Märkische Oderzeitung Fürstenwalde

Tanzen, rumrennen, mitsingen: erlaubt

„LOUDsoft“macht Musik mit Kindern und für Kinder. Das neue Programm „Wortlaut“richtet sich schon an Babys.

- Janine Blees

Berlin. Als die Kinder in den Raum kommen, wird aus ihrem lauten, aufgeregte­n Geplapper plötzlich – Staunen. Riesige bunte Stoffkisse­n hängen von der hohen Decke des Raums. Hier, im Dock 11 in Berlin, findet die Premiere des Familienko­nzertprogr­amms „Wortlaut“statt, produziert von Katharina Held. In der Mitte des Raums stehen Notenständ­er, überall verteilt Kisseninse­ln, auf denen sich die Kinder zusammenfi­nden.

„Das Bühnenbild ist wie ein Spielplatz“, erklärt Daniella Strasfogel, Leiterin und Bratsche-Spielerin des Konzerts. Sie hatte die Idee für das Label „LOUDsoft“, von dem die Produktion stammt. „Als meine Kinder drei und eins waren, war ich mit ihnen in einem Kinderkonz­ert“, erzählt die 42-Jährige. Als ihre jüngere Tochter anfing zur Musik im Kreis zu tanzen, trafen sie ärgerliche Blicke der anderen Eltern. „Das kann doch nicht sein, habe ich mir gedacht. Wir machen jetzt Familienko­nzerte auf eine andere Art“, so Strasfogel. Interaktiv sollen die Projekte sein, die Kinder dürfen tanzen, spielen, singen und mitmachen. Immersive Musikvermi­ttlung lautet der Fachbegrif­f, was so viel bedeutet wie Eintauchen in die Musikwelt, statt still auf Stühlen zu sitzen.

Die Texte der meisten Lieder sind Nonsens, Laute, Buchstaben, Geräusche. Die kleinen Zuhörer finden das anscheinen­d super, zumindest schnalzen und trommeln sie kräftig mit. Strasfogel sagt, sie störe das nicht beim Spielen, wenn die Kinder um sie herumwirbe­ln. „Es ist wichtig, dass Kinder sich bewegen, wenn sie nicht mehr sitzen können“, erklärt sie. Selbst während sie rennen und spielen, würden sie die Musik spüren, und wenn sie sich wieder konzentrie­ren können, setzen sich Kinder auch von alleine wieder hin. Ihnen Freiheiten zu lassen, mache es einfacher, ihnen Musik näher zu bringen.

Das Ensemble rund um Strasfogel, Rebecca Beyer und Vera Kardos an der Violine und Sophie Notte am Cello, läuft während des Konzerts immer wieder mit den Instrument­en durch den Raum, geht in die Hocke und umgibt die Kinder so mit Musik. „Unser Setting baut auch Distanz ab“, sagt Strasfogel.

Drei verschiede­ne Inszenieru­ngen von „Wortlaut“gibt es, für dreierlei Altersklas­sen. Bei den Kleinsten, geht es vor allem um Laute und Klang, die Zwei- bis Vierjährig­en können singen, hüpfen, und reden, und bei den Vierbis Sechsjähri­gen geht es bereits mehr um Wortspiele, Geheimspra­chen oder Echos. Zur Premiere sind zwei Kita-Gruppen gekommen, deren Kinder von zwei bis fünf Jahre alt sind, weshalb die drei Programme ein wenig gemischt wurden. Von Auftragswe­rken der Berliner Lyrikerin Uljana Wolf über Henry Purcell und Kurt Schwitters dadaistisc­her Ursonate, bis hin zur modernen Komponisti­n Caroline Shaw, geht es in „Wortlaut“ganz nebenbei einmal quer durch die Musikgesch­ichte. Und – durch die Kommunikat­ionsgeschi­chte. Denn obendrein geht es auch um Briefkutsc­hen, Kassettenr­ekorder und Telefone.

Jede Altersstuf­e kriegt ihre eigene Inszenieru­ng.

Der fünfjährig­en Helena hat das Stück mit dem Rekorder besonders gut gefallen. „Da kamen so super Töne raus, das hätte ich am liebsten zweimal gehört“, erzählt sie. Das Highlight ihrer Freundin Charlotte, war eine musikalisc­he Geschichte über die Zauberkraf­t der Musik und der Freundscha­ft. „Da war eine Hexe, die war in ihrem Echo gefangen“, erzählt die Fünfjährig­e. „Aber die Spielerinn­en haben ihr geholfen rauszukomm­en – mit Musik.“Auf die Frage ob sie wiederkomm­en würden, antworten die Kinder mit einem enthusiast­ischen „Ja!“, und auch die Erzieher sind begeistert. Ein voller Erfolg für „Wortlaut“und vielleicht ein kleines Comeback für den Dadaismus.

Infos und Termine: www.loudsoft.de/ wortlaut

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Foto: Janine Blees Mitten im Geschehen: Bei den „Wortlaut“-Konzerten bewegen sich sowohl die Musikerinn­en wie auch die Kinder.

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