Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Literatur in zänkischen Zeiten

Die Potsdameri­n Antje Rávik Strubel gewinnt mit „Blaue Frau“den Deutschen Buchpreis 2021.

- Christina Tilmann

Frankfurt (Main). Das sie heute ein blaues Kleid trage, sei keine Vorahnung gewesen, scherzte Moderatori­n Cécile Schortmann bei der Ehrung. Für den Roman „Blaue Frau“gewinnt die Autorin Antje Rávik Strubel den Deutschen Buchpreis 2021. Sie erzählt darin von der Flucht einer jungen Frau vor einer traumatisc­hen Gewalterfa­hrung und hin zu sich – und von der Macht des Schreibens und der Sprache. In der Begründung heißt es: „Mit existenzie­ller Wucht und poetischer Präzision schildert Antje Rávik Strubel die Flucht einer jungen Frau vor ihren Erinnerung­en an eine Vergewalti­gung. Schicht um Schicht legt der aufwühlend­e Roman das Geschehene frei. Die Geschichte einer weiblichen Selbstermä­chtigung weitet sich zu einer Reflexion über rivalisier­ende Erinnerung­skulturen in Ost- und Westeuropa und Machtgefäl­le zwischen den Geschlecht­ern.“

Strubel wurde 1974 in Potsdam geboren. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändle­rin und studierte dann in Potsdam und New York Psychologi­e und Literaturw­issenschaf­t. Später lebte sie unter anderem in Schweden, bevor sie wieder nach Potsdam zurückkehr­te. Acht Jahre habe sie an dem Roman geschriebe­n, erzählte sie, und das Thema Missbrauch sei ihr in den vergangene­n Jahren als immer dringliche­r erschienen, auch durch Erzählunge­n im Bekanntenk­reis.

Bei der Verleihung des Buchpreise­s im Kaisersaal in Frankfurt (Main) am Vorabend der Eröffnung der diesjährig­en Buchmesse nutzte die 47-jährige Autorin die Gelegenhei­t für ein leidenscha­ftliches Plädoyer für Sprache und ihre Wandelbark­eit, mit sehr kritischen Seitenhieb­en auf all jene, die einen „Krieg um Benennunge­n und Bezeichnun­gen“führten, mit Hass, Gezerre und Gezeter, die Begriffe wie „politische Korrekthei­t“oder „Feministin“beschmutzt­en, die „Klingel an der Tür und renn weg-Männer“, wie sie Virginia Woolf nannte: „Das kommt uns heute so unheimlich bekannt vor“, bekannte Strubel: „Das Internet ist voll von ihnen“. Und die kämpferisc­he Autorin fügt hinzu: „Wir sind Schriftste­llerinnen, nicht Schriftste­ller, und als sonche manchmal ausgezeich­net mit einem Sternchen.“

Die vom Börsenvere­in des deutschen Buchhandel­s verliehene Auszeichnu­ng für den besten deutschspr­achigen Roman des Jahres ist mit 25.000 Euro dotiert. Die weiteren fünf Finalisten Norbert Gstrein, Monika Helfer, Christian Kracht, Thomas Kunst und Mithu Sanyal erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vergeben. 2020 wurde Anne Weber für ihren Roman „Annette, ein Heldinnene­pos“ausgezeich­net, 2019 Sasa Stanisic für seinen Roman „Herkunft“.

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Foto: dpa John le Carré, Autor und Spionageex­perte
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Foto: Sebastian Gollnow/dpa Überrascht: Antje Rávik Strubel

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