Ge­richt gibt grü­nes Licht für Ro­dun­gen auf Tes­la-Ge­län­de

Mit Eil­an­trä­gen ver­such­ten Um­welt­schüt­zer, vor­zei­ti­ge Fäl­lun­gen zu ver­hin­dern. In­des wur­den die ers­ten Bäu­me ab­ge­holzt.

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - VORDERSEIT­E - Von Andre­as Wendt und Ul­rich Thies­sen mit dpa

Um­welt­schüt­zer aus Bran­den­burg und Bay­ern ver­such­ten, die vor­zei­ti­gen Ro­dun­gen auf dem Tes­la-Ge­län­de in Grün­hei­de (Oder-Spree) auf ju­ris­ti­schem We­ge zu stop­pen. Wie ein Spre­cher des Ver­wal­tungs­ge­richts Frank­furt (Oder) am Frei­tag be­stä­tig­te, wa­ren am Mor­gen zwei Eil­an­trä­ge von der Grü­nen Li­ga Bran­den­burg und dem Ver­ein für Land­schafts­pfle­ge und Ar­ten­schutz in Bay­ern (VLAB) bei Ge­richt ein­ge­gan­gen, mit de­nen sich noch am glei­chen Tag die zu­stän­di­ge

Kam­mer be­fass­te. Am Abend wur­den die An­trä­ge der bei­den Ver­bän­de zu­rück­ge­wie­sen. Das Ge­richt sieht die er­teil­te Ge­neh­mi­gung auf vor­zei­ti­ge Baum­fäll­ar­bei­ten als recht­mä­ßig an. Ei­ne Be­schwer­de ge­gen den Be­schluss an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg sei zu­läs­sig, hieß es.

Der Ver­ein VLAB be­grün­de­te sein Ve­to ge­gen die Ro­dung da­mit, dass „voll­ende­te Tat­sa­chen ge­schaf­fen wer­den sol­len.“Das Um­welt­mi­nis­te­ri­um hat­te dem US-Kon­zern die vor­zei­ti­ge Er­laub­nis zur Ro­dung er­teilt, ob­wohl das um­welt­recht­li­che Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren noch läuft. Der Bran­den­bur­ger Lan­des­ver­band Na­bu da­ge­gen zeigt sich mo­de­rat. Der Lan­des­vor­sit­zen­de Fried­helm Schmitz-Jersch er­klär­te, sein Ver­band wol­le die Ge­neh­mi­gung für die vor­ge­zo­ge­nen Maß­nah­men prü­fen, se­he das Was­ser­pro­blem aber als ge­löst an. Mit Blick auf die Eil­an­trä­ge sag­te er, die bran­den­bur­gi­schen Um­welt­ver­bän­de sei­en durch­aus in der La­ge, das Vor­ha­ben kri­tisch zu be­glei­ten. Man brau­che an die­ser Stel­le kei­ne Hil­fe aus Bay­ern.

Zur Kri­tik der Um­welt­schüt­zer an dem Pro­jekt be­ton­te ei­ne Tes­la-Spre­che­rin am Frei­tag, der Um­welt­schutz ha­be für Tes­la obers­te Prio­ri­tät. Es wer­de nichts un­ter­nom­men, das in ir­gend­ei­ner Form der Um­welt scha­de, und es wer­de auch wie­der auf­ge­fors­tet. Im Tes­la-Wald wird seit der er­teil­ten Ge­neh­mi­gung im Zwei Schicht-Rhyth­mus ge­ro­det. Am Frei­tag sind die Baum­fäll­ar­bei­ten je­doch um 13 Uhr we­gen ei­ner Bom­ben­ent­schär­fung vor­über­ge­hend ab­ge­bro­chen wor­den.

Kei­ne zwei Mi­nu­ten, dann ist die Kie­fer zer­legt. Stück für Stück ar­bei­tet sich die Ern­te-Ma­schi­ne am Frei­tag im Tes­la-Wald an der L38 vor. Am Abend zu­vor hat­ten die Har­ves­ter los­ge­legt, kurz nach­dem das Land die Fäll­ge­neh­mi­gung zur Vor­be­rei­tung der In­dus­trie­an­sied­lung er­teilt hat­te.

