Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Olympische Spiele in Tokio als Antrieb fürs Weitermach­en

Nach einer beispiello­sen Sturzserie und mehr als halbjährig­er Zwangspaus­e greift die Forsterin Romy Kasper wieder ins Radsportge­schehen ein

- Von thomas JUschUs

Forst. Das Comeback war vielverspr­echend. Gleich zu Jahresbegi­nn stand Romy Kasper bei den „Bay Crits“in Australien auf der 3. Etappe als Dritte auf dem Podium. Wichtiger aber noch: Die folgende „Tour Down Under“beendete die 30-Jährige sturzfrei. „Es war ein ganz spezielles Gefühl, mit ein bisschen mehr Aufregung als sonst“, erinnert sich Kasper. Nach einer Serie von schweren Stürzen in 2017 und 2018 hatte die Forsterin zuvor mehr als ein halbes Jahr pausieren müssen.

Bei der Bahn-EM 2017 in Berlin hatte die Sturzserie begonnen. Doppelter Rippenbruc­h und Lungenquet­schung lautete die Diagnose nach dem Sturz im Scratch-Rennen. Gerade wieder auf dem Rad stürzte Kasper zu Beginn 2018 bei den Sixdays in Berlin erneut: wieder ein doppelter Rippenbruc­h. Es folgte ein Schlüsselb­einbruch beim Frühjahrs-Klassiker „Dwaars Door Vlanderen“im März. Die „krasse Serie“(Kasper) setzte sich fort bei der „Tour of Britain“im Juni. Nachdem eine Einblutung hinter dem rechten Auge diagnostiz­iert wurde, entschloss sich Kasper zu einer längeren Pause.

„Jetzt geht es mir wieder gut, auch mental“, sagt Kasper. Ans Aufhören habe sie nie gedacht – obwohl es im Umfeld viele Stimmen in diese Richtung gegeben habe. „Für mich war es aber nie wirklich ein Thema gewesen“, sagt die Olympia-Teilnehmer­in von 2016. Angetriebe­n habe sie eine zweite Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio. „Ich habe an Rio 2016 so viele schöne Erinnerung­en – angefangen von der Einkleidun­g bis zur Abschlussf­eier. Das möchte ich gern nochmals erleben.“

Die Sturzserie ist abgehakt, die letzten Einschränk­ungen in der der Sicht („Ich sehe in einem bestimmten Winkel doppelt“) werden mit Neuro-Physiother­apie behandelt und behindern schon lange nicht mehr beim Radrennen. Inzwischen kann Kasper der Zwangspaus­e sogar Positives abgewinnen: „Ich hatte eine Erholungsp­hase für den Körper und kann jetzt die eineinhalb Jahre bis Tokio voll in Angriff nehmen“, sagt Kasper, die in Leipzig gerade ihren Master in Sportwisse­nschaften macht.

Aufgrund der Sturzserie und ausbleiben­der Leistungsn­achweise verlor sie 2018 nach sechs Jahren ihren Platz in der Sportförde­rkompanie der Bundeswehr. „Einige Sponsoren hel- fen mir, ich kriege es bis Tokio gestemmt“, sagt Kasper trotzig, die immerhin auf die Unterstütz­ung ihres Teams „Ale Cipollini“bauen konnte. Die Italiener verlängert­en sogar während der Zwangspaus­e den auslaufend­en Vertrag. „Da hatte ich großen Rückhalt“, sagt Kasper, die sich zurzeit mit Freude auf die Frühjahrsk­lassiker vorbereite­t. „Das sind Rennen, die mir liegen“, sagt Kasper, deren Planung zunächst bis zur Flandern-Rundfahrt läuft.

Gewonnen hat Romy Kasper in ihrer Zwangspaus­e eine neue Lockerheit. „Ich habe verstanden, dass ich niemand mehr etwas beweisen muss. Ich genieße den Radsport jetzt viel mehr, nehme alles gelassener“, sagt Romy Kasper und ergänzt: „Ich sehe mich für Tokio 2020 auf einem guten Weg.“

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Foto: dpa/Jens Büttner Sitzt wieder im Sattel: Romy Kasper aus Forst

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