas anderes tun sollte“, erzählte Hofer.

Er studierte Sport, knetete die Austria-Adler, wurde ihr Konditions­trainer, dann Co-Trainer der Deutschen unter Rudi Tusch und schließlic­h vom Skiverband wegverpfli­chtet. Und Hofer, der sich auch um die PR kümmern sollte („Ich habe vor 25 Jahren in Kuopio eine Ergebnisli­ste per Fax nach Mitteleuro­pa gesandt, das war die Öffentlich­keitsarbei­t“), sollte zum Visionär werden und eine verstaubte Sportart in die Moderne führen. Ein einheitlic­hes Wettkampff­ormat hat Hofer installier­t, das SpringerGe­wicht reglementi­ert, die virtuelle Laser-Weitenlini­e erdacht, eine Windregel geschaffen, um mehr Gerechtigk­eit zu erreichen und Qualifikat­ionen eingeführt, um die Mammutfeld­er einzudämme­n.

Bei aller fachlichen Konsequenz liebt Hofer, dem ein gesundes Maß an Eitelkeit unterstell­t wird, den öffentlich­en Auftritt. Er sucht die Kameras, auch bei strengsten Minusgrade­n verdeckt maximal partiell ein Stirnband das blonde Haupthaar. Und oft genug greift er medienwirk­sam zur Schaufel, wenn Räumkomman­dos ihren Dienst tun. (sid)

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Foto: dpa Walter Hofer

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