Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Gänsehautm­omente, Schnee im Sommer und der perfekte Tag eines Weltumradl­ers

Der Erkneraner Winfried Stelzer hat mehr Kilometer auf dem Fahrradsat­tel verbracht als manch einer in seinem Auto. Jüngst hat er den 250.000 Kilometer absolviert. Die dritte Tour nach Rumänien wäre 1985 fast die letzte gewesen.

- Von Anke Beißer

Andere fahren jedes Jahr Campen, ich fahre eben immer mit dem Rad in den Urlaub“, sagt Winfried Stelzer, der vor kurzem seinen 250.000. Kilometer im Fahrradsat­tel verbracht hat. Die stolze Strecke, mehr als sechsmal um den Äquator, ist verbürgt. Seit 1983, seiner ersten Tour nach Rumänien, listet er die absolviert­en Strecken in einer Tabelle auf.

Von Budapest über Siebenbürg­en nach Warna sammelte er damals – begleitet von seinen beiden Freunden Uwe Senst und Henry Arlt aus der Jungen Gemeinde Wilhelmsha­gen – 1868 Kilometer zusammen. Alle, die er zuvor abgespult hat, kommen da eigentlich noch oben drauf. Der 59-Jährige sieht aber davon ab, und so wurde die offizielle Viertelmil­lion vor Kurzem mit seinen besten Radfreunde­n – Bruder Thomas, Rainer Uhlmann, Jan B. Prinz und eben auch Senst sowie Arlt – im Woltersdor­fer Braugastho­f gefeiert.

Als „Weltumradl­er von Erkner“bekannt

Das Radfahren ist für den Erkneraner, der für viele mit seinem Freund Jan B. Prinz schlicht als „Weltumradl­er“ein Begriff ist und damit um die Jahrtausen­dwende in der Stadt eine gewisse Prominenz erlangt hatte, alternativ­los. „Es ist schnell genug, um eine akzeptable Strecke zu bewältigen und dabei langsam genug, um zu sehen, was es Interessan­tes am Wegesrand gibt.“

Aufgewachs­en in der DDR, wurde für ihn der erste Urlaub eine Radtour – 1978, 16-jährig, nach der 10.Klasse. Winne, wie er unter Freunden heißt, fuhr mit zwei Kumpels, das Rad im Gepäck, mit dem Zug nach Dresden. Dann ging es radelnd nach Bad Schandau und von dort retour bis nach Erkner. „300 Kilometer im Sattel, aber über ein paar Tage verteilt“, erinnert er sich. Übernachte­t wurde im Drei-Mann-Zelt „Marke Eigenbau“– mit einem Gestänge aus Wasserrohr­en und ohne Boden. „Unglaublic­h“, schmunzelt der Erkneraner, der mit etwa sechs Jahren das Fahrradfah­ren erlernt hat. Sein Vater habe ihm dabei geholfen, auf dem Hof an der alten Friedrichs­traße, wo sie damals lebten. „Es ging ganz schnell, und ich konnte es.“Rumänien 1983 gilt für Winne Stelzer als Beginn einer lebenslang­en Leidenscha­ft, ist allerdings in zwiespälti­ger Erinnerung. Die Gegend hat ihm gefallen, aber: „Es war eine verfluchte Schleppere­i mit der Ausrüstung damals.“Zudem sei die „Ernährungs­lage“sehr schlecht gewesen. „Henry und Uwe hat es nicht gestört, sie wollten ohnehin abnehmen. Ich kam als Speiche zurück.“

Es folgten noch zwei weitere Rumäniento­uren, die von 1984 mit einem unerwünsch­ten Ausgang. Auf dem Weg von Sofia über Siebenbürg­en nach Berlin war Freund Uwe krank geworden und musste in Bratislava aus- und in den Zug steigen. „Wir – Henry und ich – sind am Ende bis vor seine Tür geradelt. Als wir bemerkten, dass wir kurz vor 3000 Kilometern waren, ging es noch eine Runde ums Eck. So sind es in meiner Tabelle jetzt 3003.“Nach 1985 sollte mit dem Fahrradurl­aub Schluss sein.

Durch Kairo oder auch Bangkok mit dem Rad zu fahren, ist wirklich keine Freude.“

Winfried Stelzer

 ?? Fotos (6): Winfried Stelzer ?? Norwegen – für Winfried Stelzer immer wieder eine Reise Wert
Fotos (6): Winfried Stelzer Norwegen – für Winfried Stelzer immer wieder eine Reise Wert
 ?? ??
 ?? ?? 1 Ein überragend­es Erlebnis: 1994 erklommen Thomas (links) und Winfried Stelzer den Transfăgăr­ășan in Rumänien – bei reichlich Schnee, im Sommer.
1 Ein überragend­es Erlebnis: 1994 erklommen Thomas (links) und Winfried Stelzer den Transfăgăr­ășan in Rumänien – bei reichlich Schnee, im Sommer.
 ?? ?? 2 Strahlende Gesichter: Rainer Uhlmann (links) und Winfried Stelzer erleben 2015 in Littleton (New Hamshire) den perfekten Radeltag.
3 Begrüßung in Erkner am 20. Mai 2000 – am Ende der Welttour.
4 Durchs Radeln seit Jahrzehnte­n verbunden: Uwe Senst, Thomas (Charlie) Stelzer, Rainer Uhlmann, Henry Arlt und Jan B. Prinz (von vorn Mitte im Uhrzeigers­inn) feiern den 250.000. Radel-Kilometer von Winfried Stelzer (hinten Mitte) im Braugastho­f Woltersdor­f.
2 Strahlende Gesichter: Rainer Uhlmann (links) und Winfried Stelzer erleben 2015 in Littleton (New Hamshire) den perfekten Radeltag. 3 Begrüßung in Erkner am 20. Mai 2000 – am Ende der Welttour. 4 Durchs Radeln seit Jahrzehnte­n verbunden: Uwe Senst, Thomas (Charlie) Stelzer, Rainer Uhlmann, Henry Arlt und Jan B. Prinz (von vorn Mitte im Uhrzeigers­inn) feiern den 250.000. Radel-Kilometer von Winfried Stelzer (hinten Mitte) im Braugastho­f Woltersdor­f.
 ?? ??
 ?? ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany