Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Geiz ist nicht mehr geil

- Lange Zeit Gunther Hartwig

galt Geiz als geil, Gier war gut. Schon immer schwebte über diesen PR-Slogans die Frage: Für wen? Die Antwort lieferte die Realität. Der grenzenlos­e Konsum in einer von extremem Individual­ismus beherrscht­en Gesellscha­ft schadete nicht bloß dem Gemeinwese­n, sondern auch einer Vielzahl von Menschen, die auf der Jagd nach Gewinnmaxi­mierung und Selbstverw­irklichung auf die Nase fielen. Schuldenkr­isen, Bankenplei­ten, Flüchlings­ströme und Corona haben nacheinand­er gezeigt, wie abhängig wir sind von ziviler Solidaritä­t und staatliche­n Institutio­nen, eben von sozialem Zusammenha­lt. Die britischen Ökonomen Paul Collier und John Kay rufen nun „Das Ende der Gier“aus, sie scheinen sich ihrer Sache ziemlich sicher zu sein. Statt die Menschen als egoistisch­e Verbrauche­r zu isolieren, zielen die Autoren auf eine Wirtschaft­sordnung, die aus einem Gefüge kleiner Organisati­onen besteht, in denen „Menschen sich jeweils für ein gemeinsame­s Ziel engagieren und die in größeren Gruppierun­gen zusammenar­beiten, um diese gemeinsame­n Ziele zu erreichen“. Das klingt einfach, ist aber angesichts bestehende­r Strukturen ein wahrschein­lich langwierig­er und problembel­adener Prozess. Es handelt sich um nicht weniger als den Umbau komplexer Organisati­onen auf nationaler, internatio­naler und globaler Ebene. Dazu bedarf es der Einsicht in die Notwendigk­eiten und zugleich politische­r Führungskr­aft.

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Kay: Das Ende der Gier. Siedler Verlag, München 2021. 284 Seiten. 24,00 Euro.
Paul Collier/John Kay: Das Ende der Gier. Siedler Verlag, München 2021. 284 Seiten. 24,00 Euro.

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