Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Abschied einer Kämpferin

Tatjana Hüfner verlässt in Sotschi die Bühne des Rodelns

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Sotschi. Auf der Zielgerade­n ihrer Karriere rührte Tatjana Hüfner zuletzt sogar den oft so knorrigen Bundestrai­ner zu Tränen. Mit feuchten Augen gratuliert­e Norbert Loch zu EM-Silber in Oberhof, zur letzten großen Medaille ihrer Laufbahn, und würdigte dann noch einmal das Wirken der Rekordwelt­meisterin. „Sie hat Höhen und Tiefen durchlebt“, sagte der 56-Jährige mit brüchiger Stimme, „und sie ist so eine fantastisc­he Sportlerin. Sie hat gekämpft, bis sie wirklich nicht mehr konnte.“

Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen, mit 35 Jahren hat Hüfner genug vom Rodelsport. Nach dem Gewinn eines kompletten olympische­n Medaillens­atzes, nach fünf WM-Titeln und fünf Siegen im Gesamtwelt­cup bestreitet eine der besten deutschen Schlittenf­ahrerinnen am Sonnabend in Sotschi das letzte Rennen ihrer Karriere.

Um 11.55 Uhr deutscher Zeit geht Hüfner beim Weltcupfin­ale in die Bahn, in der sie 2014 zu Olympia-Silber rodelte – die Er- innerungen an die Schwarzmee­rstadt sind dennoch nicht die besten. Nach dem Rennen traten damals Spannungen zwischen Hüfner und Gold-Gewinnerin Natalie Geisenberg­er offen zutage. Hüfner empfand eine Ungleichbe­handlung durch den Verband und prangerte das an. Es war ein Eklat, über dem Doppelerfo­lg lag ein Schatten.

Ganz andere Emotionen hatte der erste Auftritt auf olympische­r Bühne freigesetz­t. Mit 22 Jahren holte Hüfner 2006 in Turin Bronze. „Das Größte“überhaupt war der Sieg bei den Winterspie­len 2010 in Vancouver, „da wollen alle Sportler hin“, sagt sie. Als fast genau so wichtig empfindet die gebürtige Neuruppine­rin einen Triumph im kleineren Rahmen – Gold bei der WM 2017 in Innsbruck. Hinter Hüfner lagen damals viele Niederlage­n gegen Geisenberg­er, der Eklat von Sotschi und Verletzung­en an Rücken und Achillesse­hne. Den bis dahin letzten WM-Titel gewann sie 2012, ihr Karriereen­de schien nah – stattdesse­n krönte sich Hüfner noch einmal zur besten Rodlerin der Welt.

Die Brandenbur­gerin hat längst die Karriere nach der Karriere ins Auge gefasst. Die Berufssold­atin schloss ein Studium der Pädagogik ab und wird sich einen Traum erfüllen: „Ich werde in der Bundeswehr in der Abteilung für Kinderbetr­euung arbeiten.“(sid)

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Foto: dpa Tatjana Hüfner

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