Feld­post vom Volks­stur­m­ein­satz in Le­bus

84-jäh­ri­ger Sohn ei­nes Mit­glieds des letz­ten Auf­ge­bo­tes der Wehr­macht an der Oder über­lässt dem Amt Brie­fe sei­nes Va­ters

Märkische Oderzeitung Seelow - - Oderland Echo -

Le­bus. Im klei­nen Aus­stel­lungs­raum des Le­bu­ser Info­punk­tes kön­nen Be­su­cher jetzt Feld­post be­trach­ten, die Ru­dolf Wei­gel vom Kriegs­ein­satz als Volks­sturm­mann an sei­ne Fa­mi­lie in Ans­bach ge­schickt hat. Ei­ne Vi­tri­ne, die durch Spen­den von Kai Herr­mann, Frank Küt­bach und Joa­chim Schnei­der an­ge­schafft wur­de, zeigt Brie­fe und Kar­ten, die zwi­schen dem 30. Ja­nu­ar und 25. März 1945 ab­ge­schickt wur­den. Sie la­gen bis vor kur­zem in den Un­ter­la­gen von Ru­dolf Wei­gel, dem Sohn des Kriegs- Über­ga­be. Jür­gen M. Goll­mick (l) über­reicht die Feld­post­brie­fe an den Le­bu­ser Amts­di­rek­tor Hei­ko Frie­de­mann. teil­neh­mers. Ein Zei­tungs­be­richt von der Auf­stel­lung des Ge­denk­steins im Le­bu­ser Müh­len­tal für das Volks­sturm-Ba­tail­lon 7/108 Fran­ken hat­te den Leip­zi­ger auf­merk­sam ge­macht. Sein Va­ter ge­hör­te zu den 550 zu­meist äl­te­ren Land­wir­ten aus Fran­ken, die im Fe­bru­ar 1945 als letz­tes Auf­ge­bot an die Oder ge­schickt wor­den, um die Ro­te Ar­mee auf­zu­hal­ten. Die Feld­post­brie­fe, die Ru­dolf Wei­gel (84) dem Amt Le­bus schenk­te, er­mög­li­chen ei­ne in­di­vi­du­el­le und da­mit emo­tio­nal ein­dring­li­che Sicht auf die Feld­post-Brief vom 8. Fe­bru­ar 1945: Ru­dolf Wei­gel schrieb die Post von der Front an sei­ne Fa­mi­lie in Ans­bach. Er­eig­nis­se im Win­ter und Früh­jahr 1945 an der Oder. „Auf die­se Wei­se wird Ge­schich­te in­ten­si­ver nach­emp­fun­den“, be­dank­te sich der Le­bu­ser Amts­di­rek­tor Hei­ko Frie­de­mann am Mon­tag bei der Über­ga­be der Do­ku­men­te. Aus den Brie­fen und Ta­ge­buch­ein­tra­gun­gen von Ru­dolf Wei­gel geht her­vor, dass er Fah­rer des Ba­tail­lons­kom­man­deurs Rie­ger und sei­nes Ad­ju­dan­ten von Frei­tag war. Im April kehr­te er nach Hau­se zu sei­ner Fa­mi­lie zu­rück.

Zu­sätz­lich zu den Ori­gi­nal­do­ku­men­ten über­gab Jür­gen M. Goll­nick die Über­tra­gung der Brief­tex­te in die heu­ti­ge Schrift, so dass sich nie­mand die Mü­he ma­chen muss, die in al­ter Hand­schrift ver­fass­ten Tex­te zu ent­zif­fern. Wei­gel schil­dert dar­in die Er­leb­nis­se von der An­kunft in Le­bus und auf Schloss Wul­kow. Am 15. Fe­bru­ar 1945 schreibt er von den „Aus­fäl­len“im Ba­tail­lon: zehn To­te, 16 Ver­wun­de­te und 60 Kran­ke. Noch im März be­klagt er sich, dass die ver­spro­che­ne Ab­lö­sung aus­bleibt und die Post­ver­bin­dung so schlecht ist. (ulg)

Fo­tos (2): Ulf Grieger

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