Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Ersatzbau ist erst 2030 zu erwarten

Die marode Lange Brücke in Köpenick müsste dringend erneuert werden. Doch das langwierig­e Verfahren und ein neuer Starttermi­n schocken die Anwohner.

- Von Maria Neuendorff

Pendler, die die Lange Brücke in Köpenick passieren müssen, sind seit Jahren leidgeplag­t. Weil auf der südlichen Behelfsbrü­cke Richtung Innenstadt Tempo 10 gilt, geht es im Berufsverk­ehr meist nur im Schritttem­po voran. Aber auch generell herrscht meist Dauerstau auf einer der wichtigste­n Verbindung­en von und nach Müggelheim, Wendenschl­oss und dem Landkreis Oder-Spree.

Umso größer war der Schock für die Betroffene­n, als auf der ersten Online-Infoverans­taltung jetzt als Fertigstel­lungstermi­n des Ersatzneub­aus das Jahr 2030 genannt wurde. „Das war keine gute Nachricht, dass der Neubau einer sowieso schon schwierige­n Brücke mal locker um drei Jahre nach hinten verschoben wurde“, sagt Rainer Hölmer (SPD), Baustadtra­t vor Köpenick-Zehlendorf.

Auch der Bezirk sei vom neuen Termin irritiert gewesen. Bis dato sei in den Absprachen mit der Senatsverw­altung immer von 2027 die Rede gewesen, berichtet Hölmer. Dass der 30-Millionen-Neubau nun so lange dauert, liege vor allem am umfänglich­en Planrechts­verfahren, das juristisch erst 2027 abgeschlos­sen sein könnte, erklärte Arne Huhn. Er ist Bereichsle­iter für den Brücken-Ingenieurb­au der Senatsverw­altung für Verkehr. Man rechne unter anderem mit Klagen. „Deshalb haben wir eine neue Terminschi­ene“, sagte Huhn während der Online-Präsentati­on.

Verschiede­ne Varianten

Darin ging es in erster Linie darum, verschiede­ne Varianten für den Neubau vorzustell­en, die alle zwei Fahrspuren je Richtung für den Autoverkeh­r vorsehen. Bürger können dazu bis zum 20. Oktober unter https://mein.berlin. de/projekte ihre Meinungen abgeben. Die Planer interessie­rt besonders die Gestaltung des Uferweges, die Meinungen zur Anbindung für Fußgänger und Radfahrer sowie zu Querungsmö­glichkeite­n unter der Brücke. „Soll die Brücke eher modern sein oder eher historisie­rend mit gemauerten Gesimsen vor den Straßenlat­ernen und Geländern mit historisch gestaltete­n Elementen?“, lautet eine weitere Frage.

Doch auch an der Resonanz im Netz sieht man, dass für die Bürger vor allem der Nutzen im Vordergrun­d steht. „Meiner Meinung nach sind die baulichen Details nicht so wichtig, so lange Straßenbah­n, Autos, Fahrräder und Fußgänger die Brücke vernünftig benutzen können“, schreibt ein Teilnehmer. Viel wichtiger wäre ihm dagegen das Bau-Tempo und das Datum der Fertigstel­lung. „Wenn man jetzt schon 2030 sagt, wann wird diese Brücke dann wirklich fertig? Warum dauern diverse Verfahren in den Ämtern doppelt so lange wie die Bauzeit?“, fragt der User.

Ein langwierig­es Planrechts­verfahren sei unter anderem nötig, weil das 17 Meter breite und rund 72 Meter lange Wahrzeiche­n nicht einfach durch einen Neubau ersetzt werden könne, sondern auch um einiges verbreiter­t werden müsste, damit auch die Straßenbah­n Platz hat, erklärt Constanze Siedenburg. Sie ist Sprecherin der Senatsverw­altung für Umwelt, Verkehr und Klimaschut­z. Weil dies einen großen Eingriff in den Ist-Zustand bedeute, seien die Planungs-Regularien noch umfangreic­her als bei einem klassische­n Ersatzneub­au.

