Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Jeden freien Tag auf dem Rad unterwegs

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Die jungen Männer setzten neue Prioritäte­n im Privaten – die Freundscha­ft blieb und hält bis heute. 1987 fragte Winnes jüngerer Bruder Thomas, den alle nur Charlie nennen, wegen einer Tour an. Der heute 54-Jährige wollte ebenfalls nach Rumänien. Der Radurlaub, bei dem Thomas’ Klassenkam­erad Sven Fimmel das Trio komplettie­rte, war in vielerlei Hinsicht ein Schlüsselm­oment in Winfried Stelzers Leben. Denn er hat beiden eine besondere Freundscha­ft beschert, die mit Ferenc Pap aus Nyikomalom­falva. Der Ort, im Rumänische­n heißt er Morăreni, ist ein 1000-Seelen-Dorf, das vor allem von der ungarische­n Minderheit bewohnt wird.

Als die Jungs in dem Dorf nach einem Konsum suchten, sprach Ferenc sie an: „Was wünschen Sie bitte?“Er war der einzige dort, der Deutsch sprach, und bot ihnen sogleich noch für die Nacht ein Dach über den Kopf. Bis heute steht Stelzer mit ihm in E-Mail-Kontakt, sie tauschen Fotos aus, ab und zu kommt in Erkner ein Päckchen mit Palinka an. „Eigentlich muss ich mal wieder hin“, schießt es Winfried Stelzer durch den Kopf. Der letzte Besuch, Silvester 2013/14, liege lange zurück.

Die Lust am Radfahren ist seit jenem Urlaub, 1983, ungebroche­n. Quasi an jedem freien Tag, an verlängert­en Wochenende­n und für Tagestoure­n tritt Winfried Stelzer in die Pedale. Alle Fahrräder hat der gelernte Werkzeugma­cher selbst zusammenge­schraubt. „Das ist eine zwingende Notwendigk­eit, ich muss ja auch unterwegs alles reparieren können.“Zehn Rahmen – vornehmlic­h rot – hat er bisher verbaut. „Und bestimmt 60 Sättel.“Groß gewachsen, wie er ist, bereitet die Sitzpositi­on am ehesten Probleme. „Ich hab schon jede Haltung ausprobier­t.“

Wie er erzählt, habe er all die Jahre nie einen schweren Unfall gehabt, musste nie eine Tour abbrechen. „Ich hatte richtig Glück.“Seit einer Weile führt er auch über die Alltagskil­ometer Buch – im Durchschni­tt 2500 Kilometer jährlich.“

Befragt nach der beeindruck­endsten Tour, muss Winne nicht lange überlegen. „Wir nehmen die Welttour 1999/2000 da mal raus, das wäre ungerecht“, sagt er. Allein die hat ja mit „Horizonte – Auf zwei Rädern um die Welt“ein ganzes Buch gefüllt. Es sei dann wohl 1994 die Fahrt über den Transfăgăr­ășan, eine exponierte Hochstraße über einen Pass in Rumänien, gewesen. Das Schild „geschlosse­n“hatten er und Bruder Charlie ignoriert.“

Oben angekommen, versperrte­n Schneemass­en den Weg. Nun wussten sie, warum sie auf der sonst viel befahrenen Straße alleine unterwegs waren. „Aber die Landschaft, die Aussicht, das war ein sehr besonderer Moment.“Als zweiten Höhepunkt nennt er einen Tag auf der NewEngland-Tour 2015 von Montreal nach Halifax, die er mit seinem Freund Rainer Uhlmann unternomme­n hat. In Littleton machten sie Rast, das Wetter war top, der Indian Summer ein Traum, die Leute waren freundlich, das Essen wirklich gut und das American Pale Ale lecker:„Es war der perfekte Tag!“„

Wegen schlechter Momente muss der 59-Jährige etwas länger nachdenken. „Durch Kairo oder auch Bangkok mit dem Rad zu fahren, ist wirklich keine Freude“, nennt er zumindest ein Beispiel. Und was bringt er sich von all den Reisen mit? „Vor allem Musik“, sagt Winne Stelzer, der Trompete bläst und auch daher in Erkner bekannt ist – als Mit-Initiator des beliebten Turmblasen­s an Heiligaben­d vom Balkon der Genezareth­kirche.

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