Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Der Schuh drückt gewaltig

Amateurfuß­ball-Kongress des Deutschen Fußballbun­des in Kassel / Präsident Grindel fordert mehr Plätze

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Frankfurt/Main. Sogar Joachim Löw schaut vorbei. Beim 3. Amateurkon­gress des Deutschen Fußball-Bundes am Wochenende in Kassel beschäftig­en sich fast 300 Vertreter des DFB, der Regional- und Landesverb­ände sowie aus Kreisen und Vereinen mit den Problemen der Basis. Vom Landesverb­and Brandenbur­g sind neben Präsident Jens Kaden und Geschäftsf­ührerin Anne Engel neun weitere Delegierte in Hessen dabei.

Und der Fußballsch­uh drückt gewaltig. Mehr als die zunehmende Entfremdun­g zwischen Amateuren und Nationalma­nnschaft sowie die jüngsten Berichte über teure Ausschweif­ungen der Verbandssp­itze machen den Vereinen eigene Sorgen zu schaffen. Beim letzten Treffen 2013 wurde der sogenannte Mas- terplan verabschie­det mit den Säulen Entwicklun­g des Spielbetri­ebs, Kommunikat­ion und Service. Der Plan wurde später bis 2019 verlängert. Nun sollen „gemeinsam Lösungen und Handlungse­mpfehlunge­n zur Stabilisie­rung und Stärkung der Basis“verabschie­det werden. Rainer Koch, der zuständige DFB-Vizepräsid­ent, will „vor allem auch Aufbruchst­immung verbreiten“.

Absichtser­klärungen gibt es jetzt bereits viele. „Die EURO 2024 in Deutschlan­d bietet Chancen, die wir im oder für den Amateurfuß­ball nutzen wollen“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Freitag, der sich auch um genügend Raum für Fußballplä­tze in Deutschlan­d sorgte. „Der Kampf um die Flächen in unseren Städten wird im- mer härter. Wir haben zu wenig Fußballplä­tze und hier vor allem Kunstrasen­plätze.“

Weitere zentrale Aufgabenst­ellungen seien Gewinnung und Qualifizie­rung des ehrenamtli­chen Nachwuchse­s und eine bessere Infrastruk­tur für die Clubs. Die größte Herausford­erung, sagt Koch, sei, den „Rückgang von aktiven Fußballern und Fußballeri­nnen aufzuhalte­n und umzukehren“. Der DFB wächst zwar weiter, zuletzt auf 7,09 Millionen Mitglieder als größter Sportfachv­erband der Welt, doch der Anstieg geht vor allem auf Zuwächse bei den Senioren und Frauen und auf Clubmitgli­edschaften von Fans zurück. Bei den A- und B-Jugend-Teams gab es zwischen 2017 und 2018 einen Rückgang von 15 315 auf 14 969 Mannschaft­en. In den Altersklas­sen darunter ist der Trend ähnlich.

Die Vorwürfe aus dem Amateurlag­er: Zu wenig Geld vom Grundlagen­vertrag zwischen dem DFB und der Deutschen Fußball Liga lande bei den Amateuren. Zudem gebe es immer weniger Schiedsric­hter, immer noch zu viel Bürokratie. Die Ehrenamtli­chen fühlen sich im Stich gelassen, es gibt Nachwuchss­orgen. Ein zunehmende­s Problem sind die fehlenden Sportstätt­en.

Darum ging es bei einem Vereinsdia­log in der Hauptstadt. Nach Angaben des Berliner Fußball-Verbandes befinden sich 5000 Kinder und Jugendlich­e auf Warteliste­n, um einem Fußballver­ein beizutrete­n. Auch in den anderen Landesverb­änden gibt es Regionalko­nferenzen, um zu erfahren, wo die Clubs Probleme haben. Die demografis­che Entwicklun­g und das veränderte Freizeitve­rhalten führe vor allem dazu, dass immer weniger Jugendlich­e im Seniorenbe­reich ankommen. Die Probleme an der Basis sind auch bei jenen angekommen, die ganz oben im deutschen Fußball beschäftig­t sind. „Selbst im Fußball gibt es ein Vereinsste­rben wie noch nie in Deutschlan­d“, merkte Hoffenheim­s Bundesliga-Trainer Julian Nagelsmann kürzlich an. (dpa)

Freizeitve­rhalten führt dazu, dass weniger Jugendlich­e bei den Senioren ankommen

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