„Wir su­chen ver­läss­li­che Part­ner“

Kul­tur­park Straus­bergs Bür­ger­meis­te­rin El­ke Sta­de­ler spricht im In­ter­view dar­über, war­um in die­sem Som­mer ei­ni­ge Ver­an­stal­tun­gen ab­ge­sagt wur­den und was die Stadt zur Be­le­bung des Parks bei­tra­gen will. Von Mar­tin Stralau

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Märkisches Echo -

Nach der Ab­sa­ge ei­ni­ger Ver­an­stal­tun­gen fris­tet der Kul­tur­park Straus­berg in die­sem Som­mer ein trau­ri­ges Da­sein. Bür­ger­meis­te­rin El­ke Sta­de­ler er­klärt die Grün­de, geht auf die an­ge­kün­dig­te De­mons­tra­ti­on ein und sagt, was sich die Stadt für die Zu­kunft des Parks vor­stellt.

Frau Sta­de­ler, am 17. Au­gust gibt es im Kul­tur­park ei­ne De­mons­tra­ti­on un­ter dem Mot­to „Freie Kul­tur statt stei­gen­de Ru­he“. Braucht es die­se Fei­er, um den Kul­tur­park zu ret­ten? Ich weiß nicht, wer dar­auf ge­kom­men ist, zu sa­gen, der Kul­tur­park soll ge­schlos­sen oder ver­hin­dert wer­den. Wir sind nach der Kün­di­gung des Nut­zungs­ver­trags durch die In­ter­es­sen­ge­mein­schaft Kul­tur­park als Be­trei­ber des Parks En­de 2018 an ei­nem Punkt, wo wir über­le­gen müs­sen, in wel­che Rich­tung er sich ent­wi­ckeln soll. Des­halb bin ich den Stadt­ver­ord­ne­ten auch dank­bar, dass sie uns ein Bud­get zur Ver­fü­gung ge­stellt ha­ben, mit dem wir ein Kon­zept für die Zu­kunft des Kul­tur­parks er­ar­bei­ten wer­den.

Ver­an­stal­ter Andre­as Köhler hat die Schla­ger­näch­te und Acht­zi­ger­jah­re-Par­ty ab­ge­sagt, ei­ne gas­tro­no­mi­sche Ver­pfle­gung fehlt nach wie vor. Auch ei­ne Nut­zungs­ver­ein­ba­rung zur Be­le­bung des Parks kam nicht zu­stan­de. Was läuft hier falsch?

Fakt ist, dass es im Kul­tur­park im­mer nur tem­po­rär gas­tro­no­mi­sche An­ge­bo­te gab. Wir wa­ren auch sehr über­rascht, dass die Schla­ger­par­tys auf ein­mal ab­ge­sagt wur­den, zu­mal die Ter­mi­ne schon mit uns ab­ge­stimmt wa­ren. Un­se­rer Bit­te als Ei­gen­tü­mer des Kul­tur­parks, ei­nen Nut­zungs­ver­trag mit uns zu schlie­ßen, ist der Ver­an­stal­ter nicht nach­ge­kom­men. Es gab zwar Ge­sprä­che mit dem Fach­be­reich Bür­ger­diens­te, doch der Ver­wal­tung liegt kein An­trag vor, aus dem her­vor­geht, dass Herr Köhler hier et­was mie­ten und nut­zen will.

Wie könn­te es denn bes­ser lau­fen? Es fin­den ja re­gel­mä­ßig Ver­an­stal­tun­gen in der Alt­stadt und im Kul­tur­park statt. Wenn man zum Bei­spiel die Dra­chen­boot­fest­ta­ge sieht oder den Cir­que de la Lu­ne, da gab es im Vor­feld Ge­sprä­che mit dem Ver­an­stal­ter, der ei­nen An­trag auf Nut­zung stell­te. Die­ser wur­de ge­prüft und un­ter­zeich­net. So funk­tio­niert das. Für al­le, die im Kul­tur­park et­was aus­rich­ten wol­len, gibt es Rah­men­be­din­gun­gen. Und die müs­sen schrift­lich fi­xiert wer­den.

Sind die bü­ro­kra­ti­schen Hür­den der Stadt nicht viel­leicht et­was zu hoch?

