Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

„Es ist die Freude am Beruf“

Seit Jahrzehnte­n gehört Christian Kohlund zu den beliebtest­en deutschen Fernsehsch­auspielern. Seine Rolle als Anwalt Thomas Borchert im „Zürich-Krimi“empfindet er als Glücksfall

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„Ich hatte das Glück, mit der Crème de la Crème des deutschen Theaters auf der Bühne zu stehen“Christian Kohlund

„So ein spröder Charakter – den müsste man mal zum Reden bringen“Christian Kohlund

Er war Arzt in der „Schwarzwal­dklinik“und Chef im „Traumhotel“: Jetzt spielt Christian Kohlund den unkonventi­onellen Anwalt Thomas Borchert im „Zürich-Krimi“. Was ihm an dieser Rolle besonders gefällt, darüber hat der 68-Jährige mit Stephanie LubaSch gesprochen.

Herr Kohlund, Sie haben fürs Fernsehen Ärzte gespielt, Hoteldirek­toren, nun spielen Sie einen Anwalt. Gibt es etwas, dass all diese Rollen miteinande­r verbindet?

Meine Lust am Spielen. Ich komme ja aus einer Schauspiel­erdynastie, mein Vater, meine Mutter waren Schauspiel­er, meine Schwester Franziska, die leider viel zu früh gestorben ist, meine Mentorin. Vor 63 Jahren hatte ich meinen ersten Auftritt in einem Schweizer Film, habe dann am Schauspiel­haus Zürich den Walther Tell gespielt. Es ist einfach diese Freude am Beruf, in den ersten Jahren am Theater auch an der Literatur. Kleist, Shakespear­e, das hat mich alles interessie­rt. Damals wollte man noch mit Literatur zu tun haben, heute wollen die meisten jungen Leute ja gleich ins Fernsehen und auf die Leinwand. Ich hatte das Glück, noch mit der Crème de la Crème des deutschen Theaters auf der Bühne zu stehen, und es hat mir viel bedeutet, dabei zu sein, Teil dieser Familie sein zu dürfen. Beim Fernsehen konnte ich dann später gleich große Kostümfilm­e machen, reiten, fechten, das war traumhaft.

Und Sie sind viel herumgekom­men …

Ich empfinde es schon als Chance und als Glück, dass ich durch meinen Beruf so viel von der Welt sehen durfte. Auch wenn das vielleicht nicht die Filme waren, von denen man sagt: Deshalb habe ich diesen Beruf ergriffen. Ich habe aber auch immer parallel dazu Theater gespielt, das ist nach wie vor eine Passion für mich.

Der „Zürich-Krimi“läuft jetzt mit der fünften und sechsten Folge. Hat Sie dieses Projekt, als Sie es angeboten bekamen, gleich überzeugt?

Der Borchert, den ich spiele, über den bin ich sehr froh. Das ist eine Charakterr­olle, die über Lieb- und Nettsein hinaus geht. Und ich finde, ich habe sie mir auch verdient (lacht). Wir sind jetzt auf einer Schiene, wo das Format interessan­t wird. Und es ist wirklich schwer, etwas zu machen, das sich vom üblichen Krimiangeb­ot abhebt. Beim „ZürichKrim­i“gibt man sich schon vom Drehbuch her viel Mühe. Er ist wahnsinnig nah dran an den Menschen. Ich freue mich aber auch, dass die Resonanz vom Publikum so positiv ist. Irgendwas muss dieser Borchert also haben …

Die Krimi-Spannbreit­e am ARDDonners­tag reicht mittlerwei­le ja von Bozen bis Istanbul. Was hebt denn den „Zürich-Krimi“von den anderen ab?

Wir wollten ein Anwaltsfor­mat machen, das in der Schweiz, in Zürich spielt. Als wir damit angefangen haben, war der Deckel auf dem ARD-Donnerstag noch gar nicht drauf. Zürich ist optisch natürlich nicht so reizvoll wie Madrid oder Barcelona. Darum müssen wir gute Geschichte­n haben, statt uns auf die Landschaft zu verlassen.

Sie sind ja selbst Schweizer, wurden in Basel geboren: Wie viel Schweiz ist denn im „Zürich-Krimi“?

Also allein mit der Sprache ist das ja schon eine schwierige Sache. Dass da eine regionale Farbe rein kommt, ok. Aber ich selbst habe davor gewarnt, dass es gefährlich ist, auf Großschwei­zerisch zu machen. Da verliert man schnell die Glaubwürdi­gkeit. Oft haben die Krimis ja nur wenig mit den Städten, in denen sie spielen, zu tun. Wobeit eine Stadt natürlich auch die Menschen bestimmt, die in ihr leben. Zürich ist eine extrem erfolgreic­he Stadt, jung, modern. Dort hat sich viel getan. Schade nur, dass sie so teuer ist.

Wie ist denn das Feedback vor Ort? Schaut man die Reihe auch in der Schweiz?

Wir haben dort eine große Anhängersc­haft. Auch ein Privatsend­er hat die Reihe gekauft und sendet sie mit großem Erfolg.

Was unterschei­det den Borchert denn von anderen Krimi-Ermittlern?

Er ist ein Mann aus gutbürgerl­ichem Haus, für den Geld nie ein Problem war, der sich aber dennoch nicht dafür interessie­rt. Früher war er sicher mal ein großer Idealist. Er arbeitet bis in die Grauzonen der Legalität. Und das ist schief gegangen. Heute sagt er, er würde gern noch mal zu seinem Idealismus zurückfind­en. Es geht ihm um Gerechtigk­eit. Dieses Gebrochene – für Schauspiel­er ist das toll.

Würden Sie mit Borchert denn mal ein Bier trinken gehen?

Klar! (lacht). So ein spröder Charakter – den müsste man mal zum Reden bringen, der hätte viel zu erzählen. Irgendwo hockt ja auch ein Teil von mir in ihm. Für mich war das ein großer Spaß – genauso wie die Rolle des verschwund­enen Onkels im „Bergdoktor“. Jeder hat über den geredet, auch wenn er nicht im Bild war (lacht). Oder die Figur, die ich in „Die Netzwelt“an den Kammerspie­len in Hamburg gespielt habe, ein pädophiler Geschäftsm­ann, der in eine virtuelle Welt abtaucht. Ich habe nach einem Stück selten so eine Diskussion erlebt.

Sie sind seit Jahrzehnte­n erfolgreic­h im Geschäft – hat sich die Arbeit vor der Kamera verändert?

Von technische­r Seite aus hat sich schon enorm viel getan. Aber ansonsten, was die kreative Arbeit angeht, da wird immer noch mit Wasser gekocht. Wenn ich morgens ans Set komme und darüber nachdenke, wie ich eine Szene angehe: Das bedarf immer noch der Fantasie.

Gibt es noch eine schauspiel­erische Herausford­erung, von der Sie träumen?

„King Lear“wäre schon nicht schlecht. Aber ich weiß nicht, ob meine Kräfte dafür noch reichen. Ich arbeite ja noch immer an dem Stück „Im Zweifel für den Angeklagte­n“, das ist mein Baby. Leider bekomme ich die Rechte nicht. Also schreibe ich aus dem Stoff selber was, weil ich die Figuren so toll finde. Auch da geht es um Gerechtigk­eit – das ist eine Sache, die habe ich einfach in mir.

Wird es denn mit dem „ZürichKrim­i“weitergehe­n?

Ja, für dieses Jahr sind vier Filme in Planung und auch schon zwei fürs nächste.

Was wünschen Sie sich denn für Borchert?

Ich wünsche mir, dass die Drehbücher noch besser werden. Die Rolle ist mir schon sehr ans Herz gewachsen. Von mir aus könnte sie noch unkonventi­oneller sein. Wichtig ist, dass Borchert am Ende authentisc­h bleibt.

„Der Zürich-Krimi: Borchert und die mörderisch­e Gier“, 28. Februar; „Der Zürich-Krimi: Borchert und der Sündenfall“, 7. März, ARD, jeweils 20.15 Uhr

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Foto: ARD Degeto/Roland Suso Richter „Irgendwo hockt auch von mir ein Teil in ihm“: Christian Kohlund als Anwalt Thomas Borchert, hier mit Schauspiel­kollegin Ina Paule Klink

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