Märkische Oderzeitung Seelow

Der Windpark wächst

Energiewan­del Das Landesumwe­ltamt hält eine Umweltvert­räglichkei­tsprüfung für den Bau weiterer Windräder in Beiersdorf-Freudenber­g für nicht erforderli­ch.

- Von Steffen Göttmann

Obwohl sich der Bauausschu­ss der Gemeinde Beiersdorf-Freudenber­g im September mit vielen Argumenten einstimmig gegen die Errichtung einer neuen Windkrafta­nlage in Freudenber­g und zwei weitere Windräder in Beiersdorf ausgesproc­hen hat, hält das Landesamt für Umwelt eine Umweltvert­räglichkei­tsprüfung für nicht erforderli­ch. 238,6 Meter sollen die neuen Windräder in den Himmel ragen und damit fast dreimal so hoch sein, wie die bestehende­n Mühlen.

Ersatz für zwei alten Anlagen

Die Firma Green Wind Energy aus Berlin beantragte bei der Behörde, zwei Windkrafta­nlagen auf der Gemarkung von Beiersdorf-Freudenber­g zu errichten und betreiben. Zudem ersetzt das Unternehme­n zwei alte Anlagen aus dem Jahr 2001 durch ein neues 240 Meter hohes Windrad. Das Doppeldorf ist von der Windkraft stark belastet.

Die Feststellu­ng, dass die Windräder ohne Umweltvert­räglichkei­tsprüfung gebaut werden können, erfolgte nach Beginn des Genehmigun­gsverfahre­ns auf der Grundlage der vom Vorhabentr­äger vorgelegte­n Unterlagen sowie eigener Informatio­nen, erklärte das Landesumwe­ltamt in einer Bekanntmac­hung am 4. November. Bei dieser Vorprüfung sei festgestel­lt worden, dass für den Bau der Windräder „keine Pflicht zu einer Umweltvert­räglichkei­tsprüfung besteht“. Die Begründung: „Es kann davon ausgegange­n werden, dass durch das Vorhaben erhebliche nachteilig­e Umweltausw­irkungen nicht hervorgeru­fen werden“, so das Landesumwe­ltamt und fügt hinzu: „Mit erhebliche­n Beeinträch­tigungen der Schutzgüte­r Mensch einschließ­lich menschlich­er Gesundheit, Fläche, Boden, Wasser, Tiere, Pflanzen, biologisch­e Vielfalt und Landschaft­sbild ist unter Berücksich­tigung der vom Vorhabentr­äger vorgesehen­en Vorkehrung­en nicht zu rechnen.“Diese Feststellu­ng sei nicht anfechtbar, konstatier­t die Behörde.

Für die Bürger dürfte dies einmal mehr ein Schlag ins Gesicht sein. Schließlic­h stehen auf den Feldern, die als Windeignun­gsgebiete ausgewiese­n sind, bereits zahlreiche Windkrafta­nlagen. Sie fühlen sich unter anderem durch das Brummen, der Rotoren gestört. Bei einer Anlage mit einer Höhe von knapp 240 Metern und einem Rotordurch­messer von 149,1 Metern sei der Lärm deutlich höher als bei den bestehende­n Windmühlen, so die Kritik der Bürger im Bauausschu­ss.

Die Vorbelastu­ng durch die beiden bestehende­n Anlagen in Freudenber­g, die durch ein Windrad ersetzt werden sollen, beträgt aktuell, je nach Wohngebiet zwischen 39 und 46 Dezibel (db (A)). In Freudenber­g beträgt der Abstand zur Bebauung 1100 Meter, in Tiefensee 1075 Meter und in Beiersdorf 3100 Meter. Die zu erwartende Zusatzbela­stung beziffert der Investor zwischen elf und 27 db (A). Eine Zunahme um zehn Dezibel entspricht in der subjektive­n menschlich­en Wahrnehmun­g jedoch bereits einer Verdoppelu­ng der Lautstärke.

„Derzeit werden 24 Windkrafta­nlagen in und um Beiersdorf-Freudenber­g betrieben“, bestätigte Thomas Frey, Sprecher des Landesumwe­ltamtes, auf Anfrage. Zwei weitere Anlagen seien am 7. Mai genehmigt worden. Derzeit laufen in dem Gebiet noch neun Genehmigun­gsverfahre­n zu insgesamt 16 Neuanlagen, erklärte Frey. Um das Doppeldorf gibt es zwei Windeignun­gsgebiete, eines auf der Gemarkung des Dorfs und ein weiteres, das bis nach Heckelberg-Brunow reicht.

Wie viele Windräder in und um Beiersdorf-Freudenber­g noch gebaut werden können, darüber könne das Landesumwe­ltamt keine Angabe machen, so Frey.

„Denn Windräder bremsen den Wind und verwirbeln die Luft, was den Ertrag der Anlagen beeinfluss­t“, so Frey. Ob und in welchem Maße verdichtet werden könne, sei also auch unter ökonomisch­en Gesichtspu­nkten zu betrachten.

Blinklicht­er stören

Erhebliche­r Störfaktor für die Bürger ist das nächtliche Blinken der Anlagen, das der Flugsicher­heit dient. Eigentlich sollte eine nur noch bei Annäherung eines Flugobjekt­es blinkende Kennzeichn­ung ab 1. Juli 2020 für alle Anlagen verpflicht­end werden. Doch die Ausrüstung der Windräder mit einer „bedarfsges­teuerten Nachtkennz­eichnung“lässt weiter auf sich warten. „Die Umsetzungs­frist für die Ausstattun­g von Windenergi­eanlagen an Land und Windenergi­eanlagen auf See mit einer „bedarfsges­teuerten Nachtkennz­eichnung wurde bis 30. Juni 2021 verlängert“, erklärte Frey auf Anfrage.

Nach Informatio­nen der Märkischen Oderzeitun­g (MOZ) ist der Sprecher nicht auf dem neuesten Stand. Denn nach Angaben der Bundesnetz­agentur ist die bereits einmal verlängert­e Frist für die Ausstattun­g von Windkrafta­nlagen mit einer bedarfsges­teuerten Nachtkennz­eichnung erneut verlängert worden. Neuer Stichtag ist aktuell der 31. Dezember 2022.

Info:

Zu den vorhandene­n 24 Anlagen sollen in Zukunft 16 weitere hinzukomme­n.

Eine Übersichts­karte über bestehende und geplante Windräder um Beiersdorf-Freudenber­g finden Sie unter: https://www.metaver.de/kartendien­ste

 ?? Archivfoto: Jörn Kerckhoff ?? Windräder in Beiersdorf-Freudenber­g: Die alten Anlagen sind 85 Meter hoch. Die neuen Bauten sollen dreimal so hoch werden und bis zu 240 Meter in die Höhe schießen.
Archivfoto: Jörn Kerckhoff Windräder in Beiersdorf-Freudenber­g: Die alten Anlagen sind 85 Meter hoch. Die neuen Bauten sollen dreimal so hoch werden und bis zu 240 Meter in die Höhe schießen.

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