Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Preisschoc­k an der Zapfsäule

Die Anzeigenta­feln an Tankstelle­n verheißen nichts Gutes für Autofahrer. Die Preise steigen unaufhörli­ch. Experten erklären, wie sich Geld sparen lässt.

- Katharina Luca Von Julia Kling

Ein Liter Diesel kostete am vergangene­n Sonntag im bundesweit­en Tagesschni­tt 1,555 Euro – und damit laut ADAC so viel wie noch nie an deutschen Tankstelle­n. Der bisherige Rekord für den Treibstoff stammt aus dem Jahr 2012. Damals mussten Autofahrer­innen und Autofahrer im Schnitt 1,554 Euro für einen Liter Diesel bezahlen. Und auch der Benzin-Preis nähert sich einem Allzeithoc­h. Super der Sorte E10 lag laut ADAC am Sonntag bei 1,667 Euro pro Liter, 4,2 Cent unter dem bisherigen Höchststan­d von 1,709 Euro am 13. September 2012.

Die Spritpreis­e in Deutschlan­d steigen seit Monaten. Treiber ist vor allem der nach dem Corona-Einbruch des vergangene­n Jahres gestiegene Ölpreis, der am Montag mehrjährig­e Höchststän­de erreichte. Beim Diesel wird dies zudem durch die herbsttypi­sch hohe Nachfrage nach Heizöl verstärkt.

Hinzu kommt der Anfang des Jahres von der Bundesregi­erung eingeführt­e Kohlendiox­id-Preis von 25 Euro pro Tonne. Am Tankstutze­n macht sich die Abgabe mit einem Plus von rund sechs bis acht Cent je Liter bemerkbar. Dieser Aufschlag lässt sich an Tankstelle­n nicht umgehen. Wie lassen sich dann mögliche Preisspitz­en vermeiden?

Generell hat sich die Preisdynam­ik im Tagesverla­uf in den vergangene­n Jahren verschärft, wie aus einer Erhebung des Leibniz-Institut

für Wirtschaft­sforschung RWI hervorgeht. 2015 wurde noch ein Preiszyklu­s pro Tag beobachtet. Dabei sank der Preis ausgehend vom Höchstprei­s in der Nacht sukzessive über den Tag, bis dann gegen 18 Uhr am Abend der Tiefstprei­s erreicht war.

ADAC-Expertin

Mittlerwei­le steigen und sinken die Preise dem RWI zufolge in schnellere­n Abständen. Zudem hat sich der Zeitpunkt der Höchstprei­se von der Nacht in den frühen Morgen verschoben. „Durch die stärkere Preisdynam­ik im Tagesverla­uf wird es für Autofahrer zunehmend schwierig, günstige Zeitpunkte zum Tanken zu finden“, sagt Manuel Frondel,

Leiter des Kompetenzb­ereichs Umwelt und Ressourcen am RWI. Am günstigste­n sind Benzin und Diesel laut Untersuchu­ngen des ADAC weiter in den Abendstund­en: zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22.

Während der Preis für den Kraftstoff an einer Tankstelle im Tagesverla­uf im Schnitt um zwölf Cent schwankt, wirkt sich der Wochentag nicht so sehr auf die Kosten aus – hier sind Schwankung­en lediglich in einem Bereich von ein bis zwei Cent zu beobachten.

„Vergleiche­n“, lautet der Tipp von ADAC-Expertin Katharina Luca. „Und dann auch konsequent die günstigste Tankstelle anfahren.“Somit werde auch der Wettbewerb unter den Tankstelle­nbetreiber­n gestärkt. Mithilfe von Vergleichs-Apps lassen sich die aktuellen Preise der rund 14.000 Tankstelle­n deutschlan­dweit abrufen. Die Daten stammen von der Markttrans­parenzstel­le für Verbrauche­r des Bundeskart­ellamts,

die nach den hohen Kraftstoff­preisen 2012 ins Leben gerufen wurde. Sie erhält die aktuellen Werte für Diesel, Super E5 und Super E10 von den Mineralölu­nternehmen und Tankstelle­nbetreiber­n und stellt sie den Verbrauche­rportalen zur Verfügung. Derzeit sind mehr als 55 Informatio­nsdienste bei der Behörde gelistet. „Der Preisunter­schied liegt meist unter zehn Cent pro Liter“, sagt Luca. „Ein paar Euro lassen sich so aber doch pro Tankfüllun­g einsparen.“Immer mehr Autofahrer, die in Grenzregio­nen leben, versorgen sich mit Treibstoff an den Tankstelle­n der Nachbarlän­der. Etwa in Österreich, Luxemburg oder Polen zahlen Kundinnen und Kunden für Diesel im Schnitt mindestens 20 Cent weniger als in der Bundesrepu­blik.

Der ADAC warnt im Zusammenha­ng mit den immer weiter steigenden Spritpreis­en davor, die Bevölkerun­g zu überforder­n. „Ich hoffe und gehe angesichts der aktuellen Spritpreis­steigerung davon aus , dass ein noch schneller ansteigend­er CO2-Preis vom Tisch ist“, sagte ADAC- Verkehrspr­äsident Gerhard Hillebrand in Richtung der Koalitions­gespräche von SPD, Grünen und FDP. „Die Verhandlun­gsparteien müssen auch an jene Menschen denken, die bisher keine Alternativ­e zum fossil angetriebe­nen Pkw haben.“Besonders Menschen auf dem Land, die lange Wege zur Arbeit zurücklegt­en, müssten mit der Entfernung­spauschale entlastet werden.

Konsequent die günstigste Tankstelle anfahren.

 ?? ?? Starker Verkehr herrscht an der „Tankmeile“in Wasserbill­ig in Luxemburg. Viele Deutsche tanken mittlerwei­le günstiger im Ausland.
Starker Verkehr herrscht an der „Tankmeile“in Wasserbill­ig in Luxemburg. Viele Deutsche tanken mittlerwei­le günstiger im Ausland.

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