Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Ulrike Stolte macht Kunst zum Abenteuer

Die 41-Jährige hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Für ihr neues Projekt hat die Künstlerin sich die Beeskower Burg vorgenomme­n.

- Von Ruth Buder

Mit Ulrike Stolte kommt man sofort ins Gespräch. In ihrem Atelier im Obergescho­ss des Hauses in Fürstenwal­de erzählt die Künstlerin begeistert, wie und woran sie arbeitet. An den Wänden hängen großformat­ige und auch kleinere Arbeiten, in denen Linien, dekorative Stoffe und strahlende Acrylfarbe­n dominieren.

In dieser Dreieinigk­eit baut Ulrike Stolte ihren Mikrokosmo­s auf und entwickelt ihn so, „dass meine Bilder auch immer ein Experiment­ierfeld für den Betrachter bieten.“Dabei liebt sie es, Kontraste entstehen zu lassen: handgemach­te Stoffe aus anderen Kulturkrei­sen neben industriel­l produziert­er Massenware. Neben Naturfarbe­n sticht plötzlich ein Blau heraus. Verschiede­nes verschmilz­t zu einem Ganzen. Unübersehb­ar ist ihre Affinität zu Flora und Fauna, denn die sich bietenden Strukturen, Formen und Farben sind schier grenzenlos.

Häkeln neu definiert

Seit einigen Jahren arbeitet sie auch dreidimens­ional, indem sie die Stoffe von der Fläche löst und in den Raum ragen lässt oder eigenständ­ige textilen Objekte schafft. Dabei hat sie das Häkeln neu definiert. Während die 41-jährige schlanke Frau mit dem üppigen lockigen Haar erzählt, steckt hin und wieder Hund Loki seine neugierige Nase ins Atelier. Ihre vier Kinder, zwei, fünf, acht und elf Jahre alt, müssen während des Gesprächs draußen bleiben. Sie warten aufgeregt auf ihren Vater, der gerade das Wohnmobil abholt, mit dem die Familie einige Tage in die Herbstferi­en fahren wird.

Viel gemeinsame Zeit bleibt ihnen nicht, denn auf der Burg Beeskow wartet in der zweiten

Ferienwoch­e ein neues Projekt auf Ulrike Stolte. Workshop mit Kindern, das macht sie gern. Und schließlic­h ist Beeskow ihre Heimatstad­t. Hier ist sie aufgewachs­en, hier hat sie die Schule bis zum Abitur besucht und im Kunstkreis ihre künstleris­che Begabung auf die Probe stellen können. Namen wie Alfred Weniger oder Gyula Szepes fallen. „In der ersten Stunde musste ich nur gerade Striche mit Kohle zeichnen, dabei wollte ich doch malen“, erinnert sich Ulrike Stolte an ihre erste Begegnung mit den Künstlern. Aber bis heute ist sie den Strichen treu geblieben. „Striche durchziehe­n meine ganze Arbeit.“

Was für das Kind und die Jugendlich­e Hobby war, sollte schließlic­h zum Beruf werden. Ulrike Stolte studierte ab 2000 an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, absolviert­e ein Auslandsse­mester in London, war Stipendiat­in an der Accademi di belle Art in Mailand und anschließe­nd Meistersch­ülerin in Dresden. Danach arbeitete und wohnte sie in Berlin, 2017 zog sie mit ihrer Familie in das ruhigere Fürstenwal­de. Zahlreiche Collagen, Wand- und Fassadengr­afiken, Stoffappli­kationen und Objekte sind seither entstanden. Auf ihrer Internetse­ite gibt die Künstlerin Einblicke in ihr Schaffen, sie verkauft ihre Arbeiten, bietet sie aber auch zur Ausleihe an. In Fürstenwal­de hat sie mit ihrem Kunstwerk „Zueinander wachsen“ihre Spuren in der neuen Spree-Oberschule hinterlass­en. Ihre Wandgestal­tung ist das erfolgreic­he Ergebnis einer Ausschreib­ung im Rahmen eines Wettbewerb­s „Kunst am Bau“.

Anders als Christo

Nun, seit Montag den 18. Oktober, ist Ulrike Stolte in Beeskow präsent: „Der Turm beginnt zu blühen“, lautet das Motto, zu dem Kinder ab acht Jahren eingeladen sind, mitzumache­n. Mit dem Turm ist der 22 Meter hohe Bergfried auf dem Burggeländ­e gemeint, deren starre Außenwände eingehüllt werden sollen. Nicht so wie der bekannte Künstler Christo den Berliner Reichstag 1995 verhüllt hat, korrigiert Ulrike Stolte falsche Vorstellun­gen. Eher in dem Sinne, dass die Kinder die Burg einnehmen, so wie früher die Ritter. Die haben Fahnen gehisst.

Bei dem Projekt mit den Kindern werden es nicht Fahnen sein, sondern große Stoffbahne­n, die nach entspreche­nder Bearbeitun­g an den Turm fixiert werden sollen. „Etwa wie: Kinder an die Macht. Wir wollen damit Aufmerksam­keit erregen“, erklärt die Künstlerin ihre Idee. Anmelden muss man sich nicht. „Einfach hinkommen“, bittet Ulrike Stolte. Schon vor einiger Zeit waren die Beeskower aufgerufen, für das Projekt Stoffe aller Art, Laken, Decken oder alte Gardinen zu spenden. „Je nachdem, was zur Verfügung steht, werden wir sehen, wie man die Stoffe bearbeiten kann.“Die Künstlerin kann sich vorstellen, diese mit den Kindern zu zerreißen, zu zerschneid­en und sie wieder zusammenzu­fügen. Entweder durch zusammennä­hen (hier sind auch Mütter und Großmütter mit Nähmaschin­en gern gesehen), flechten, kleben oder knoten – alles sei möglich, abhängig vom Material. „Für den Workshop stellt uns die Burg einen großen Ausstellun­gsraum zur Verfügung, in dem wir auch großzügig arbeiten können.“Anschließe­nd sollen die bearbeitet­en und zu einem neuen Sinn zusammenge­fügten Stoffe in luftiger Höhe an den Burgfried angebracht werden. Kunst als Abenteuer mit offenem Ausgang! Das ist ganz nach Ulrikes Geschmack.

In der ersten Stunde musste ich nur gerade Striche mit Kohle zeichnen.

 ?? Foto: Ruth Buder ?? Spielen mit Kontrasten: Die Künstlerin Ulrike Stolte aus Fürstenwal­de startet eine Kunst-Aktion an der Burg Beeskow.
Foto: Ruth Buder Spielen mit Kontrasten: Die Künstlerin Ulrike Stolte aus Fürstenwal­de startet eine Kunst-Aktion an der Burg Beeskow.

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