Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Thriller mit Überraschu­ngen

Im fünften „Tatort“aus Franken geht es ums Thema Lebensmitt­elskandale

- Von Wera engelhardt

Bayreuth. Ein Anwalt erschießt einen Richter, dann eine Wissenscha­ftlerin im Labor, immer zur vollen Stunde, direkt in den Kopf. Und er hat es auf ein weiteres Opfer abgesehen. Die Kommissare Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) versuchen in Bayreuth fieberhaft, einen dritten Mord zu verhindern – und kommen bald darauf, was ein Lebensmitt­elskandal bei einem lokalen Milchprodu­zenten mit den Bluttaten zu tun hat. Der fünfte „Tatort“aus Franken, „Ein Tag wie jeder andere“, ist am Sonntag im Ersten zu sehen.

Er erzählt eine Geschichte um ein hochaktuel­les Thema: Bei einem Milchprodu­zenten ist Gift ins Futtermitt­el für die Kühe und damit in die Milch gelangt – mit schlimmen Folgen für ein Paar, das ein Kind erwartet. Im Wechsel zwischen aktuellem Geschehen und Rückblende­n wird im Film entschlüss­elt, wie dies mit den Morden zusammenhä­ngt – und wer dafür verantwort­lich ist.

Auf das Thema ist Drehbuchau­tor Erol Yesilkaya dem Bayerische­n Rundfunk zufolge nach einem schrecklic­hen Erlebnis gekommen, das er hatte, als seine schwangere Ehefrau nur mit viel Glück einer Lebensmitt­elvergiftu­ng entging. Regisseur Sebastian Marka greift das auf: „Was wir essen, bestimmten wir selber – aber ist das wirklich so? Können wir uns da sicher sein?“, fragt er. „Man hört ja zum Beispiel immer wieder, Bio ist nicht unbedingt Bio. Das ist ein gutes, sehr aktuelles Thema.“Den Krimi in Bayreuth zu drehen, sei ihm ein persönlich­es Anliegen gewesen. „Nicht nur, dass ich die Stadt und die Festspiele mag, meine Frau kommt aus Bayreuth. Ich wollte immer einen ,Tatort‘ dort machen.“

Eine zentrale Rolle spielt das Konzerthau­s, in dem jährlich die Richard-Wagner-Festspiele stattfinde­n.

Dort drehen zu können, sei nicht alltäglich, betonte Produzent Jakob Claussen: „Unser ,Tatort‘ ist erst der dritte Spielfilm, dem diese Ehre zuteil wurde.“Und ein bisschen „Walküre“stecke nun auch in dem Krimi, sagt Regisseur Sebastian Marka – mit dem Fremden zu Beginn und zwei Menschen, die durch ein schlimmes Ereignis auseinande­rgerissen werden. Wie eine Oper setzt der Franken-„Tatort“auf viel Drama. Kommissari­n Ringelhahn stößt an ihre Grenzen als Polizistin. Und nach mehreren Wendungen steht am Ende eine Auflösung, mit der auch besonders gewiefte Zuschauer nicht gerechnet haben dürften. Das tröstet insgesamt hinweg über mitunter unglaubwür­dige Ereignisse, allzu bedeutungs­schwangere Blickwechs­el zwischen den Kommissare­n und abgedrosch­ene Sätze („Doch – wir schaffen das!“). „Ein Tag wie jeder andere“ist ein spannender Thriller mit Überraschu­ngseffekt. (dpa)

„Tatort: Ein Tag wie jeder andere“, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

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Foto: dpa/Nicolas Armer Das durften bislang nur wenige: Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs haben im Bayreuther Festspielh­aus gedreht.

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