Ver­pfle­gungs­sta­ti­on Bal­kon

In­sek­ten Wer um­sich­tig an­pflanzt, trägt zum Über­le­ben von Bie­nen und Fal­tern bei. Sinn­voll sind aber nur Blü­ten mit rei­chem Pol­len­an­ge­bot und viel Nekt­ar. Von Ri­ta Köh­ler

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Ratgeber/garten -

Ei­nes ist klar: Mit blü­hen­den Topf­pflan­zen ret­tet man kei­ne ein­zi­ge be­droh­te In­sek­ten­art vor dem Auss­ter­ben. Die Mög­lich­kei­ten, et­was für be­droh­te Wild­bie­nen oder an­de­re In­sek­ten zu tun, sind auf ei­nem Bal­kon äu­ßerst be­schränkt. Doch bie­ten Blü­ten mit Nekt­ar und Pol­len Nah­rung für we­nig spe­zia­li­sier­te In­sek­ten, was man nicht un­ter­schät­zen darf. Wenn in frei­er Na­tur und an­gren­zen­den Ra­sen­flä­chen nichts Fress­ba­res zu fin­den ist, dann sind Nekt­ar und Pol­len im Bal­kon­kas­ten viel­leicht ein Ret­tungs­an­ker. Un­ter Um­stän­den bil­den blü­hen­de Topf­pflan­zen dann ei­ne ent­schei­den­de Sta­ti­on für das Über­le­ben von In­sek­ten.

Um In­sek­ten ei­ne der­ar­ti­ge Hil­fe zu bie­ten, braucht es vor al­lem dann Blü­ten, wenn in frei­er Na­tur kaum et­was blüht, al­so mög­lichst früh und mög­lichst spät im Jahr.

So­bald die Tem­pe­ra­tu­ren im aus­ge­hen­den Win­ter um we­ni­ge Grad über Null stei­gen, kom­men die ers­ten Wild­bie­nen her­vor, die mit dem Nest­bau be­gin­nen wol­len. Für über­win­ter­te Ho­nig­bie­nen müs­sen die Tem­pe­ra­tu­ren auf über 13 °C an­stei­gen, da­mit sie aus­flie­gen, um im Frei­en ih­ren Darm zu ent­lee­ren. Der Aus­flug er­schöpft die aus­ge­hun­ger­ten Bie­nen, doch im Fe­bru­ar und An­fang März fin­den sie noch kei­ne Nah­rung in Wald und Feld. Da­für blü­hen in den Gär­ten die ers­ten Zwie­bel­blu­men. Ein früh­zei­ti­ges Nah­rungs­ge­bot kann auch ein Pflanz­ge­fäß auf dem Bal­kon lie­fern, in dem Kro­kus­se, Zwie­be­li­ris, Pri­meln, Zwer­gnar­zis­sen oder ge­drun­ge­ne Wild­tul­pen blü­hen. Zeit­gleich stäu­ben Zwerg­wei­den im Kü­bel ih­ren Pol­len aus silb­ri­gen, pel­zi­gen Kätz­chen. Sehr früh im Jahr kann ein Sei­del­bast im Topf sei­ne pink­far­be­nen Blü­ten ent­fal­ten. Et­was spä­ter, im April, wird ei­ne klei­ne Zier­kir­sche oder ein Zier­ap­fel­bäum­chen zum In­sek­ten­ma­gnet.

Spä­tes­tens ab Mai blü­hen Beet­und Bal­kon­pflan­zen in vol­ler Pracht. Doch nur bei be­wuss­ter Aus­wahl bie­ten sie Nah­rung für In­sek­ten. Vie­le der Som­mer­blu­men, die wir im Kü­bel oder Topf zie­hen, schmü­cken zwar mit gro­ßen und farb­kräf­ti­gen Blü­ten, doch vie­le bie­ten kaum In­sek­ten­nah­rung. Fuch­si­en et­wa lie­fern we­nig Nekt­ar und kei­nen Pol­len, Bie­nen igno­rie­ren die Blü­ten da­her.

Gera­ni­en we­nig hilf­reich

Gera­ni­en stel­len we­der Pol­len noch Nekt­ar be­reit. Dies wirkt sich auf das Tau­ben­schwänz­chen aus, das wir in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer häu­fi­ger und im­mer frü­her bei uns be­ob­ach­ten kön­nen, weil der Schmet­ter­ling in­zwi­schen bei uns über­win­tern kann. Der Fal­ter mit sei­nem plum­pen Kör­per schwirrt wie ein Ko­li­bri und rollt sei­nen lan­gen Sau­g­rüs­sel tief ins Blü­ten­in­ne­re aus. Er muss für sei­nen kräf­te­zeh­ren­den Flug stän­dig zu­cker- und so­mit en­er­gie­rei­chen Nekt­ar auf­neh­men. Fin­det er nichts, stirbt er. Die Fal­le lässt sich um­ge­hen, in­dem man ro­te Blü­ten wählt, denn die meis­ten In­sek­ten se­hen Rot als Schwarz und neh­men da­her sol­che Blü­ten nicht wahr.

