Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Plötzlich Vogelmutte­r

Dank „Jugend forscht“sehen Emil und Rilana ihre Wellensitt­iche mit ganz neuen Augen

- Von Antje Scherer

O b die Vögel wohl in der Tasche versteckt sind? Im Klassen zimmer ist nirgendwo ein Käfig zu sehen. Rilana (12) guckt empört: „Die hab ich doch nicht mitgebrach­t – das wäre für die viel zu stressig!“Dafür zeigt die Sechstkläs­slerin Fotos. Zu sehen sind drei winzige nackte Wesen. Vogelbabys. Und Rilana ist ihre Ersatzmutt­er. Die echte Vogelmutte­r starb zwei Wochen nach dem Schlüpfen der Jungen. Rilana hatte sich schon im Herbst für „Jugend forscht“angemeldet – dass ihr Projekt „Vom Ei zum flugfähige­n Wellensitt­ich“so dramatisch werden würde, hatte sie natürlich nicht geplant. „Es war eine kritische Situation“, sagt sie. Sie hatte nachgelese­n, dass Wellensitt­ich-Väter einspringe­n und sich um die Jungen kümmern – aber meist erst ab der vierten Lebenswoch­e. Peanut, das mit 37Gramm leichteste und und jüngste Vögelchen, hat Rilana mehrmals am Tag mit einer Spritze ohne Nadel gefüttert. Mit Haferflock­en, gemixt mit lauwarmem Wasser. Die Fütterung der Wellensitt­ichbabys Pepsi und Popcorn übernahm der Vogelvater. „Er hat das super gemacht.“Auch Emil (11) beschäftig­t sich seit Wochen intensiv mit Wellensitt­ichen. Eine Stunde lang hat er seinen Vogel Harry jeden Tag beobachtet – und seine Sprache gelernt. „Wenn draußen Vögel auffliegen, dann schreit er“, erzählt der Junge. Vermutlich sei das ein Warnsignal an seine menschlich­e Familie. Wenn er dagegen entspannt sei, „dann plaudert er richtig gerne“. Was Harrys Verhalten und seine Töne bedeuten könnten, hat er in Büchern und im Internet nachgelese­n. Ein Verhalten seines Vogels ist aber sehr ungewöhnli­ch: „Er mag Staubsauge­r!“Auch Harry wird Ende Februar im Wettbewerb nicht persönlich der Jury präsentier­t, „das wäre blöd für ihn, er darf immer frei im Zimmer fliegen.“Stattdesse­n zeigt Emil Filmund Tonaufnahm­en und eine Mappe über sein Projekt. Die Grundschul­e Am Mühlenflie­ß in Frankfurt (Oder) ist eine von ganz wenigen Grundschul­en, die bei „Schüler experiment­ieren“mitmacht. Das ist bei „Jugend forscht“die Kategorie für die Jüngeren bis 14 Jahre. Insgesamt ist das Interesse aber wieder sehr groß: 83 Teilnehmer sind angemeldet. Sie beschäftig­en sich zum Beispiel mit Robotern, die man mit Gedanken kontrollie­ren kann. Der betreuende Lehrer an der Grundschul­e, Robert Volkmann, lobt Rilana und Emil: „So eine Arbeit neben der Schule – das schafft nicht jeder!“

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Fotos: arthurdent / mizar_21984 / Schlierner / Africa Studio (alle stock.adobe), dtv junior, MOZ, Antje Scherer, VRM
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