Über­haupt nicht. Neh­men wir mal die Hüpf­bur­gen-Be­trei­ber im Park. Sie wen­den sich im Vor­feld mit ih­ren ge­wünsch­ten Ver­an­stal­tungs­ter­mi­nen an den Kul­tur­be­reich der Ver­wal­tung. Dort wird ge­schaut, ob der Kul­tur­park in die­ser Zeit be­reits für an­de­re Ver­an­stal­tun­gen ge­nutzt wird oder ver­mie­tet wer­den kann. Wird ihr An­lie­gen be­jaht, ge­hen die In­ter­es­sen­ten da­mit zum Grund­stücks­und Ge­bäu­de­ma­nage­ment, um die Nut­zungs­ver­ein­ba­rung ab­zu­schlie­ßen. Die Er­ar­bei­tung ei­nes sol­chen Ver­tra­ges dau­ert dann et­wa ei­ne hal­be St­un­de. Er wird an mich ver­sen­det – und ich un­ter­schrei­be ihn. In der Fach­grup­pe Ord­nung und Ge­wer­be müs­sen Ver­an­stal­tun­gen zu­dem an­ge­zeigt wer­den. Und na­tür­lich müs­sen sich die Ver­an­stal­ter um die Ein­ho­lung al­ler not­wen­di­gen öf­fent­lich-recht­li­chen Ge­neh­mi­gun­gen küm­mern.

War­um ist der Vor­stoß ver­schie­de­ner Ak­teu­re ge­schei­tert, die ein Kon­zept zur Be­le­bung des Parks vor­ge­legt ha­ben?

Wir be­ka­men ei­ne An­fra­ge mit Aus­füh­run­gen auf ei­ner A 4-Sei­te. Die ein­zel­nen Pro­jek­te, die dar­in vor­ge­stellt wur­den, ha­ben wir ta­bel­la­risch auf­ge­lis­tet und je­weils die Ge­neh­mi­gungs­fä­hig­keit er­läu­tert. Das heißt, wir ha­ben ge­sagt, was geht, wie es geht und was nicht geht.

Kön­nen Sie das an ei­nem Bei­spiel kon­kret ma­chen?

Neh­men wir das The­ma gas­tro­no­mi­sche Ver­sor­gung. Da ha­ben wir als Stadt mit Im­biss­stän­den, bei de­nen je­mand da­ne­ben steht, gar kei­ne Pro­ble­me. Es hat sich aber nie­mand ge­fun­den, der so et­was im Kul­tur­park be­trei­ben woll­te. We­der von den be­kann­ten Initia­to­ren noch von an­de­ren. Dann gab es die An­fra­ge nach meh­re­ren Foo­dt­rucks oder Stän­den. Wir ha­ben ge­sagt, ein ein­ge­haus­ter Food­truck, der nachts weg­ge­fah­ren wird, wä­re okay. Und spä­ter das Zu­ge­ständ­nis ge­macht, dass er Tag und Nacht dort ste­hen könn­te. Es wur­de aber kein An­trag ge­stellt.

Wie ste­hen Sie der von Son­ja Zey­mer (UfW/Pro Straus­berg) ins Spiel ge­brach­ten Son­der­sit­zung des Kul­tur­aus­schus­ses ge­gen­über? Wenn es ge­wünscht ist ... Das ist die Ent­schei­dung des Aus­schuss­vor­sit­zen­den und der Aus­schuss­mit­glie­der. Wir wer­den al­les Nö­ti­ge zum The­ma zu­ar­bei­ten, um al­le mal auf den glei­chen Wis­sens­stand zu brin­gen. Grund­sätz­lich wun­de­re ich mich schon, dass der Kul­tur­park jetzt für vie­le mit so ei­ner ho­hen Ge­schwin­dig­keit zum The­ma ge­wor­den ist, ob­wohl man sich jah­re­lang nicht um ihn ge­küm­mert hat.

Der Kul­tur­aus­schuss­vor­sit­zen­de Gre­gor Weiß (Lin­ke) hat kri­ti­siert, dass we­der die Ver­wal­tung noch die Ver­an­stal­ter im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Wo­chen ge­sagt ha­ben, dass es ir­gend­wo hakt. Gab es da Ver­säum­nis­se von Ih­rer Sei­te? Ganz klar: nein. Wir kön­nen ja auch nur re­agie­ren. Herr Köhler ist zum Bei­spiel mehr­fach von uns dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass er mit uns ei­nen Nut­zungs­ver­trag schlie­ßen muss. Ei­nen an­de­ren Part­ner als die Stadt gibt es nicht. Wir sind da un­ge­plant in die Ver­ant­wor­tung ge­kom­men, nach­dem uns die Kün­di­gung der In­ter­es­sen­ge­mein­schaft Kul­tur­park am 28. De­zem­ber zu­ge­gan­gen ist. Dar­über ha­ben wir die Stadt­ver­ord­ne­ten um­ge­hend in­for­miert und bei ei­nem Vor-Or­tTer­min auf an­ste­hen­de Maß­nah­men ver­wie­sen. Wir hät­ten das Are­al gern in ei­nem ge­pfleg­ten Zu­stand über­nom­men, doch das ist bis heu­te lei­der nicht der Fall.