Wie er­kennt man gu­te In­sek­ten­fut­ter­pflan­zen? Blü­ten, die Nekt­ar ent­hal­ten, be­sit­zen ei­ne Röh­re, in der sich Zu­cker­saft be­fin­det. Da­mit lockt die Pflan­ze be­stäu­ben­de In­sek­ten her­bei, die mit ih­rem lan­gen Sau­g­rüs­sel den Nekt­ar auf­neh­men. Da­bei kom­men sie mit Pol­len in Be­rüh­rung, den sie auf der nächs­ten Blü­te ab­strei­fen. Ein gu­tes Nekt­ar­an­ge­bot bie­ten da­her al­le Kräu­ter, die duf­ten­de Lip­pen­blü­ten mit ei­ner tie­fen Röh­re be­sit­zen: Thy­mi­an, Ma­jo­ran, Ros­ma­rin oder Ysop im Topf sind idea­le Fut­ter­pflan­zen für In­sek­ten, sie ge­dei­hen im Som­mer bes­tens im Topf oder Bal­kon­kas­ten, blü­hen wo­chen­lang und be­rei­chern die Kü­che. Übe­r­aus at­trak­tiv für In­sek­ten sind gleich­falls Duft­nesseln und In­dia­ner­nes­seln.

Un­ter den Bal­kon­pflan­zen, die im Som­mer blü­hen, sind al­le für In­sek­ten wert­voll, die vie­le Staub­blät­ter mit rei­chem Pol­len­be­satz ent­hal­ten. Wählt man Blu­men für den Som­mer­flor aus, muss man des­halb auf un­ge­füll­te Blu­men ach­ten, in de­nen vie­le Staub­blät­ter er­kenn­bar sind. Bei ge­füll­ten Blu­men wur­den die Staub­blät­ter in Blü­ten­blät­ter um­ge­wan­delt, ei­ne ge­füll­te Blü­te be­sitzt da­her we­ni­ger Pol­len. Das ist bei Ro­sen eben­so der Fall wie bei Dahli­en, die im Herbst zu­sam­men mit den Schmuck­körb­chen und den As­tern so wich­tig sind, weil sie noch blü­hen, wenn Blü­hen­des in der Land­schaft Na­tur rar ge­wor­den ist.

Zum Ar­ten­schutz tra­gen der­ar­ti­ge Blu­men aber nicht bei. We­der Blü­ten im Bal­kon­käs­ten noch im Gar­ten kön­nen den Schwund von Le­bens­räu­men in der Na­tur aus­glei­chen. Wer­den Wa­chol­der­wei­den über­baut, sind die Le­bens­räu­me ver­lo­ren. Be­den­ken muss man, dass Som­mer­blu­men nur vom spä­ten Früh­jahr bis zum Herbst vor­han­den sind. Da­nach wird die Be­pflan­zung aus­ge­räumt, weil sie den Win­ter im Frei­en nicht über­le­ben wür­de. In­sek­ten aber brau­chen dür­re Stän­gel, in de­nen sie wäh­rend der käl­tes­ten Wo­chen des Jah­res Schutz fin­den. Über­dau­ern kön­nen sie in den ste­hen­ge­las­se­nen, dür­ren Stän­geln von mehr­jäh­ri­gen, krau­ti­gen Pflan­zen.

Et­li­che schön blü­hen­de Stau­den eig­nen sich bes­tens für die Kul­tur im Pflanz­ge­fäß: Pracht­ker­zen, Son­nen­hut, Son­nen­au­ge, Ko­kar­den­blu­me und Pracht­se­dum kön­nen mit et­was Schutz den Win­ter über im Frei­en blei­ben. Die al­ten, tro­cke­nen Stän­gel schnei­det man erst zu­rück, wenn es En­de März wär­mer ge­wor­den ist und die über­win­ter­ten In­sek­ten ih­ren Un­ter­schlupf ver­las­sen ha­ben. Er­gän­zen kann man die mehr­jäh­ri­gen Ge­wäch­se wäh­rend der Wachs­tums­zeit mit bun­ten Som­mer­blu­men. Be­son­ders wert­voll sind die groß­blu­mi­gen und farb­kräf­ti­gen Zin­ni­en. Sie blü­hen an­hal­tend bis weit in den Herbst und sie bie­ten viel Nekt­ar und Pol­len.

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