In­ner­halb von zwei Wo­chen sol­len die zu­nächst ge­neh­mig­ten 90 Hekt­ar Wald ge­fällt wer­den, sagt Vi­ze-Re­gie­rungs­spre­cher Si­mon Zunk. Die­ser ist am Frei­tag vor Ort, um Me­di­en­ver­tre­tern Re­de und Ant­wort zu ste­hen. 29 Har­ves­ter sei­en im Ein­satz, be­rich­tet er, sechs Rü­cke-Ma­schi­nen. Ge­ar­bei­tet wer­de in zwei Schich­ten, sonn­tags sei Ru­he im Wald. Was aus dem Holz wird, ent­schei­de Tes­la als Ei­gen­tü­mer des Ge­län­des.

Zei­chen von Pro­test sind Frei­tag­mit­tag nicht zu er­ken­nen. Ab und zu hal­ten Au­tos an, die Fah­rer ma­chen Fo­tos vom Wald, der ge­ra­de ab­ge­holzt wird. „Fürs Fa­mi­li­en­al­bum“, sagt ein Mits­ech­zi­ger grin­send und steigt wie­der in sei­ne Li­mou­si­ne schwä­bi­scher Pro­duk­ti­on. Ei­ni­ge Me­ter wei­ter zückt ein jün­ge­rer Mann das Han­dy. „Ei­ne Saue­rei“, schimpft er, als er die Sze­ne­rie fo­to­gra­fiert.

Wäh­rend im Wald Fak­ten ge­schaf­fen wer­den, ar­bei­tet die Po­li­tik dar­an, die Re­gi­on auf Tes­la vor­zu­be­rei­ten. Im Grün­hei­der Haupt­aus­schuss mach­te sich am Don­ners­tag­abend bei der Frak­ti­on Bür­ger­bünd­nis-FDP, mit ih­rem Fi­nanz­aus­schuss­vor­sit­zen­den Tho­mas Wöt­zel, Er­nüch­te­rung breit, als Bür­ger­meis­ter Arne Chris­tia­ni (par­tei­los) sei­ne Aus­füh­run­gen zum The­ma Tes­la be­en­det hat­te. Vor­ge­stellt hat­te er Er­geb­nis­se der Task-Force-Grup­pen, wel­che die The­ma­tik be­ar­bei­ten.

Dem­nach ist Fol­gen­des ge­plant: In ei­nem ers­ten Schritt sol­len die Orts­bei­rä­te für ih­ren Orts­teil Lis­ten mit Be­din­gun­gen auf­stel­len, die hin­sicht­lich Sied­lung, In­fra­struk­tur und Ver­sor­gung kurz­fris­tig, mit­tel­fris­tig und lang­fris­tig er­füllt wer­den müs­sen. Die­se Lis­ten wer­den dann vom Grün­hei­der Haupt­aus­schuss zu­sam­men­ge­fasst und auf die ge­sam­te Ge­mein­de Grün­hei­de an­ge­passt.

Nach Vor­la­ge bei der Ge­mein­de­ver­tre­tung geht die Lis­te mit For­de­run­gen zur Steue­rungs­grup­pe des Land­krei­ses ge­gen – der der Land­rat, Bür­ger­meis­ter der Re­gi­on und Amts­di­rek­to­ren an­ge­hö­ren. Die­se er­ar­bei­ten dann mit der Ge­mein­sa­men Lan­des­pla­nung Ber­lin/Bran­den­burg ein Ent­wick­lungs­kon­zept.

Ul­rich Kohl­mann (Bür­ger­bünd­nis) kri­ti­sier­te die In­for­ma­ti­ons­po­li­tik des Bür­ger­meis­ters. „Es wä­re schön ge­we­sen, die­se gan­zen In­fos vor­ab zu be­kom­men. Dann hät­ten wir hier dar­über dis­ku­tie­ren kön­nen. So hö­ren wir uns das al­les an, kön­nen das aber ein­fach auf­grund der gro­ßen Men­ge an neu­en In­for­ma­tio­nen gar nicht al­les er­fas­sen.“Da die­se Kon­zep­te erst kurz­fris­tig fer­tig­ge­stellt wur­den, sei ei­ne Vor­ab-Info nicht mög­lich ge­we­sen, hielt Chris­tia­ni da­ge­gen.

