Zwi­schen Hör­saal und Lein­wand

Ki­no Das Fes­ti­val Cott­bus geht fremd – den Auf­takt mach­te ein span­nen­der Ost­eu­ro­pa-Film­abend an der Vi­a­d­ri­na.

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Kultur Regional - In­fos: www.film­fes­ti­val­cott­bus.de

Frank­furt (Oder). Ka­fia ist 17 und hat die üb­li­chen Pro­ble­me – sie ka­piert Ma­the nicht und ist zum ers­ten Mal ver­liebt. Aber das Mäd­chen aus So­ma­lia schleppt zu­sätz­lich ei­nen Ruck­sack voll Sor­gen, die Gleich­alt­ri­ge sel­ten ha­ben: Sie ist vor ei­ner Zwangs­hei­rat nach Bu­da­pest ge­flo­hen, lebt dort in ei­nem Kin­der­heim, jon­gliert mit meh­re­ren Jobs und kämpft mit Heim­weh und dem Klet­ter­seil in der Turn­hal­le – zu Hau­se gab‘s kei­nen Sport­un­ter­richt für Mäd­chen.

Sie ist die hin­rei­ßen­de Prot­ago­nis­tin des Do­ku­men­tar­films „Ea­sy Les­sons“, ge­dreht von der un­ga­ri­schen Fil­me­ma­che­rin Dor­ro­tya Zur­bó. Er lief am Mitt­woch in Frank­furt (Oder) – or­ga­ni­siert von Stu­die­ren­den, die meis­ten ge­ra­de ein paar Jah­re äl­ter als Ka­fia. Im An­schluss er­zähl­ten sie von „ih­rer“Film­rei­he, die sie für das in an­dert­halb Wo­chen star­ten­de 29. Film­Fes­ti­val Cott­bus (FFC) ku­ra­tiert ha­ben. Sie steht un­ter dem Ti­tel „Flucht­be­we­gun­gen: Angst und An­kom­men in Ost­eu­ro­pa“ganz of­fi­zi­ell im Pro­gramm­heft. Die Be­gleit­tex­te stam­men von den Stu­die­ren­den.

Das Gan­ze ist ein Pi­lot­pro­jekt: Zu­sam­men­ge­tan ha­ben sich da­für die FFC-Ma­cher, vor al­lem Pro­gramm­di­rek­tor Bernd Bu­der, und gleich zwei Hoch­schu­len, ne­ben der Vi­a­d­ri­na auch die Uni­ver­si­tät Pots­dam. Als Grup­pe – Bu­der, zehn Stu­die­ren­de, zwei Do­zen­tin­nen – ha­ben sie seit dem ver­gan­ge­nen Se­mes­ter re­cher­chiert, 30 Fil­me ge­sich­tet und nach vie­len De­bat­ten sie­ben da­von aus­ge­wählt. Al­le­samt brand­neue Wer­ke, die noch nie in Deutsch­land zu se­hen wa­ren, und die den Spa­gat zwi­schen Flucht und Rei­bung im An­kunfts­land zei­gen. Aber auch ein­drück­lich vor Au­gen füh­ren, was für ein­zig­ar­ti­ge Per­sön­lich­kei­ten sich hin­ter dem Stem­pel Ge­flüch­te­te ver­ste­cken.

Für die Stu­die­ren­den ist das Pro­jekt längst nicht zu En­de: Sie wer­den auch in Cott­bus prä­sent sein und zum Bei­spiel ei­ne Ver­an­stal­tung mo­de­rie­ren. Ka­fia aus „Ea­sy Les­sons“muss­ten sie üb­ri­gens schwe­ren Her­zens wie­der aus­sor­tie­ren – der Film war be­reits beim DOK.fest Mün­chen zu se­hen. Auch für die Pro­fis sei das Se­mi­nar „be­wusst­seins­er­wei­ternd“ge­we­sen, fin­det Bernd Bu­der: In der ge­mein­sa­men Ar­beit sei­en vie­le span­nen­de Fra­gen auf­ge­taucht; et­wa, wel­chen Blick Stu­die­ren­de auf Fil­me ha­ben, aber auch wie man den ei­ge­nen An­spruch er­klä­ren kann.

Ant­je Sche­rer

Zwei Unis, zehn Stu­die­ren­de, 30 Fil­me.

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