Wie geht es wei­ter im Kul­tur­park? Na­tür­lich wol­len wir, dass Ver­an­stal­tun­gen wie die Dra­chen­boot­fest­ta­ge, die wir fi­nan­zi­ell re­gel­mä­ßig un­ter­stüt­zen, und der Cir­que de la Lu­ne wei­ter statt­fin­den kön­nen – ger­ne auch noch mehr Ver­an­stal­tun­gen. Aber wir su­chen dort ver­läss­li­che Part­ner. Es

wird nicht so sein, dass die Stadt dort re­gel­mä­ßig ei­ne Kul­tur­ver­an­stal­tung nach der an­de­ren um­setzt. Wir möch­ten auf dem, was dort schon war, auf­bau­en. Was wün­schen Sie sich per­sön­lich für den Kul­tur­park? Dass wir ihn wie­der in ei­nen gu­ten und ord­nungs­ge­mä­ßen Zu­stand be­kom­men. Und dass die Leu­te ihn auch als sol­chen wahr­neh­men. Und da fängt es an. Es wur­de im­mer viel kri­ti­siert, aber nie viel ge­macht. Wir wol­len auf ihn auf­merk­sam ma­chen. Es geht dar­um, ei­nen wür­di­gen Ein­gangs­be­reich zu schaf­fen, so dass er­kenn­bar ist, dass dort ein Kul­tur­park ist. Das fängt mit der Ent­fer­nung der voll ge­kleb­ten Hin­weis­schil­der an, wo­bei das aber nur die op­ti­sche Sei­te ist. Was ist sonst noch ge­plant?

Wir möch­ten den Kul­tur­park funk­tio­nal er­tüch­ti­gen und ge­stal­te­risch auf­wer­ten, um sein Po­ten­zi­al bes­ser aus­zu­schöp­fen. Wir ha­ben da­für Städ­te­bau­för­der­mit­tel aus dem Pro­gramm Ak­ti­ve Stadt­zen­tren be­kom­men, in das wir auf­ge­nom­men wor­den sind. Um das Op­ti­mum her­aus­zu­ho­len, wol­len wir ei­nen Rea­li­sie­rungs­wett­be­werb durch­füh­ren.

Wie läuft der ab?

Ziel ist, die Aus­schrei­bung des Wett­be­werbs noch in die­sem Jahr vor­zu­be­rei­ten. Es geht dar­um, den Wett­be­werbs­teil­neh­mern klar zu sa­gen, was sie zu be­ach­ten ha­ben. Der Park soll wei­ter­hin als in­ner­städ­ti­sche Grün­flä­che für Er­ho­lung Su­chen­de und als Lie­ge­wie­se für Ba­de­gäs­te, aber auch für Ver­an­stal­tun­gen zur Ver­fü­gung ste­hen. Zu die­sem Zweck sind auch Ge­sprä­che mit Ver­an­stal­tern ge­plant. Zum Ent­wurf der Aus­schrei­bung wird es ei­ne Bür­ger­be­tei­li­gung ge­ben. Ein Preis­ge­richt er­mit­telt den Sie­ger des Wett­be­werbs. Der, der den ers­ten Platz be­kommt, soll den Park an­schlie­ßend ge­stal­ten und pla­nen.

An­ge­nom­men, in dem Park fin­den wie bis­her wei­ter gro­ße Ver­an­stal­tun­gen statt, sind dann nicht neue Kon­flik­te pro­gram­miert?

Wir müs­sen uns im Zu­ge des Wett­be­werbs auch Ge­dan­ken ma­chen, ob es un­ter dem Ge­sichts­punkt der Lärm­be­las­tung nicht ge­eig­ne­te­re Flä­chen für lau­te Ver­an­stal­tun­gen gibt. Nicht nur die Men­schen, die un­mit­tel­bar am Kul­tur­park woh­nen, wer­den durch vor al­lem bass­las­ti­ge Fes­te ge­stört, son­dern auch das gro­ße Se­nio­ren­heim und die zu­künf­ti­ge Kin­der­nach­sor­ge­kli­nik auf der an­de­ren See­sei­te. Das müs­sen wir ernst neh­men. Vom Land­kreis gibt es aber be­reits po­si­ti­ve Si­gna­le für ei­ne Flä­che an der Pröt­zeler Chaus­see am nörd­li­chen Stadt­aus­gang, die als neue Kul­tur­wie­se even­tu­ell in Fra­ge kä­me.

Wir hät­ten das Are­al ger­ne in ei­nem ge­pfleg­ten Zu­stand über­nomm­men.“El­ke Sta­de­ler Bür­ger­meis­te­rin

Fo­to: Andre­as Prinz

Cir­que de la Lu­ne: Die­se Par­ty (hier ein Fo­to von 2018) wird am Wo­che­n­en­de wie­der im Kul­tur­park statt­fin­den – die Schla­ger­näch­te und Acht­zi­ger­jah­re-Par­ty wur­den hin­ge­gen ab­ge­sagt. Am 17. Au­gust gibt es ei­ne De­mons­tra­ti­on für die Er­hal­tung des Parks.

Fo­to: Gerd Mar­kert

El­ke Sta­de­ler: Straus­bergs Bür­ger­meis­te­rin

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