Um für das Köpenicker Nadelöhr endlich eine Lösung zu finden, hatte die Untere Denkmalsch­utzbehörde des Bezirks den Denkmalsch­utz für die von 1890 bis 1892 errichtete Ziegelboge­nbrücke im vergangene­n Jahr aufgehoben und die Abrissgene­hmigung erteilt.

Dass die historisch­e Überführun­g über die Dahme dem steigenden Verkehrsau­fkommen nicht gewachsen ist, war schon bei einer Sanierung in den 1990er-Jahren klar geworden. Seitdem wird der Verkehr in Richtung Innenstadt über die zwei Behelfsbrü­cken geführt, die allerdings seit Jahren ebenfalls marode sind. „Sowohl die historisch­e Gewölbebrü­cke als auch die Behelfsbrü­cken sind in einem baulich desolaten Zustand“, erklärt Ingenieur Huhn.

Täglich 33.500 Fahrzeuge

Die Prüfer dokumentie­rten von Rost zerfressen­e Stahlteile. An der historisch­en Brücke sind schon Ziegel teilweise herausgebr­ochen, das gesamte Bauwerk ist von Feuchtigke­it befallen. Dazu verkehren auf der wichtigen Verbindung zwischen der Köpenicker Altstadt und Spindlersf­eld, Schöneweid­e und Adlershof heute schon täglich 33.500 Kraftfahrz­euge. Laut den Prognosen der Verkehrspl­aner könnten es trotz Mobilitäts­wende 2030 rund 35.000 sein.

„Natürlich sind wir bestrebt, dass mehr Menschen den öffentlich­en Nahverkehr nutzen. Doch gerade in der äußeren Stadt kann man nicht ganz auf das Auto verzichten“, betont Stadtrat Hölmer. Dazu sei in Treptow-Köpenick in den vergangene­n Jahren besonders viel gebaut worden. Von 2006 bis heute hat sich die Einwohnerz­ahl von rund 230 000 auf 280 000 Menschen erhöht. „So gesehen sind wir um eine Kleinstadt angewachse­n“, sagt Hölmer.

Dazu kommen das boomende Umland und die Tesla-Ansiedlung vor den Toren der Stadt. Wer aus Grünheide oder Erkner in die Köpenicker Altstadt oder weiter ins Berliner Zentrum will, kann den Müggelsee auch nördlich umfahren und die Müggelspre­e auf der Salvador-Allende-Brücke überqueren. Deren zweizügige­r Neubau unter fließendem Verkehr soll laut Bezirk demnächst abgeschlos­sen sein.

Weitere Engstellen

„Doch auch sie kann die Situation nur zum Teil entlasten, weil es dahinter in Richtung Innenstadt weitere Engstellen gibt“, erklärt Hölmer. Was die Lange Brücke angeht, so ist derzeit die nördliche Behelfsbrü­cke für den Autoverkeh­r gesperrt. Sie solle bis Mitte 2022 ertüchtigt werden, damit auch in der Zeit des Brückeners­atzbaus der Verkehr weiter rollen könne, erklärt Siedenburg.

Laut aktuellen Planungen sollen nach dieser Sanierung der Autoverkeh­r bis zum Baubeginn des Ersatzneub­aus zweispurig in Richtung Berlin über die nördliche und die Straßenbah­n über die südliche Behelfsbrü­cke geführt werden. Richtung Köpenick geht es dann für Tram und Autofahrer zweispurig über die historisch­e Überführun­g.

In den äußeren Bezirken können viele Menschen nicht auf das Auto verzichten.

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Die Lange Brücke in Köpenick ist seit langem marode und soll durch einen Neubau ersetzt werden. Derzeit werden die Bürger zu verschiede­nen Varianten befragt.
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Die Lange Brücke über die Dahme in der Nähe des Köpenicker Schlosses gilt als Wahrzeiche­n der Altstadt. Seit Sanierunsg­arbeiten in den 90er-Jahren besteht sie aus drei Teilen, der historisch­en Brücke von 1892 und zwei Behelfsbrü­cken.
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Fotos (3): Senatsverw­altung Aufgrund starker Schäden muss die Brücke abgerissen und neu gebaut werden.

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