So­wohl Kohl­mann als auch Wöt­zel for­der­ten für die Orts­bei­rä­te Un­ter­stüt­zung durch Städ­te­pla­ner. „In die­sen Gre­mi­en ha­ben wir doch an­sons­ten gar nicht die fach­li­che Kom­pe­tenz, um stich­hal­ti­ge For­de­run­gen zu stel­len“, sag­te Wöt­zel. Chris­tia­ni sah das an­ders, da noch gar kei­ne aus­ge­reif­ten Kon­zep­te von den Orts­bei­rä­ten ge­for­dert sei­en. „Es geht eher um die Be­find­lich­kei­ten der Orts­tei­le. Und das schafft man auch oh­ne Städ­te­pla­ner.“

Zu­dem sei auch gar kein Bud­get ge­plant, aus dem Städ­te­pla­ner be­zahlt wer­den könn­ten. Aus dem Zu­kunft-In­ves­ti­ti­ons­fonds für In­fra­struk­tur­ent­wick­lung in Bran­den­burg be­kom­me die Ge­mein­de Grün­hei­de je­den­falls nichts. Die­ser Fonds über ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro wur­de vom Land­tag be­schlos­sen. 100 Mil­lio­nen da­von sol­len für die In­fra­struk­tur­ent­wick­lung rund um die Tes­la-An­sied­lung aus­ge­ge­ben wer­den – 10 Mil­lio­nen noch in die­sem Jahr, 90 im nächs­ten.

In ei­nem ers­ten Schritt sol­len die Orts­bei­rä­te ei­ne Lis­te mit Be­din­gun­gen er­stel­len.

Di­ver­se Vor­ha­ben ge­plant

Wo­hin das Geld flie­ßen soll, ha­be die Task-Force auch schon er­ar­bei­tet. „Ge­prüft wird die Elektri­fizierung ei­nes Gleis­an­schlus­ses zum Werks­ge­län­de von Tes­la, au­ßer­dem die Ver­län­ge­rung des Bahn­hofs Fang­schleu­se be­zie­hungs­wei­se des­sen Ver­la­ge­rung in Rich­tung der Au­to­fa­brik“, las Chris­tia­ni vor. Wei­te­re Vor­ha­ben sei­en die S-Bahn-Ver­län­ge­rung über Erk­ner hin­aus, ei­ne Auf­sto­ckung der Bus­li­ni­en, die Er­wei­te­rung der Au­to­bahn­an­schluss­stel­le Frei­en­brink, der Bau ei­ner zwei­ten An­schluss­stel­le, ei­ne wei­te­re Ver­bin­dung zwi­schen Au­to­bahn und L23, ei­ne Über- oder Un­ter­füh­rung der Bahn­stre­cke so­wie der vier­spu­ri­ge Aus­bau der Stra­ße zwi­schen dem Han­gels­ber­ger Krei­sel bis hin zur Au­to­bahn.

Die­se Pro­jek­te sei­en al­le in der Hand des Lan­des, wer­den des­halb auch von die­sem fi­nan­ziert. „Und wo­mit sol­len wir pla­nen, wenn wir von die­sen Mil­lio­nen nichts be­kom­men?“, woll­te Tho­mas Wöt­zel wis­sen. „Mit wel­chem Geld sol­len wir die Stra­ßen bau­en, die in un­se­rer Ver­ant­wor­tung lie­gen?“Zu­min­dest vom Land ist da­für zu­nächst kei­ne För­de­rung vor­ge­se­hen, so Chris­tia­ni da­zu.

Fo­to: An­net­te He­rold

Viel Holz: Im Wald bei Frei­en­brink schaf­fen Ma­schi­nen Tat­sa­chen.

Fo­tos (2): An­net­te He­rold

Es geht los: Die Har­ves­ter sind seit Don­ners­tag­abend im Tes­la-Wald un­ter­wegs, um Bäu­me zu fäl­len.

Be­tre­ten ver­bo­ten: Der Forst bei Frei­en­brink ist ge­sperrt.

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