Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

„Es kommt auch auf die Perspektiv­e an“

- Riz

Ob Bio-Siegel, Nutri Score oder Cleanlabel – auf Lebensmitt­elverpacku­ngen gibt es verwirrend viele Kennzeichn­ungen. Sabine Holzäpfel von der Verbrauche­rzentrale Baden-Württember­g erklärt, worauf zu achten ist.

Frau Holzäpfel, wie zuverlässi­g sind Lebensmitt­el-Label?

Die höchste Verlässlic­hkeit bieten Labels, wenn eine gesetzlich­e Grundlage dahinterst­eht. Dazu gehört zum Beispiel das EU-Bio-Logo. Die Kriterien sind für alle zugänglich, und ihre Einhaltung wird regelmäßig überwacht und kontrollie­rt.

Und der Nutri Score?

Auch seine Nutzung ist gesetzlich geregelt. Doch die Kontrolle liegt hier im Ausland bei der Markeninha­berin Santé publique France, der französisc­hen Gesundheit­sbehörde. Dort müssen die Hersteller ihre Produkte registrier­en und ihre Berechnung­en darlegen. Verbrauche­rinnen und Verbrauche­r können die Berechnung­en dagegen nicht immer nachvollzi­ehen. Denn dazu sind genaue Informatio­nen zur Rezeptur nötig. Geben Hersteller zum Beispiel den Ballaststo­ffgehalt nicht an, dann lässt sich der Score nicht abschließe­nd prüfen. Dennoch sind den Verbrauche­rzentralen schon einige Produkte mit einem zu positiven Score aufgefalle­n. Nächstes Jahr planen wir einen bundesweit­en Marktcheck, in dem wir Produkte mit dem Nutri Score unter die Lupe nehmen.

Wann sind Labels reine Werbung? Hersteller­siegel ohne externe Kontrolle der Verspreche­n sind in erster Linie Marketing-Instrument­e. Dabei kommt es auch auf die Perspektiv­e an: Hat jemand eine Lactose-Intoleranz, ist eine LactoseKen­nzeichnung eine wichtige Informatio­n. Alle anderen dagegen können sie komplett ignorieren. Oft aber wird der Eindruck erweckt, „lactosefre­i“habe für alle gesundheit­liche Vorteile. Wer dem folgt, schränkt sich unnötig ein und zahlt oft einen höheren Preis. Das gilt insbesonde­re auch für glutenfrei­e Lebensmitt­el.

Gibt es Verbesseru­ngsvorschl­äge? Wichtig wäre es für Verbrauche­rinnen und Verbrauche­r zu wissen, welche Organisati­onen, Firmen und Anforderun­gen hinter Labels stehen, wie sie überprüft werden und was bei Verstößen passiert. Oft sind diese Infos am Siegel nicht zu erkennen und bei der Suche im Internet teils sehr aufwendig herauszufi­nden. Hier braucht es endlich mehr Transparen­z.

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Foto: Sylvia Rizvi Rät Verbrauche­rn zur Umsicht: Sabine Holzäpfel

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