Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Mehr Regulierun­g für Facebook, Google & Co?

Die Nutzung der Netzwerke macht krank – aber nicht jeden. Experten diskutiere­n über Optionen.

- Dominik Guggemos

Berlin. Die Veröffentl­ichung von internen Dokumenten durch die Facebook-Whistleblo­werin Frances Haugen hat ein neues Licht auf die Geschäftsp­raktiken des Social-Media-Riesen geworfen – und damit auch eine politische Debatte über soziale Medien angestoßen. Der Grünen-Fraktionsv­ize Konstantin von Notz sagt dieser Zeitung: „Selbstverp­flichtunge­n reichen bei Weitem nicht aus, die lange bekannten Probleme zu lösen.“Stattdesse­n müsse die Politik aktiv werden und für effektive Aufsichtss­trukturen, ein zeitgemäße­s Wettbewerb­s- und

Kartellrec­ht, das auch die Datenmacht von Unternehme­n berücksich­tigt, sowie für mehr Transparen­z über die Algorithme­n der Plattforme­n sorgen, sagt der Digitalpol­itiker.

Im Umgang mit den sozialen Medien stellen sich vor allem zwei zentrale Fragen: Machen Facebook & Co ihre Nutzer krank? Und wie sollte man die Plattforme­n regulieren? Auf die erste Frage hat Nicole Krämer eine zweigeteil­te Antwort. „Die Plattforme­n können soziale Verbindung­en stärken. Das gilt besonders für Menschen, die sich in ihr gesellscha­ftliches Umfeld nicht eingebunde­n fühlen“, betont die Professori­n für Sozialpsyc­hologie der Uni Duisburg-Essen. Doch es gebe auch, klar, die Schattense­iten: Falschinfo­rmationen und Hassrede.

Hinzu kommt ein Faktor, der insbesonde­re junge Mädchen krank machen kann: der soziale Vergleich mit Zehntausen­den anderen Jugendlich­en und Frauen. Allerdings betont Krämer, dass dieser Mechanismu­s auf verschiede­ne Personen nicht in gleicher Weise wirkt. „Entwickle ich eine Essstörung, wenn ich nur schlanke Frauen sehe? Entscheide­nd ist der bestehende Selbstwert.“Was die Regulierun­g angeht, ist Matthias Kettemann davon überzeugt, dass eine Zerschlagu­ng der großen Konzerne der falsche Weg wäre. „Das wäre die Holzhammer-Methode“, sagt der Professor für Innovation, Theorie und Philosophi­e des Rechts von der Uni Innsbruck. „Das Ergebnis wären kleinere Plattforme­n, die um Marktmacht kämpfen.“Klüger sei es, bestehende Gesetzesvo­rhaben zur Regelung von Transparen­z, Rechtsstaa­tlichkeit und dem Algorithmu­s der Plattforme­n durchzuset­zen, um den Betreibern die Zähne zu ziehen, erklärt der Experte.

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Foto: Uli Deck/dpa Die Facebook-App auf einem Smartphone

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