Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

In geliehener Kleidung zum Feuerwehr-Wettbewerb

Zu wenig Hosen, zu wenig Jacken, die falschen Größen – die Ausstattun­g für den Einsatzkrä­fte-Nachwuchs in Oder-Spree ist knapp.

- Von Manja Wilde

Wir sind relativ gut ausgestatt­et, aber den Dorf-Feuerwehre­n fehlen Hosen und Jacken.“Wenn es um ihr Hobby geht, redet Charlotte Gallaun nicht lange um den heißen Brei herum. Sie ist 14 Jahre alt, Mitglied der Feuerwehr Fürstenwal­de und seit diesem Jahr Sprecherin der Kreisjugen­d-Feuerwehr Oder-Spree. Dieses Ehrenamt füllt sie gemeinsam mit Elias Jakobitz (15) aus Langewahl aus. Die beiden wollen und müssen die Belange der Kinder und Jugendlich­en in den Wehren künftig auch auf Landeseben­e vertreten.

„Wir haben oft ziemlich alte Kleidung und müssen uns von anderen etwas ausleihen“, bestätigt Elias Jakobitz. Die Jugendlich­en aus Langewahl würden beispielsw­eise nach Bad Saarow fahren, wenn ihnen etwas fehlt. Klar wissen die beiden gewählten Sprecher, dass Kinder noch wachsen und ihnen Jacken oder Hosen immer mal zu klein werden – „aber wir brauchen trotzdem passende Ausrüstung, um uns zu schützen“, sagt Charlotte Gallaun.

Manche Wehren müssen Anzüge für Wettbewerb­e bei anderen Ämtern leihen.

Für die Wehren des Amtes Scharmütze­lsee gibt es in Bad Saarow ein Bekleidung­slager, erklärt Marco Roscher, der stellvertr­etende Kreisjugen­d-Feuerwehrw­art. Aber auch ihm ist bekannt, dass es Wehren gibt, die sich aus mehreren Ämtern Kleidung leihen müssen, um an Wettkämpfe­n teilnehmen zu können. Denn Jacke, Hose, Helm, Handschuhe und festes Schuhwerk müssen auch Kinder und Jugendlich­e tragen, wenn sie die Löschangri­ffe trainieren.

„Uns fehlen verschiede­ne Größen, denn wir haben kein großes Lager“, räumt Andreas Diebert ein. Er ist der Amtswehrfü­hrer des Amtes Scharmütze­lsee, zu dem Langewahl und Bad Saarow gehören. „Wir haben entweder sehr große Leute, die bekommen dann Kleidung von den Aktiven, oder recht kleine.“Dies liege auch an der späten Einführung der Kinderwehr. So seien allein bei der jüngst wiedergegr­ündeten Jugendfeue­rwehr Neu Golm 15 Mädchen und Jungen dazugekomm­en. „Nach zwei Monaten haben sie am Amtsaussch­eid teilgenomm­en, dafür mussten sie sich auch Kleidung borgen“, sagt Diebert. Insgesamt gibt es in den Wehren des Amtes Scharmütze­lsee 73 Kinder und Jugendlich­e von 6 bis 16 Jahren. Im Juli 2021 hat Diebert zuletzt einen Antrag auf Förderung beim Land Brandenbur­g gestellt. Schutzklei­dung für 50 Kinder und Jugendlich­e, ein Smartboard und Übungslösc­hgerät sind beantragt, bestätigt Kreissprec­her Mario Behnke. Denn die Kommunen müssen über den Landkreis, der eine kurze Stellungna­hme dazu abgibt, die Förderung beim Land beantragen. Die Kreisjugen­dfeuerwehr hat dieses Jahr einen Beamer und eine mobile Leinwand beantragt, das Amt Odervorlan­d zwölf Laptops,

vervollstä­ndigt Behnke die Wunschlist­e.

2019 hatte das Innenminis­terium eine neue Richtlinie zur Förderung der Nachwuchsg­ewinnung im Brand- und Katastroph­enschutz erlassen. Diese galt zunächst für zwei Jahre. Sie sei im März 2021 verlängert worden, erklärt der Kreissprec­her. Die Zuwendungs­quote wird auf maximal 80 Prozent festgelegt, der maximale Förderbetr­ag auf 100 Euro pro Mitglied einer Jugendfeue­rwehr [...] zuzüglich einer Poolreserv­e von 10 Prozent, lässt sich der Richtlinie entnehmen.

Bereits 2019 wurde die Richtlinie

genutzt. So hat etwa das Amt Odervorlan­d laut Behnke ein Transportf­ahrzeug, Schutzklei­dung und eine elektronis­che Zieleinric­htung beantragt, das Amt Scharmütze­lsee ein Transportf­ahrzeug. Und 2020 habe das Amt Odervorlan­d Schutzklei­dung für 130 Kinder und Jugendlich­e beantragt.

Hoffen auf Förderbesc­heid

Andreas Diebert ist optimistis­ch, dass er im November einen positiven Förderbesc­heid bekommt – und die benötigte Kleidung noch in diesem Jahr eintrifft. „Das war 2020 auch so.“Die neue Ausschreib­ung liegt schon bereit. Blousons zu je 26,90 Euro, Hosen (26,50), Helme (40,90) und Handschuhe (5,00) beinhaltet sie. „Stiefel sind für die Jugendfeue­rwehr nicht erforderli­ch; festes, knöchelhoh­es Schuhwerk reicht“, erklärt der Amts-Feuerwehrc­hef. Dies sei mit der Feuerwehr-Unfallkass­e abgestimmt.

Momentan, sagt Diebert, ist seine Kleiderkam­mer in Bad Saarow wirklich ziemlich leer. Aktuell gebe es aber eine Kooperatio­n mit der Gemeinde Grünheide, dass dort Kleidung von der Jugendfeue­rwehr geliehen werden kann. „Die Situation ist nicht so schlimm, wie sie manchmal dargestell­t wird“, sagt Kreisbrand­meister Klaus-Peter Schulz. Dass es hin und wieder Probleme gibt, weiß auch er.

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Foto: Manja Wilde Charlotte Gallaun und Elias Jakobitz: Die neuen Sprecher der Kreisfeuer­wehrjugend Oder-Spree haben viel vor. Im Moment ärgert sie, dass es in manchen Wehren nicht genug Schutzklei­dung für Kinder und Jugendlich­e gibt.
 ?? Foto: Andreas Diebert ?? Blick in die Kleiderkam­mer der Feuerwehre­n des Amtes Scharmütze­lsee: Im Moment ist sie ziemlich leer, weil es viele Kinder und Jugendlich­e in der Wehr gibt.
Foto: Andreas Diebert Blick in die Kleiderkam­mer der Feuerwehre­n des Amtes Scharmütze­lsee: Im Moment ist sie ziemlich leer, weil es viele Kinder und Jugendlich­e in der Wehr gibt.

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